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online seit 17.07.2025

Welpen zu verkaufen? Nicht in diesem Fake-Shop – mit echter Adresse

Ein Fake-Welpenportal nutzt in seinen „Verträgen“ die Postadresse eines österreichischen Landestierschutzvereins als Deckmantel. Mit der Betrugsmasche hat die reale Einrichtung natürlich nichts zu tun. Wir zeigen, woran die gefälschte Website auf den ersten Blick zu erkennen ist.

Hunde zählen seit Ewigkeiten zu den beliebtesten Haustieren. Zwar kommen sie nicht ganz an Katzen heran, den zweiten Platz macht ihnen auf absehbare Zeit aber niemand streitig. Kein Wunder, dass Kriminelle immer wieder versuchen, mit dem Wunsch nach einem neuen Hund Geld zu machen. Dabei nutzen sie nicht selten die Kontaktdaten echter Tierschutzeinrichtungen. So wie im Fall von „lisascholzhunde3“ und dem steirischen Landestierschutzverein.

„Lisascholzwelpen3.de“: Ein desaströser erster Eindruck

Wer sich auf „lisascholzhunde3.de“ nach einem neuen Hund umsehen möchte, wird zunächst von Welpenfotos und vollmundigen Versprechungen begrüßt. Eine „Hervorragende Züchtung von Begleithunden“ wird dort versprochen. „Gesunde Welpen“, „Registrierte Welpen“, „Qualitätswelpen“. Dazu kommen Selbstbeschreibungen, die eine regelrechte Erfolgsgeschichte zeichnen. So heißt es auf der Website etwa: 

„Lisa Scholz Welpen wurde mit einer Leidenschaft für die Zucht und Pflege außergewöhnlicher Hundegefährten gegründet und ist seither ein vertrauenswürdiger Name in der Welt der Hundezucht.“

Die Absicht hinter all diesen Formulierungen ist klar: Die Kriminellen wollen das Vertrauen ihrer Opfer gewinnen. Wer einen genaueren Blick riskiert, sieht allerdings sehr schnell, dass er oder sie es mit Betrüger:innen zu tun hat.

  • Impressum: Auf der Website ist kein Impressum zu finden, dabei ist dessen Angabe gesetzlich vorgeschrieben.

  • Bezahlung: Es gibt keinerlei Angaben zu den Bezahlmodalitäten.

  • Nachverfolgbarkeit: Aufgrund des fehlenden Impressums haben Interessierte keine Ahnung, mit wem sie hier eigentlich ein Geschäft abschließen würden.

  • Gütesiegel: Ein Gütesiegel oder ein anderes Anzeichen für Qualitätskontrolle sucht man vergebens.

Dazu kommt, dass die verwendeten Fotos entweder von anderen Seiten gestohlen wurden. Oder es handelt sich um klassische, frei verfügbare Stockfotos. Die Website ist außerdem erst seit Mitte Mai 2025 registriert. Grundsätzlich kein Beweis für illegale Machenschaften, allerdings ein verlässliches Zeichen für die Seriosität einer Website. Als Faustregel gilt: Je älter, desto besser.

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Zufällige Namensgleichheit? Auf der Website des „Verbands für das Deutsche Hundewesen“ (VDH) ist eine Liste aller eingetragenen Züchter:innen abrufbar. Darauf zu finden: Lisa Knippschild-Scholz. Ob die Betrüger:innen gezielt diesen Namen gewählt haben, um vom guten Ruf dieser Züchterin zu profitieren, lässt sich nicht eruieren. Naheliegend wäre diese Vorgehensweise aber.

Steirischer Landestierschutzverein als Deckmantel

Wer sich für einen der angebotenen Welpen entschieden hat, bekommt einen Kaufvertrag zugesendet. Auf diesem sind endlich eine Kontaktadresse und eine Telefonnummer zu finden. Allerdings sollten spätestens jetzt alle Alarmglocken schrillen. Denn schon ein kurzer Blick auf den Briefkopf zeigt, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Und zwar aus (mindestens) drei Gründen:

  • Die dort angegebene Adresse gehört nicht zum angeblichen Unternehmen „Lisascholzwelpen“, sondern tatsächlich zum Landestierschutzverein für Steiermark. Also zu einer öffentlichen Stelle, die sich tatsächlich um das Wohl von Tieren kümmert.

  • Dazu kommt, dass die angegebene Telefonnummer eine deutsche Vorwahl aufweist (+49). An sich nicht illegal, in Kombination mit einer österreichischen Adresse aber mehr als verdächtig und ein weiterer Hinweis auf die Betrugsabsicht.

  • Holpriges Deutsch und falsch verwendete Satzzeichen runden den eher dubiosen Gesamteindruck ab.

Der Landestierschutzverein für Steiermark hat mit der Betrugsmasche selbstverständlich nichts zu tun! Die Kriminellen nutzen lediglich dessen Adresse, um bei einer möglichen Überprüfung durch Kaufinteressierte Zweifel zu zerstreuen. Im Fall einer gründlicheren Recherche hilft die Adresse aber auch nicht.

Einen Welpen bekamen die Opfer dieser Betrugsmasche übrigens nie. Das Geld war schlicht und einfach weg.

Info Icon

Wer darf online Tiere verkaufen? Ohne an dieser Stelle zu sehr ins Detail zu gehen: Die österreichischen Gesetze zum Online-Verkauf von Tieren sind ausgesprochen streng. Grundsätzlich verfügen nur gemeldete Züchter:innen, Personen und Organisationen mit der entsprechenden Bewilligung (Tierheime, Tiervereine, Zoohandlunge etc.) sowie Halter:innen und Besitzer:innen landwirtschaftlicher Nutztiere über die Berechtigung. Privatpersonen dürfen zwar auch, allerdings nur unter sehr strengen Auflagen bzw. im Einzelfall. Eine entsprechende Plattform zu führen ist ihnen also nicht gestattet. 

In die Welpen-Falle getappt: Das können Sie jetzt tun!

Grundsätzlich raten wir dazu, keine Tiere über das Internet zu kaufen! Besonders dann nicht, wenn kein Kennenlernen vor Ort ermöglicht wird. In solchen Fällen haben Sie es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit Kriminellen zu tun. Wer den Betrüger:innen dennoch Geld überwiesen hat, sollte folgendermaßen vorgehen:

  • Seien Sie schnell! Eine durchgeführte Überweisung lässt sich nur schwer wieder zurückholen. Das Zeitfenster dafür ist sehr klein, weshalb Sie sich sofort an Ihre Bank wenden sollten, sobald Sie den Betrug bemerkt haben!

  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei! So erhöhen Sie Ihre Chancen auf eine Entschädigung, falls die Kriminellen hinter den Fake-Portalen gefasst werden. Außerdem helfen Sie den Behörden mit Ihren Informationen, den Betrüger:innen das Handwerk zu legen.

  • Bleiben Sie wachsam! Die Drahtzieher:innen verfügen nun über Ihre persönlichen Daten und werden sehr wahrscheinlich versuchen, Sie mit einer anderen Masche zu kontaktieren.

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