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online seit 19.03.2026

Verschwundenes Haustier: Wie Kriminelle aus Sorgen Profit schlagen wollen

Verschwindet ein geliebtes Haustier spurlos, ist die Verzweiflung riesengroß. Man lässt nichts unversucht, um den Vierbeiner möglichst bald wieder in die Arme schließen zu können. Mit einer besonders dreisten Masche versuchen Kriminelle, genau diese Verzweiflung auszunutzen. Sie versprechen Erfolg durch "Tierkommunikation". Der Redaktion liegen Chat-Protokolle vom Austausch zwischen den Betrüger:innen und einem Opfer vor.

Verschwundenes Haustier: Die Anbahnung

Auf Facebook existieren zahlreiche Gruppen, in denen Haustierbesitzer:innen eine Meldung posten können, wenn sich ihr Liebling ungewöhnlich lange nicht mehr blicken hat lassen. Ein paar Fotos, dazu eine möglichst genaue Beschreibung des Tiers und der Ort, an dem es zuletzt gesehen wurde. In den Kommentaren drücken meist andere Halter:innen ihr Mitgefühl aus. Vereinzelt erscheinen dort aber auch Empfehlungen zu Personen, die angeblich bei der Suche nach dem Tier helfen können.

Die Empfehlung stammt dabei immer von ein und demselben Account. Der Verdacht liegt nahe, dass die Kriminellen sowohl hinter dem empfohlenen als auch hinter dem empfehlenden Konto stecken. Ein Klick auf die markierte Person führt zum Profil einer Frau. Sie beherrscht angeblich „Tierkommunikation“.

Ich stehe Ihnen zur Verfügung, um Ihnen mithilfe von Tierkommunikation bei der Suche nach Ihren vermissten Haustieren zu helfen

Die Pinwand besteht aus einer langen Liste an Einträgen über angeblich wiedergefundene Vierbeiner. Zu jedem Posting gibt es eine Erfolgsgeschichte. Ein Beispiel:

Am Ende des Eintrags findet sich eine Anleitung für die Kontaktaufnahme. Diese sei ausnahmslos nur über Messengerdienste wie WhatsApp, Telegram und Co. möglich. Wenden sich Haustierbesitzer:innen an das Profil, setzt das die Betrugsmasche in Gang.

Tiersuche: Erst die Bezahlung, dann die Hilfe

Tatsächlich lassen die Kriminellen nicht sonderlich viel Zeit vergehen, bevor sie die erste finanzielle Forderung stellen. Auf die Frage um Hilfe bei der Suche antworten sie:

Zuerst werde ich prüfen, ob Ihr vermisstes Haustier noch lebt. Falls ja, beginnen wir mit der Suche nach seinem Aufenthaltsort. Dafür benötige ich einige Gegenstände im Wert von 100 €.

Nach einigen Fragen zum Tier kommt die erlösende Meldung: Die Katze lebt! Aber: Um ihre Gesundheit ist es nicht mehr allzu gut bestellt.

Nach meiner Untersuchung lebt Ihre Katze noch, ist aber leider verletzt, sehr schwach und hungrig. Sie möchte so schnell wie möglich wieder mit ihrer Familie vereint sein und findet den Weg nach Hause nicht mehr. Möchten Sie sie orten, um sie abzuholen?

Natürlich bejaht die Katzenmama/der Katzenpapa. Daraufhin senden die Kriminellen detaillierte Zahlungsanweisungen.

  • Zunächst soll ein Transcash-Ticket im Wert von 100 € gekauft werden.

  • Das Opfer muss danach ein Foto des Belegs und des Codes übermitteln.

Unterm Strich also nichts anderes als ein Gutscheinkarten-Betrug in einer besonders arglistigen Verkleidung. Wer mit der Transcash-Anleitung nicht zurechtkommt, kann den geforderten Betrag übrigens auch auf ein Bankkonto überweisen.

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Was ist Transcash? Bei Transcash handelt es sich um eine Prepaid-Kreditkarte, die sich jederzeit mit neuem Guthaben aufladen lässt. Die Karten können überall dort verwendet werden, wo auch Mastercard akzeptiert wird. Der große Vorteil für Kriminelle: Ein verknüpftes Bankkonto ist nicht notwendig! 

Tiersuche: Der nächste Schritt

Solange das Geld oder die Gutscheincodes noch nicht bei der vermeintlichen Tierflüsterin eingegangen sind, übermittelt diese den Standort der Katze nicht. Alles Flehen und Bitten ist vergebens. Zumindest verspricht sie, das Tier mit ihren einzigartigen Fähigkeiten vor schlimmerem Schaden zu bewahren.

