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Online- Anlagen- und Investitionsbetrug floriert

Gepostet am 18.08.2020 von Watchlist Internet

Laufend treten von Investitionsbetrug betroffene Konsumentinnen und Konsumenten an die Watchlist Internet heran. Die Methoden der Kriminellen sind dabei fast immer die gleichen. Erfundene Werbeschaltungen, hohe Gewinnversprechen und persönliche Betreuung verleiten die Opfer zu großen Investitionen. Im Endergebnis führt dies zu mitunter existenzbedrohenden Schadenssummen.

Der Anlagebetrug im Internet nimmt zu und stellt aufgrund teils enormer Schadensummen ein großes Problem dar. Den Opfern werden dabei schier unglaubliche Gewinnmöglichkeiten vorgespielt, die durch kleine Startinvestments – beispielsweise in Bitcoin oder andere Kryptowährungen – erreicht werden können. Werbung mit bekannten Gesichtern, persönliche Betreuung, ausgefeilte Nutzeroberflächen und Drucksituationen führen dazu, dass Betroffene mitunter mehrere hunderttausend Euro in betrügerische Trading-Plattformen investieren. Die Zahlungen landen auf ausländischen Konten und Auszahlungen angeblicher Gewinne sind nicht möglich. Das Geld ist somit verloren und Ermittlungen verlaufen meist im Sand.

Wie werden potenzielle Opfer angelockt?

Die Kriminellen hinter betrügerischen Investitionsplattformen setzen unterschiedlichste Methoden ein, um potenzielle Opfer zu einer ersten Anmeldung und folglich einer Einzahlung zu bewegen:

  • Sie verfassen erfundene Nachrichtenbeiträge und bewerben diese auf Social Media Plattformen.
  • Sie missbrauchen die Gesichter prominenter Personen und behaupten, dass diese durch die jeweiligen Plattformen noch reicher geworden wären.
  • Sie nützen die Logos und das Auftreten bekannter Medien, um Vertrauen zu stiften.
  • Sie erfinden Kommentare angeblicher Nutzerinnen und Nutzer, die mit kleinen Einzahlungen hohe Gewinne erzielen konnten.
  • Sie versenden E-Mails, nehmen Kontakt über Dating-Plattformen oder Spiele-Chats auf und versuchen im persönlichen Kontakt, zu ersten Einzahlungen zu bewegen.

Wie werden Opfer zu hohen Einzahlungen bewegt?

Nach der ersten Anmeldung bei einer betrügerischen Investitionsplattform folgt in aller Regel ein Anruf der persönlichen Betreuerin oder des persönlichen Betreuers. Dies soll Vertrauen stiften und gleichzeitig wird das weitere Vorgehen erläutert. Die ersten Einzahlungen bewegen sich zwischen 200 und 300 Euro. Über die ausgefeilten Websites werden daraufhin binnen Kürze die ersten Gewinne dargestellt. Aufkommende Euphorie wird von den Kriminellen dann ausgenützt, um zu weiteren Zahlungen zu bewegen. Dabei gilt: Je höher die Einzahlung desto höher fällt der angebliche Gewinn aus. Wer sich beispielsweise entscheidet, 10.000 statt 1.000 Euro einzuzahlen, erhält bessere Konditionen und wird zukünftig von erfolgreicheren Traderinnen und Tradern betreut.

Dieses Spiel setzt sich so lange fort, bis die Opfer kein Geld mehr einzahlen. Stellen die Kriminellen fest, dass die Euphorie nicht mehr Grund genug für weitere Einzahlungen ist, stellen sie ihre Taktik um: Plötzlich kommt es zu hohen Verlusten und um diese zu kompensieren, sollen sofort weitere Einzahlungen erfolgen, die für Investitionen in andere Märkte genützt werden. Später werden Fehler der bisherigen persönlichen Betreuung als Begründung für (Total-)Verluste als Ausrede eingesetzt. Die Person sei deshalb sofort gekündigt worden und durch weitere Investitionen mit einer neuen persönlichen Betreuerin oder einem neuen persönlichen Betreuer könnten sämtliche Verluste schnell wieder behoben werden.

