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Vorsicht bei Privatverkauf: Betrug mit Speditionen boomt!

Gepostet am 27.05.2020 von Watchlist Internet

Der Weg über angebliche Speditionen ist eine beliebte Betrugsmasche beim Privatverkauf. Vor allem teure Waren, die auf Kleinanzeigenportale inseriert werden, locken BetrügerInnen an. Die vermeintlichen KäuferInnen erklären, dass sie im Ausland sind und daher der Kauf über eine Spedition abgewickelt werden soll. Hier gilt es vorsichtig zu sein, denn die Opfer werden aufgefordert das Geld für die Spedition zu überweisen. Das Unternehmen existiert jedoch gar nicht und das Geld ist verloren.

Sie wollen teure Waren wie ein gebrauchtes Auto oder Möbel auf einem Kleinanzeigen-Portal verkaufen? Wenn ja, laufen Sie Gefahr von Kriminellen kontaktiert zu werden: Zu Beginn geben sich die scheinbar interessierten KäuferInnen meist unkompliziert. Das einzige Problem sei, dass sie sich im Ausland befinden und daher eine Spedition zwischengeschaltet werden muss. Spätestens, wenn die KäuferInnen verlangen, dass Sie Geld für das Speditionsunternehmen überweisen sollen, müssen Sie hellhörig werden!  

Wie gehen die Kriminellen vor?

Nehmen wir an, Frau B. will ihr altes Auto auf der Kleinanzeigen-Plattform willhaben.at verkaufen. Sie verlangt dafür 3.900 Euro. Per WhatsApp meldet sich Herr K. Er ist interessiert an dem Auto und mit dem Preis und den Konditionen einverstanden. Das einzige Problem: Herr K. ist derzeit im Ausland und kann das Auto nicht selbst abholen. Allerdings arbeitet er öfters mit einer „seriösen Spedition“ zusammen, wie er versichert – über diese will er den Kauf abwickeln.

All das ist noch nichts Ungewöhnliches für Frau B., also stimmt sie zu. Herr K. gibt an die 3.900 Euro für den Gebrauchtwagen plus zusätzliche 500 Euro für das Speditionsunternehmen an Frau B überwiesen zu haben. Er schickt die Überweisungsbestätigung an Frau B. und bittet sie den Mehrbetrag von 500 Euro an das Speditionsunternehmen zu überweisen, damit diese das Auto abholen können. Hier wird Frau B. – zu Recht – skeptisch, denn als Verkäuferin sollte sie niemanden Geld überweisen. Sie bricht den Kauf ab.

Wie sehen die Nachrichten der Kriminellen aus?

Auch wenn es sich beim geschilderten Fall, um ein fiktives Beispiel handelt, stößt die Watchlist Internet derzeit auf viele ähnliche Fälle. Die Nachrichten der angeblichen KäuferInnen klingen zum Beispiel folgendermaßen:

Ich werde das Motorrad zu meinem neuen Zuhause in Finnland kaufen und ich habe einen seriösen Spediteur, der für die Abholung und alle notwendigen Dokumente von Ihrer Adresse verantwortlich ist, sobald ich den Betrag auf Ihr Bankkonto überweise, da ich aufgrund der Entfernung und Art meiner Arbeit nicht zur Probefahrt kommen oder ihn mitnehmen kann, und die Spedition unterstützt wegen des hohen Risikos keine Barzahlung und hier ist meine Adresse auch wenn Sie einen Kaufvertrag benötigen, ich habe einen unterschrieben, also was ist der letzte Preis, den Sie bereit sind, das Motorrad an mich zu verkaufen.

Ich warte auf deine freundliche Antwort.

Sind die VerkäuferInnen einverstanden, folgen Beteuerungen, dass das Geld überwiesen wurde. Zum Beispiel so:

Seien Sie versichert und 100% Garantie, Alles ist in Ordnung. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, kann ich Ihnen den Kontoauszug meines Kontos zeigen, Der Gesamtbetrog von €1.130 wurde von meinem Konto abgebucht, Das Geld kann erst dann reflektiert werden, wenn Sie die Anweisungen befolgt und die notwendigen Schritte wie in der Zahlungsbestätigung angegeben durchgeführt haben. Mit freundlichen Grüßen... Die Bank sagte, es gäbe überall zu viel Betrügereien, und sie sagten, es könnte sich um einen Betrug handeln, also fragten sie nach den Beweisen.

Verstehen Sie, was Sie jetzt zu tun haben?

Begleitet werden die Beteuerungen das Geld überwiesen zu haben, meist mit gefälschten Zahlungsbestätigungen. Aus denen geht hervor, dass sowohl der Betrag für die gekaufte Ware als auch für das Speditionsunternehmen an die VerkäuferInnen überwiesen wurden. Jetzt müssten die Opfer nur noch den Mehrbetrag an das Speditionsunternehmen überweisen. Aber Achtung! Die Zahlungsbestätigungen sind gefälscht. Dafür missbrauchen die Kriminellen Logos und Namen von bekannten Speditions- und Bankunternehmen oder sie erfinden Unternehmen, die es gar nicht gibt. Das Geld soll dabei oftmals auf ein Konto in Nigeria überwiesen werden. Das ist ein Alarmsignal! 

Wie geht es weiter?

Unsere Verkäuferin, Frau B., hat den Kauf abgebrochen. Doch damit ist die Geschichte für sie noch nicht zu Ende. Der angebliche Käufer versucht Frau B. weiterhin davon zu überzeugen, das Geld zu überweisen. Das geht sogar so weit, dass Herr K. mit rechtlichen Folgen droht.

Auch das entspricht leider oftmals der Realität: Selbst nachdem der Kauf abgebrochen wurde, werden die Opfer bedroht, da Sie den geforderten Betrag nicht bezahlt haben. LeserInnen der Watchlist Internet meldeten diesbezüglich Mails von erfundenen Inkassobüros oder von scheinbaren Banken. In manchen Fällen wurde sogar mit der Einschaltung von FBI oder Interpol gedroht. 

Was können Opfer tun?

  • Wie Frau B., sollten auch Sie den Kauf nicht abwickeln, wenn Ihr Gegenüber Sie auffordert, Geld an ein Speditionsunternehmen zu überweisen.
  • Folgen trotz Beendigungen des Kaufes weitere Zahlungsaufforderungen und Drohungen, ignorieren Sie diese. Die Inkassobüros, Banken oder Speditionen existieren nicht oder missbrauchen Logos und Namen von existierenden Unternehmen. Betrügerische E-Mails erkennen Sie beispielsweise an den E-Mail-Adressen, die nichts mit dem jeweiligen Unternehmen zu tun haben. Oftmals sind die Mails auch in Englisch oder schlechtem Deutsch verfasst.
  • Wenn Sie bereits bezahlt haben, nehmen Sie umgehend Kontakt mit Ihrer Bank auf und klären Sie, ob eine Rückbuchung des Geldes möglich ist. Erstatten Sie außerdem Strafanzeige bei der Polizei und besprechen Sie das weitere Vorgehen!
  • Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob das Speditionsunternehmen als betrügerisch einzustufen ist, hilft Ihnen unsere Liste betrügerischer Speditionen weiter.

Beratung & Hilfe:

Für konkrete Beratungsanfragen wenden Sie sich bitte an die entsprechenden Stellen, die wir auf der Seite "Beratung & Hilfe" für Sie aufgelistet haben: www.watchlist-internet.at/beratung-hilfe

(Die Watchlist Internet bedankt sich bei zahlreichen Leser/innen für die Meldung dieses Kleinanzeigenbetrugs.)

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