Recovery Scam: Wie Betrugsopfer erneut geschädigt werden
Durch Onlinebetrug verlorenes Geld zurückzuholen, das wünschen sich viele Opfer. Und genau diesen Wunsch versuchen Kriminelle für ihre Zwecke zu nutzen. Mit dem sogenannten „Recovery Scam“ ziehen sie bereits Geschädigten zusätzlich Geld aus der Tasche. Im Beispielfall geht es um angeblich wiedergefundene Krypto-Assets und für die Rücküberweisung notwendige Vorauszahlungen. Der Köder: Die Website betrugsrecht(.)de.
betrugsrecht.de: Wie Kriminelle ihre Opfer ködern
Opfer früherer Betrugsmaschen gehen auf die Suche nach Agenturen, Anwälten und Unternehmen, die ihnen bei der Wiederbeschaffung von verlorenem Geld helfen. Besonders im Krypto-Bereich ist das allerdings nur sehr schwer möglich bzw. mit großem Aufwand verbunden.
Das wissen natürlich auch die Kriminellen hinter „betrugsrecht.de“. Sie haben eine Website gebaut, in deren Zentrum exakt jenes Versprechen der zurückgeholten Schadenssumme steht. Ihr Onlineauftritt lockt mit frei erfundenen Erfolgsstorys sowie angeblich einfacher Umsetzung:
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Kostenlose und unverbindliche Prüfung Ihres Falles mit ehrlicher Einschätzung.
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Spezialisiertes Team wird für Ihren individuellen Fall zusammengestellt.
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Geldflüsse verfolgen, Behördenarbeit und rechtliche Schritte einleiten.
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Rückholung Ihres Geldes. Zahlung nur bei Erfolg.
Die Kanzlei bietet Hilfe in Fällen von Anlagebetrug, Krypto-Betrug, Romance Scam, Bankbetrug, Online-Shopping Betrug und Firmenbetrug; deckt also ein breites Spektrum ab. Auf der Startseite prangt das Versprechen: “Wir holen Ihr Geld zurück!”
Recovery Scam: So läuft der Betrug ab
Das klingt zunächst alles sehr gut. Zu gut, um wahr zu sein. In der Praxis sind nämlich plötzlich sehr wohl Vorauszahlungen zu tätigen – das verlorene Geld sieht man trotzdem nicht wieder. Die Betrüger:innen vergrößern einfach nur den Schaden. So läuft die Masche wirklich ab:
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Das Opfer wendet sich an die Fake-Kanzlei und schildert seine Situation.
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Ein paar Tage später melden sich die Kriminellen per E-Mail. Sie stellen einen „persönlichen Ermittler für den Betrugsfall“ vor und liefern eine Telefonnummer. Man solle über WhatsApp Kontakt herstellen und Überweisungsbestätigungen übermitteln.
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Wieder einige Tage später tritt ein weiterer Mitarbeiter in Erscheinung und berichtet von einem Ermittlungserfolg: Die Kriminellen hätten den erbeuteten Betrag in Krypto-Assets umgewandelt. Die Kanzlei sei aber in der Lage gewesen, die Transaktion zu stoppen und könne nun über 70 % der Schadenssumme zurückholen.
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Aber: Aufgrund der erwähnten Umwandlung sei das Geld nur in Krypto-Form verfügbar. Eine Rücküberweisung ist ebenso nur in dieser Form möglich. Dazu müsse ein neues Krypto-Konto angelegt werden – im konkreten Fall auf einer Börse namens „Kraken".
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Um den Charge Back durchführen zu können, darf das Konto laut Kanzlei allerdings nicht leer sein. Es müsse sich zumindest 0,1 Bitcoin darauf befinden – also umgerechnet in etwa 6.000 Euro.
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Erst wenn das Opfer diesen Betrag auf das neu eröffnete Konto transferiert, bekommt es sein ursprünglich verlorenes Geld wieder zurück.