Ein Fallbeispiel, welches sich so zugetragen hat, zeigt auf, wie dieses Vorgehen zu horrenden Schadensummen führen kann:

  • Einzahlung nach Anmeldung: 250 Euro
  • Einzahlung für höhe Gewinnchancen: 1.000 Euro
  • Einzahlung für erfahrenere Betreuung: 4.000 Euro
  • Einzahlung für Investition in andere Märkte: 15.000 Euro

Binnen weniger Wochen wurden 20.000 Euro investiert. Nachdem zwischenzeitlich unglaubliche Gewinne erzielt werden konnten, was den dargestellten Kontostand in den sechsstelligen Bereich steigen ließ, werden nun plötzlich erste Verluste eingefahren. Um diese aufzuhalten, wird zu weiteren Einzahlungen aufgefordert.

  • Einzahlung für Investition in andere Märkte zur Kompensation der Verluste: 30.000 Euro

Nachdem wieder Gewinne eingefahren werden konnten, verlangte das Opfer eine sofortige Auszahlung des Gesamtkapitals. Es folgte ein plötzlicher Verlust des Gesamtkapitals binnen kürzester Zeit, noch bevor die Auszahlung erfolgen konnte. Die Verzweiflung über den Verlust sämtlicher Gewinne und der investierten 50.000 Euro wurde ausgenützt, um das Opfer zu einer neuerlichen Einzahlung zu bewegen. Die Verluste sollten mithilfe des besten Traders im Unternehmen wieder wettgemacht werden.

  • Einzahlung zur Kompensation der Verluste: 50.000 Euro

Insgesamt bezahlte das Opfer in diesem Fall über 100.000 Euro an die Kriminellen ehe der betrügerische Hintergrund endgültig auffiel und keine weiteren Einzahlungen erfolgten.

Mit etwas Abstand konnte die Person selbst kaum glauben, auf die Masche hereingefallen zu sein und derartig hohe Geldbeträge an die Kriminellen überwiesen zu haben. Euphorie, Leichtgläubigkeit und später hoher Druck führten zu einem eingeschränkten Urteilsvermögen.

Die Kriminellen setzen weitere Methoden ein, um den Opfern das Geld aus der Tasche zu ziehen:

  • Sie setzen auf Zeitdruck und verlangen Zahlungen sofort, um Gewinnchancen nicht zu verpassen.
  • Beharrt ein Opfer auf einer Auszahlung, so werden vorab zu bezahlende Gebühren, Steuern oder Anteile verlangt.
  • Die Opfer werden zur Kreditaufnahme gedrängt, um weitere Investitionen tätigen zu können, falls kein Budget mehr vorhanden ist.
  • Ist das Gesamtkapital bereits verloren und der Kontakt zur Trading-Plattform abgebrochen, werden die Opfer auf vermeintliche Rückholdienste geleitet oder gezielt von diesen kontaktiert. Diese behaupten die Einzahlungen gegen Vorabzahlung zurückholen zu können. Die Dienste stammen aber von den Kriminellen selbst und erhöhen lediglich den Gesamtverlust.

 

Zugriff per Fernwartungssoftware AnyDesk

Viele der betrügerischen Plattformen setzen nicht nur auf telefonische Betreuung ihrer Opfer, sondern verlangen Zugriff auf deren System über die Fernwartungssoftware AnyDesk. Sie behaupten, ihre Klientinnen und Klienten so besser betreuen zu können. Durch die Software wird es den Kriminellen ermöglicht, aus der Ferne das System ihrer Opfer zu steuern. In Verbindung mit dem Online-Banking-Zugang können sie so selbst Einzahlungen auslösen. Auch die Installation von Schadsoftware, die beispielsweise sensible Daten und Passwörter ausliest, ist dadurch möglich. Weitere Schäden sind somit nicht auszuschließen.