Ich werde Ihrem Tier Energieheilung geben; Sie brauchen keine Angst zu haben, es wird nicht sterben. Sobald wir das Geld erhalten haben, teile ich Ihnen den genauen Standort mit.

Nach langem Hin und her hat es dann endlich geklappt, das Opfer bekommt eine Adresse genannt. Natürlich handelt es sich dabei nicht um den Aufenthaltsort der Katze, sondern um eine völlig willkürlich gewählte Stelle, die allerdings relativ rasch zu erreichen sein muss. Das ist für den weiteren Verlauf der Betrugsmasche wichtig. Denn:

Sie sollten innerhalb von 30 Minuten dort sein, da sich das Tier bewegt.

Was jetzt kommt, dürfte nicht schwer zu erraten sein: Das Opfer findet an der angegebenen Adresse keine Katze und wendet sich erneut an die Tiersuche. Diese liefert auch prompt eine Erklärung für das ausgebliebene Wiedersehen:

Ich möchte Ihnen erklären, dass sich das Tier bewegt hat, weil Sie nicht schnell genug da waren. Die Wartezeit war lang genug, damit es seinen Standort wechseln konnte. Ich kann es leider nicht beruhigen, da es verängstigt ist: Jemand hat es erschreckt, und es ist sehr gestresst. In diesem Zustand ist es schwierig, sich ihm zu nähern oder es festzuhalten.

Auf die Frage, in welche Richtung sich die angeblich verängstigte Katze bewegt, folgt wenig überraschend die nächste Geldforderung.

Ich weiß es nicht. Wenn du willst, können wir den Standort jetzt ändern, um ihn sofort zu finden und dort festzuhalten. […] Es kostet Sie 50 €.

Und so weiter, und so fort. Die Kriminellen versuchen das Opfer so lange auszupressen, wie es nur geht. Sie könnten der Katze eine Nachricht schicken, damit er dort bleibt, wo er ist und du ihn abholen kannst. Kostet nur leider wieder extra. Wie die Geschichte endet, ist klar. Das Opfer ist um einige hundert Euro ärmer, das vermisste Haustier bleibt verschollen.

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Woher die Tierbilder aus den „Erfolgsmeldungen“ des Fake-Profils stammen, lässt sich nicht final eruieren. Entweder wurden sie einfach von anderen Seiten gestohlen. Oder aber es handelt sich um jene Fotos, welche die Opfer nach der ersten Kontaktaufnahme an die Kriminellen übermittelt haben.

Tiersuche: Woran sich der Betrug erkennen lässt

Im Grunde ist der Standard-Absatz zu den Merkmalen der Falle diesmal überflüssig. Die für eine telephatische Suche notwendige und angepriesene Art der Kommunikation zwischen Mensch und Tier existiert schlicht und einfach nicht. Im dargelegten Fall versuchen lediglich Kriminelle auf schamloseste Art die Verzweiflung von Haustierhalter:innen auszunutzen. Der Vollständigkeit halber folgen dennoch einige Anhaltspunkte:

  • Schlechte KI: Auf dem Profilfoto des betrügerischen Facebook-Accounts sind einige Auffälligkeiten zu entdecken. Eine Katze und ein Hase haben ein schwer deformiertes Gesicht. In der rechten unteren Ecke sitzt eine Phantasie-Kreuzung aus Eichhörnchen und Igel im Gras. Das affenartige Wesen links oben weist einige Gliedmaßen zu viel auf.

  • Keine Freunde: Das betrügerische Profil hat zwar über 1.000 Follower, folgt allerdings selbst niemandem. Nicht illegal, aber sehr ungewöhnlich.

  • Gekaufte Likes: Jeder Beitrag weist etwas über 50 Likes auf, die meisten davon stammen von vietnamesischen Profilen. Ebenfalls nicht illegal, aber ein deutlicher Hinweis für gekaufte Follower.

In die Falle getappt? Das können Sie tun!

Die Handlungsoptionen für Opfer derartiger Betrugsmaschen sind leider sehr begrenzt. Wurde das Geld mittels Überweisung transferiert, ist es sehr wahrscheinlich endgültig weg. Sie sollten dennoch so rasch wie möglich handeln!

  • Verständigen Sie Ihre Bank und schildern Sie die Situation!

  • Haben Sie Transcash-Codes übermittelt, wenden Sie sich an den Kundenservice und versuchen Sie, die Codes sperren zu lassen. So können die Kriminellen nicht über das Geld verfügen.

  • Melden Sie das Fake-Profil bei Facebook!

  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei!

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