Selbstverständlich ist diese Geschichte von vorne bis hinten erfunden. Es gibt keine Kanzlei und keine Ermittler. Niemand hat das ursprünglich verlorene Geld in Krypto-Form wieder gefunden. Die angekündigte Rücküberweisung ist ein Fake, der ohnehin bereits Geschädigten noch mehr Geld aus der Tasche ziehen soll.
Das Ende des Scams: Nach der Einzahlung brechen die Kriminellen den Kontakt ab - im besten Fall. Meist erfinden sie immer weitere Gebühren und Steuern, die vor einer Auszahlung angeblich bezahlt werden müssen. Damit treiben sie die Schadenssumme weiter in die Höhe. Das Ende ist erst dann erreicht, wenn das Opfer den Betrug bemerkt und die Überweisungen von sich aus beendet. Oder wenn es kein Geld mehr hat.
Woran die Fake-Kanzlei „betrugsrecht.de“ zu erkennen ist
Die Dynamik rund um Fake-Anwaltskanzleien hat besonders im letzten Jahr Fahrt aufgenommen, die dazugehörigen Webseiten sind gut gemacht und strahlen eine gewisse Legitimität aus. Unter der glitzernden Oberfläche werden aber sehr rasch Unstimmigkeiten sichtbar. Im Fall von betrugsrecht.de sind das folgende Indizien:
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Die Domain „betrugsrecht.de“ wurde erst am 24. Dezember 2025 erneuert. Kein eindeutiger Beweis für Betrug, aber ein deutlicher Hinweis.
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Nähere Informationen zu den Domain-Besitzer:innen sind gesperrt. Ebenfalls kein Beweis, für eine angeblich seriöse Anwaltskanzlei aber sehr ungewöhnlich.
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Die Fotos der Mitarbeiter:innen sind eindeutig KI-generiert.
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Das deutsche Anwaltsverzeichnis liefert keinen Treffer zum angeblichen Kanzleigründer Dr. Thomas Weber. Es gibt lediglich einen einzigen Anwalt mit diesem Namen, dessen gemeldete Kanzlei-Adresse stimmt allerdings nicht mit den Impressumsangaben auf der Fake-Seite überein.
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Die im Impressum angegebene GSCP Verwaltungs GmbH ist keine Anwaltskanzlei, sondern im Bereich der Unternehmensbeteiligungen aktiv.
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An der angegebenen Adresse finden sich zahlreiche Unternehmen, allerdings keine Anwaltskanzlei mit dem Namen „betrugsrecht.de".
Warum die Kriminellen gerade die erwähnte GmbH als Deckmantel gewählt haben, ist nicht eindeutig zu klären. Die Vermutung: Das Unternehmen verfügt über keine eigene Website und ist somit online nicht auffindbar. Es gibt keine “echte Konkurrenz” zur Fake-Seite und keine Möglichkeit für das reale Unternehmen, eine Richtigstellung bzw. eine Warnung zu veröffentlichen.
Was Sie als Opfer eines Recovery Scams tun können
Wie bei jeder Form von Onlinebetrug gilt auch im Fall eines Recovery Scams: Je schneller die Reaktion, desto besser die Chance, den Schaden zu minimieren.
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Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei! Krypto-Assets lassen sich – wenn überhaupt – nur in Kooperation mit offiziellen Behörden zurückholen.
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Bleiben Sie wachsam! Die Kriminellen verfügen über Ihre Kontaktdaten und werden sehr wahrscheinlich versuchen, Sie mit einer anderen Betrugsmasche anzugreifen.
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Brechen Sie den Kontakt mit den Kriminellen sofort ab! Überweisen Sie kein Geld und reagieren Sie auf keine Nachrichten!
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Speichern Sie Beweise wie Chatverläufe, E-Mails, Telefonnummern und Domains! Fertigen Sie Screenshots der genutzten Plattform und Ihres User-Kontos an! Je mehr Material, desto besser.