Wie bleiben die Kriminellen unentdeckt?

Die Betrügerinnen und Betrüger setzen alles daran, ihre Identitäten geheim zu halten. Sie nutzen unterschiedlichste Tricks, um unentdeckt zu bleiben:

  • Sie registrieren ihre Unternehmen auf „Offshore-Inseln“ – darunter versteht man Jurisdiktionen, die unter anderem keine oder kaum Überprüfungen von Finanztransaktionen durchführen, kaum Steuern einheben und nur minimale Vorgaben zur Unternehmenseröffnung vorschreiben. Bekannte Beispiele sind die Cayman Inseln oder Panama.
  • Sie setzen Anonymisierungsdienste ein, sodass beispielsweise nicht nachvollziehbar ist, wer die Website oder das Unternehmen registriert hat.
  • Sie betreiben Geldwäsche, um die Rückverfolgung von eingezahlten Geldern zu erschweren oder unmöglich zu machen.

Wie kann man sich vor derartigen Betrugsmaschen schützen?

Für den Schutz vor Investmentbetrug ist insbesondere ein gewisses Maß an Skepsis den unglaublichen Versprechungen gegenüber gefragt. Dadurch sind beispielsweise die Werbeschaltungen auf Social Media Plattformen oder die gefälschten Nachrichtenartikel leicht als betrügerisch erkennbar. Konkrete Tipps zur frühzeitigen Erkennung unseriöser Investitionsmöglichkeiten sind beispielsweise folgende:

  • Wird mit unglaublich hohen Renditen bei kleinem Investment ohne jegliche Vorkenntnisse geworben, ist Abstand zu nehmen.
  • Besitzt die Website ein Impressum und hat die Firma einen Sitz in der EU oder einem anderen Staat mit strengen Finanzmarktregulierungen? Wenn nicht, sollte niemals Geld investiert werden.
  • Es sollte nach Erfahrungsberichten zu den Plattformen gesucht werden. Oft lässt sich schnell feststellen, dass es sich um Betrug handelt, da bereits zahlreiche Warnungen veröffentlicht wurden. Auch wenn weder negative noch positive Berichte vorhanden sind, ist Vorsicht geboten. Es könnte sich um ein neues Betrugsangebot handeln.
  • Die Finanzmarktaufsicht (FMA) veröffentlicht laufend aktuelle Investorenwarnungen. Diese können vor Investments durchsucht werden.
  • Wird die Installation von Fernwartungssoftware wie AnyDesk verlangt, um Investments durchzuführen, handelt es sich um Betrug. Jeglicher Kontakt muss sofort abgebrochen werden.

Wurde bereits Geld auf einer betrügerischen Plattform investiert, so fällt es Betroffenen erfahrungsgemäß äußerst schwer, zu akzeptieren, dass sie Opfer eines Betrugs wurden und weitere Investitionen den Schaden nur vergrößern würden. Die Akzeptanz der Tatsachen ist daher äußerst wichtig, um weitere Verluste zu vermeiden und den Kontakt zu den Kriminellen abbrechen zu können. In aller Regel bleibt ausschließlich der Gang zur Polizei, die Meldung an die FMA und eine Anfrage bei der Bank, ob Teilbeträge unter Umständen noch rückholbar wären.  

Beratung & Hilfe:

Für konkrete Beratungsanfragen wenden Sie sich bitte an die entsprechenden Stellen, die wir auf der Seite "Beratung & Hilfe" für Sie aufgelistet haben: www.watchlist-internet.at/beratung-hilfe

(Die Watchlist Internet bedankt sich bei zahlreichen Lesern und LeserInnen für die zahlreichen Meldungen zu betrügerischen Trading-Plattformen.)

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