Zum Seiteninhalt
News

„Verhalten Sie sich, als würden Sie ein echtes Bankkonto eröffnen“

Gepostet am 23.04.2020 von Watchlist Internet

Immer häufiger melden InternetuserInnen betrügerische Umfrageplattformen an die Watchlist Internet. Die erste Aufgabe besteht angeblich darin, das Verfahren zur Eröffnung eines Bankkontos bei der N26 Bank zu testen. Die Kriminellen erhalten dadurch ein Konto für Geldwäsche. Der Watchlist Internet liegen nun die genauen Aufgabestellungen vor: Sie lauten zum Beispiel: „Verhalten Sie sich also ganz natürlich, als würden Sie ein echtes Bankkonto eröffnen.“

Dass Kriminelle Fake-Umfrageplattformen erstellen, um Bankkonten im Namen ihrer Opfer zu erhalten, ist bereits länger bekannt. Wir befassen uns beispielsweise hier damit, wie eine Umfrage zu Geldwäsche in Ihrem Namen führt.

Auch proanalyses.de dient einzig und allein der Erstellung von Bankkonten unter fremden Identitäten. Hier liegen uns nun erstmals die genauen Aufgabestellungen an die UmfrageteilnehmerInnen vor, die den BetrügerInnen garantieren sollen, dass tatsächlich Bankkonten entstehen.

Die Aufgabestellung

Im folgenden Text wird den TeilnehmerInnen erklärt, wie die vermeintliche erste Umfrage durchzuführen ist:

Registration

Ihre Test-Zugangsdaten:

Bitte Zugangsdaten im Chat anfordern.
WICHTIG: Benutzen Sie die folgenden Logindaten, damit wir das Konto als DEMO zuweisen können!

Melden Sie sich mit den vorgegebenen Daten in der N26 App und geben Sie beim VideoIdent-Verfahren Ihre Daten gewissenhaft und ehrlich an. Bitte benutzen Sie die vorgegebenen Login-Daten, damit wir das Konto als DEMO werten können.

Was Sie beachten müssen:
Die N26 Bank will das Identifikationsverfahren, welches aktuell extern abgewickelt wird genau unter die Lupe nehmen. Die Mitarbeiter werden natürlich am besten überprüft, wenn Sie mit einem echten Kunden zu tun haben. Verhalten Sie sich also ganz natürlich, als würden Sie ein echtes Bankkonto eröffnen. Das Konto wurde bei der N26 als Demo erstellt und wird nach Überprüfung Ihres Berichts unwiderruflich gelöscht. Ihnen entstehen dabei keine Kosten.

Registrierung

Es geht unter anderem auch darum, das Angebot der N26 sowie die Funktion der App/den Registrierungsprozess zu testen und zu bewerten. Ihnen fallen natürlich keine Kosten an, da es sich um ein Demo-Konto handelt. Füllen Sie alle Daten gewissenhaft aus.

Bitte notieren Sie sich, ob die Mitarbeiter auf Betrug andeuten. Wir wurden beauftragt, um zu überprüfen, ob jeder Mitarbeiter darauf hindeutet. Sollte der Mitarbeiter darauf andeuten, dann sagen Sie, dass das Konto für Sie für das private Nutzen dient.

Bitte denken Sie daran, das Konto nach der Legitimierung nicht mit Ihrem Smartphone zu koppeln und auch kein Überweisungs-PIN zu setzen. Ansonsten können wir das Konto nicht als DEMO werten/löschen und den Auftrag nicht ausbezahlen.

Hier finden Sie mögliche Fragen des Mitarbeiters und eine angebrachte Antwort.

Haben Sie das Konto selbst erstellt?
Ja, das habe ich.

Wofür machen Sie diese Identifikation?
* Hier nennen Sie den Auftragsnamen, in diesem Fall N26. Nichts von einem Test erwähnen.

Bekommen Sie Geld für diese Identifikation/Test/Auftrag?
Nein, ich mache das privat.

Haben Sie Zugriff auf Ihre E-Mail?
Ja, das habe ich.

Machen Sie das für einen Job?
Nein, ich mache das privat.

Der Bericht

Halten Sie in Ihrem Bericht folgende Dinge fest:

  • Ihren Namen und E-Mail
  • Die Dauer der Registrierung
  • Die Wartezeit
  • Die Fragen, die sie vom Mitarbeiter gestellt bekommen
  • Jegliche Details und verbesserungswürdige Punkte, aus Ihrer Sicht

WICHTIG: Führen Sie keine weiteren Schritte außer dem Verifikations-Test durch, damit keine weiteren Kosten entstehen!

Zusammengefasst werden Opfern Zugangsdaten geschickt, mit denen sie sich in der N26-App anmelden können und anschließend das Video-Ident-Verfahren IDNOW durchführen sollen. Um den MitarbeiterInnen hinter dem IDNOW-Verfahren zu verheimlichen, dass das Opfer gar kein echtes Konto eröffnen möchte, werden genaue Vorgaben gemacht, wie auf bestimmte Fragen geantwortet werden soll und wie sich die TesterInnen zu verhalten haben.

Opfer sollen sich verhalten, als wollten sie ein echtes Konto eröffnen und auf die Frage „Machen Sie das für einen Job?“ beispielsweise mit „Nein, ich mache das privat.“ antworten.

Um die Opfer im Glauben zu lassen, tatsächlich lediglich eine Überprüfung des IDNOW-Verfahrens durchgeführt zu haben, wird außerdem ein Bericht verlangt, der nach dem Test erstellt werden soll. Zu einer Auswertung oder einer Bezahlung für die Umfrage kommt es natürlich nie.

Was können Betroffene tun?

Wer in die Falle getappt ist und das gesamte Verfahren durchgeführt hat, muss umgehend polizeiliche Anzeige erstatten. Dabei sollten die Geschehnisse den Behörden möglichst genau erklärt werden. So wissen diese bei Betrugsfällen mit dem jeweiligen Bankkonto darüber Bescheid, dass ein Identitätsmissbrauch vorliegt.

Außerdem muss sofort Kontakt zur N26-Bank aufgenommen werden. Das Konto ist umgehend zu schließen.

Video: Identitätsdiebstahl bei Umfragejob

Alternativ können Sie das Video auch auf unserem Vimeo-Kanal anschauen.

Beratung & Hilfe:

Für konkrete Beratungsanfragen wenden Sie sich bitte an die entsprechenden Stellen, die wir auf der Seite "Beratung & Hilfe" für Sie aufgelistet haben: www.watchlist-internet.at/beratung-hilfe

(Die Watchlist Internet bedankt sich für die Weiterleitung der ausführlichen Informationen zum Vorgehen der Kriminellen auf Fake-Umfrageplattformen wie proanalyses.de.)

Unterstützt von:

Ein Projekt des:

Internet Ombudsmann