Warnung: Meldezettel nicht bei Drittanbietern beantragen!
Unter der Domain „meldezettel-digital.at“ soll angeblich die österreichische Meldebestätigung beantragt werden können. Unsere klare Empfehlung: Finger weg! Das im Impressum angegebene Unternehmen ist in keinem Register zu finden, die Handelsregisternummer gehört zu einer anderen Firma. Welche konkreten Gefahren gehen von der Website aus?
Besonders weit oben in der allgemeinen Beliebtheitsskala rangieren Behördengänge wohl nicht unbedingt. Aber manchmal geht’s nicht anders. Zum Beispiel dann, wenn dringend eine neue Meldebestätigung benötigt wird oder man seine aktuelle schlicht nicht findet. Die Möglichkeit einer Online-Erledigung macht vieles einfacher, allerdings ist hier Vorsicht angebracht! Nutzen Sie unbedingt nur offizielle Stellen! Behördengänge über Drittanbieter abzuwickeln ist grundsätzlich eine schlechte Idee und kann mitunter gefährlich werden! Wie genau erklären wir am Beispiel der Website meldezettel-digital.at.
meldezettel-digital.at: So läuft der Antrag ab
Die Website taucht in den gesponserten Ergebnissen einer entsprechenden Suche auf Google auf. Für die angebliche Beantragung eines Meldezettels haben die Kriminellen eine kleine Abfragemaske gebastelt. In drei Schritten werden folgende Informationen erhoben:
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Anrede, Name, Vorname, Geburtsname (falls abweichend), E-Mail, Telefonnummer für Rückfragen (optional)
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Aktuelle Adresse (Straße, Hausnummer, PLZ, Ort)
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Neue Adresse (Straße, Hausnummer, PLZ, Ort, Unterschrift)
Die Bearbeitungsgebühr beträgt „einmalig 19,90 € (inkl. MwSt., zzgl. behördlicher Gebühren)“. Der Klick auf den Button „Jetzt kostenpflichtig beantragen“ öffnet eine Bezahlmaske, die Kredit- und/oder Bankkartendaten abfragt.
Deshalb ist die Meldezettel-Falle gefährlich
Eine Meldebestätigung über vermeintliche Drittanbieter zu beantragen, ist grundsätzlich keine allzu gute Idee. Wir raten dringend davon ab! Die konkreten Gefahren:
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Übermittlung sensibler persönlicher Daten an Kriminelle
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Übermittlung von Kreditkartendaten an Kriminelle
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Finanzieller Schaden bei ausbleibender „Lieferung“
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Kriminelle nutzen die erbeuteten Daten und Informationen für weitere Betrugsmaschen
Kein Pass im konkreten Fall! Die Übermittlung einer Reisepass- bzw. Ausweiskopie gehört bei meldezettel-digital.at nicht zum Ablauf der Masche. Allerdings gibt es andere Fallen, die sehr wohl auf derartige Daten/Fotos abzielen.
Meldezettel-Fake: Daran ist der Betrug zu erkennen
Auf den ersten Blick bietet die betreffende Website (fast) alle gesetzlich vorgeschriebenen Daten. Es gibt ein Impressum, in dem unter anderem eine Postadresse und eine Handelsregisternummer zu finden sind. Einer Überprüfung halten diese allerdings nicht stand.
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Unternehmen: Die Existenz des angeblichen Unternehmens hinter der Website konnte nicht verifiziert werden. Die „Digital Twenty One LDA“ mit Sitz in Braga (Portugal) ist in keinem Register zu finden. Auch eine Suche an der angegebenen Adresse liefert keinen Treffer.
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UID-Nummer: Eine Umsatzsteuernummer sucht man im Impressum vergebens, sie „wird nachgereicht“. Eine ganz und gar ungewöhnliche Vorgehensweise für seriöse Unternehmen.
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Handelsregister: Die angeführte Handelsregisternummer gehört zu einem völlig anderen, in Deutschland registrierten Unternehmen.
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Preis: Der Universalpreis von 19,90 Euro entspricht nicht den unterschiedlichen – und teils deutlich niedrigeren – Kosten, die bei offiziellen Stellen anfallen.
Auf der Website finden sich an mehreren Stellen Informationen zum sogenannten „Wohngeld“ – einer in Deutschland verfügbaren Sozialleistung. Der Verdacht liegt also nahe, dass die Drahtzieher mehrere Webseiten mit unterschiedlichen Themensetzungen betreiben und beim Kopieren der Portale schlicht und einfach schlampig gearbeitet haben.
österreichischen Meldezettel eher suboptimal platziert.
Auch Kirchenaustritt im Portfolio! Die Anbieter hinter dem problematischen Meldezettel-Portal betreiben auch die Website kirchenaustritt-digital-beantragen.at. Da wie dort finden sich dieselben Informationen im Impressum. Zur Kirchenaustritts-Website haben wir bereits im Jahr 2024 einen Artikel veröffentlicht
Gibt es ein offizielles Online-Service für den Meldezettel?
Machen wir es kurz: Ja, es gibt eine Möglichkeit, online einen neuen Wohnsitz anzumelden oder einen alten Wohnsitz ab- bzw. umzumelden. Dafür müssen aber mehrere Voraussetzungen erfüllt sein.
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Ein aktives ID-Austria oder EU-Login-Konto
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Volljährigkeit
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Antragsteller:innen müssen bereits einmal in Österreich gemeldet gewesen sein. Wer erstmals einen Wohnsitz auf dem Bundesgebiet anmelden möchte, kann die Online-Variante nicht nutzen.
Das digitale Amtsservice zur Änderung des Wohnsitzes ist unter folgender Adresse erreichbar: https://www.oesterreich.gv.at/de/landingpages/meldewesen
In die Falle getappt: Das können Sie jetzt tun
Wer persönliche Informationen an Kriminelle übermittelt und für einen vermeintlichen Service bezahlt hat, sollte möglichst rasch reagieren.
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Im Fall einer Kreditkartenzahlung kontaktieren Sie umgehend den Betreiber und schildern Sie die Situation! Die Expert:innen wissen, was zu tun und ob eine Sperre notwendig ist.
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Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei! Nur wenn die Behörden über einen Betrug informiert werden, können sie entsprechend ermitteln.
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Bleiben Sie wachsam! Da die Kriminellen über Ihre Kontaktinformationen verfügen, werden sie sehr wahrscheinlich versuchen, sich mit einer anderen Masche bei Ihnen zu melden.