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Sextortion – in Österreich immer mehr Betroffene

Gepostet am 28.07.2015 von Saferinternet.at

Wenn man von einer Online-Bekanntschaft im Video-Chat nach kurzer Zeit zu sexuellen Handlungen aufgefordert wird, steckt oft „Sextortion“ dahinter. Immer häufiger tappen junge Menschen in diese Falle, bei der die Opfer mit heimlich aufgezeichneten Aufnahmen erpresst werden.


Sextorion nimmt in Österreich zu. (cc) bykst - pixapay.com

Ein typische Fallgeschichte (Namen frei erfunden): Stefan wird von der ihm unbekannten Julia auf Facebook angeschrieben. Julias Fotos zeigen eine attraktive junge Frau. Stefan ist begeistert und folgt rasch ihrer Einladung auf Skype zu wechseln. Es dauert nicht lange und Julia beginnt sich vor der Kamera auszuziehen. Sie überredet Stefan schließlich, sich ebenfalls nackt zu zeigen. Was Stefan in diesem Moment noch nicht ahnt: Er ist in eine Sextortion-Falle getappt.

Klassischer Erpressungsablauf

Der Ausdruck Sextortion setzt sich aus den Begriffen Sex und Extortion – also Erpressung – zusammen. Dabei nehmen Unbekannte über Facebook, WhatsApp, Tinder, Lovoo, Spiele-Netzwerke etc. Kontakt zu ihren meist männlichen Opfern auf und überreden sie, die Unterhaltung in einem Video-Chat fortzusetzen. Schon nach kurzer Zeit werden die Betroffenen dazu animiert, sich nackt auszuziehen oder sexuelle Handlungen vor der Webcam durchzuführen. Diese werden von den Betrügern aufgezeichnet und dienen später als Erpressungsgrundlage. Bei den attraktiven Chatpartnern handelt es sich um Lockvögel, oft sogar um Videoeinspielungen.

Die Erpresser fordern schließlich ihre Opfer zu Geldzahlungen auf und drohen, die Aufnahmen ansonsten im Internet zu verbreiten oder direkt an deren Freundeslisten zu schicken. Häufig übermitteln die Täter einen Link zu einem YouTube-Video, das noch nicht öffentlich zugänglich ist und jederzeit freigeschaltet werden kann. Auch mit der Veröffentlichung auf Pornowebsites wird gedroht.

Kriminelle fordern hohe Geldsummen

In Österreich betragen die Forderungen bei Jugendlichen rund 100,- Euro, bei Erwachsenen bewegen sie sich in einer Größenordnung zwischen 500,- und 1.000,- Euro. Verlangt wird eine Bezahlung mit anonymen Bargeldtransferdiensten oder Prepaid-Zahlungsmitteln. Bei jungen Opfern kann es auch passieren, dass die Täter anstelle eines Geldbetrages weitere Nacktaufnahmen fordern. Bei den Erpressern handelt es sich meist um international organisierte Banden.

Zahlreiche Methoden

In letzter Zeit sind neue Varianten von Sextortion zu beobachten. Immer öfter kommt es auch dann zu Erpressungen, wenn die Opfer die Webcam noch rechtzeitig ausschalten. Die Täter verwenden dann öffentliche Profilfotos, die sie in pornografische Aufnahmen montieren, berichtet Birgit Satke, Leiterin von 147 Rat auf Draht. In anderen Fällen spielt die Webcam erst gar keine Rolle. Nach dem Erstkontakt wird auf WhatsApp gewechselt, wo die Erpresser versuchen Nacktfotos herauszulocken.

Keine überhasteten Handlungen setzen

Ist man einmal in die Falle getappt, gilt es Ruhe zu bewahren und Schadensbegrenzung zu betreiben. Betroffene sollten keinesfalls auf die Forderungen eingehen. Erfahrungen zeigen, dass die Aufnahmen nur selten tatsächlich veröffentlicht werden. Gleichzeitig gibt es Fälle, bei denen es trotz Bezahlung zur Bloßstellung kommt oder noch mehr Geld verlangt wird. Falls Videos oder Fotos im Internet auftauchen, sollte man rasch handeln und Plattformbetreiber zur Löschung auffordern, empfiehlt Bernhard Jungwirth, Koordinator von Saferinternet.at. Damit es aber erst gar nicht so weit kommt: Beim Online-Flirten ist eine gesunde Portion Misstrauen angebracht – besonders dann, wenn das Gegenüber rasch zur Sache kommt.

So gelingt es, Sextortion-Fallen zu vermeiden:

  • Seien Sie skeptisch, wenn besonders attraktive, wildfremde Personen mit Ihnen offensiv zu flirten beginnen.
  • Ein wichtiges Alarmsignal ist es, wenn neue Online-Bekanntschaften rasch auf Skype etc. wechseln wollen.
  • Wenn es im Video-Chat allzu schnell zur Sache geht, seien Sie besonders vorsichtig und brechen Sie die Unterhaltung am besten ab.
  • Decken Sie Ihre Webcam ab, solange Sie nicht sicher sind, dass Sie Ihrem Gegenüber vertrauen können.
  • Denken Sie daran, alles was Sie vor der Webcam machen, kann Ihr Gegenüber aufzeichnen.
  • Wählen Sie sichere Privatsphäre-Einstellungen in Sozialen Netzwerken.

Wenn man bereits in die Falle getappt ist:

  • Gehen Sie nicht auf die Forderungen ein und überweisen Sie kein Geld.
  • Brechen Sie sofort jeglichen Kontakt ab, blockieren Sie die Person in Ihrer Freundesliste und melden Sie das Profil beim Plattformbetreiber.
  • Sichern Sie Beweise wie Chat-Protokoll oder E-Mail-Verkehr.
  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.
  • Falls Fotos oder Videos von Ihnen im Internet auftauchen sollten, wenden Sie sich rasch an die Plattformbetreiber. Der Internet Ombudsmann (www.ombudsmann.at) unterstützt Sie bei der Entfernung.
  • 147 Rat auf Draht (Notruf 147, www.rataufdraht.at) berät Jugendliche und ihre Bezugspersonen kostenlos, wie sie mit der unangenehmen Situation am besten zurechtkommen können.

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