Purisaki Abnehmpflaster: Willkommen in der Abo-Falle
Abnehmen auf Knopfdruck! Die große Sehnsucht Zehntausender. Allerdings auch ein perfektes Einfallstor für allerlei Scharlatane. Die Liste an vermeintlichen Wundermitteln ist schier unendlich, die dazugehörigen Verkaufsmethoden sind ausgefeilt – und teilweise problematisch. Ein aktuell besonders häufig gemeldetes Präparat sind Abnehmpflaster namens „Purisaki“.
Purisaki: Gezielt ausgespielte Werbung als Köder
Seit einiger Zeit ist eine Häufung von Werbeanzeigen für Purisaki-Abnehmpflaster zu sehen, sowohl auf Meta-Plattformen als auch bei Google. Diese Ads führen direkt auf Online-Portale, die den Anschein seriöser Test- oder Gesundheitsportale erwecken.
Auf diesen Portalen streichen vermeintlich unabhängige Expert:innen die Vorzüge der angeblichen Superpflaster heraus. Eindrucksvolle Vorher-Nachher-Bilder dokumentieren die Wirkung, euphorische Erfahrungsberichte runden den Gesamteindruck ab. Unterm Strich klingt alles viel zu gut, um wahr zu sein.
Deshalb haben wir haben uns ein Portal etwas näher angeschaut und zeigen in diesem Artikel auf, wie dieses funktioniert bzw. wo konkret die Gefahren lauern.
Wichtig! Der vorliegende Artikel trifft keinerlei Aussagen über die Wirksamkeit der besprochenen Pflaster! Vielmehr stehen die angewendeten Verkaufsmechanismen – und hier besonders die problematischen Aspekte – im Zentrum der Aufmerksamkeit. Zahlreiche Erfahrungsberichte lassen aber zumindest berechtigte Zweifel an der Wirksamkeit aufkommen!
Purisaki-Pflaster: Vergleich und Bewertung bei gesundheit-regional.com
Die Domain „gesundheit-regional.com“ ist eine jener Adressen, zu denen die Werbeanzeigen für Purisaki-Pflaster führen. Ein Klick auf die Ad öffnet entsprechende „Infoartikel“. Alles erweckt den Anschein, man würde sich auf einem Gesundheitsportal befinden, das den passenden Namen „Abnehm-Magazin“ trägt.
Wer die Domain direkt in die Adressleiste des Browsers eingibt, landet hingegen in einer grafisch wenig ansprechenden Linksammlung zu verschiedensten Artikeln aus dem Gesundheitsbereich. Allein zum Thema „Abnehmpflaster“ sind dort sechs Beiträge abrufbar (Stand: 8. April), die sich in der Aufmachung zwar leicht unterscheiden, im Grunde aber ein und dasselbe Thema behandeln: „Purisaki“ und die Vorteile. Ein weiterer führt zu einem vermeintlichen Vergleich verschiedener Pflaster – mit dem Testsieger „Purisaki“.
Die Weiterleitung zum gesetzlich vorgeschriebenen Impressum funktioniert lediglich bei zwei der erwähnten Seiten. Allerdings führt sie hinaus aus dem angeblichen Gesundheitsportal. Man landet bei den AGBs von „trypurisaki.com“ – einem Onlineshop, in dem es die beworbenen Pflaster zu kaufen gibt.
Somit ist klar: Der angebliche Expert:innen-Artikel zur Wirksamkeit der Pflaster und der vermeintliche Vergleichstest sind nichts weiter als ein Lockmittel bzw. eine aufwendig gestaltete Werbeanzeige. Die Webseiten stecken quasi unter einer Decke. So ist etwa im Footer des “großen Vergleichs” folgendes zu lesen:
Bitte beachten Sie, dass der Betreiber dieser Website Werbevergütungen von Unternehmen erhält, die auf der Seite erscheinen. Diese Vergütung kann die Platzierung und Reihenfolge beeinflussen, in der Unternehmen (und/oder deren Produkte) dargestellt werden, und in manchen Fällen auch die vergebene Bewertung. Soweit auf dieser Website Bewertungen angezeigt werden, beruhen diese auf unserer subjektiven Einschätzung und auf einer Methodik, die u. a. unsere Analyse von Marktanteil und Reputation einer Marke, Konversionsraten, die an uns gezahlte Vergütung sowie das allgemeine Verbraucherinteresse zusammenführt.
Kurz zusammengefasst: Der Kunde zahlt für Sichtbarkeit und gute Bewertung. Das ist nicht illegal, aber: Ein objektiver Vergleich sieht anders aus.
Lange Liste an Portalen! Bei „gesundheit-regional.com“ handelt es sich lediglich um ein Beispiel aus einer langen Liste an ähnlichen bzw. identen Portalen. Mit denselben Tricks arbeiten etwa verbraucherexperten.de, top-productreviews.com, warentest-resultate.de oder apotheken-rundblick.com. Über den Zusammenhang von angeblichen Bewertungsportalen und dubiosen Online-Stores haben wir hier bereits berichtet.
Purisaki-Shop: Vorsicht, Abo-Falle!
Auf den beschriebenen „Info-Portalen“ selbst gibt es wie erwähnt keinen Onlineshop, man kann hier also nichts kaufen. Zu den Stores gelangt man über im Text verteilte Buttons, die tragen zum Beispiel die Aufschrift „Aktuelle Verfügbarkeit prüfen“ oder „Kostenlosen Stoffwechsel-Test machen“. Ein Klick startet ein mehrstufiges Quiz, an dessen Ende die Bestellmaske wartet.
Dort sind teils verwirrende Angaben zum Endpreis des gewählten Pakets zu finden. Wer bestellt, geht unwissentlich eine dauerhafte Bindung ein, das angegebene Zahlungsmittel wird fortlaufend belastet. Infos zu einem Abo muss man zwar mit der Lupe suchen, sie sind jedoch vorhanden.
Was hingegen nicht den rechtlichen Vorgaben entspricht, ist die sogenannte „Button-Lösung“. Dabei geht es um die konkrete Beschriftung des Bestell-Buttons. Die wichtigsten Infos dazu:
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„Ja, schicken Sie mir jetzt meine Purisaki Berberine“ ist kein zulässiger Text!
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Es kommt kein rechtlich bindender Vertrag zustande!
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Das angeblich abgeschlossene Abo ist nicht gültig!
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Eine Grundlage für fortlaufende Abbuchungen bzw. Belastungen ist nicht gegeben!
Rechts: Diese "Button-Lösung" reicht rechtlich gesehen nicht aus.
Alte Bekannte! In den ABGs des Shops wird das tatsächlich existierende Unternehmen „UAB BeWell EU“ mit Sitz in Vilnius (Litauen) als verantwortlich angegeben. Im Jahr 2022 sprach die britische Werbeaufsicht ASA eine Rüge gegen das Unternehmen aus. Grund waren Versprechen in Zusammenhang mit Abnehmpflastern. Das Unternehmen gab allerdings an, die Produkte schon länger nicht mehr zu verkaufen.
In die Abo-Falle getappt: Das können Sie tun!
Wer ungewollt und unbemerkt ein Abonnement abgeschlossen hat, sollte umgehend aktiv werden. Folgende Schritte sind zu empfehlen:
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Versuchen Sie, das betreffende Unternehmen schriftlich zu kontaktieren und das Abo mit sofortiger Wirkung zu kündigen! Fordern Sie zudem die Rückbuchung bereits bezahlter Beträge! Weisen Sie im Schreiben darauf hin, dass das Abo und falschen Voraussetzungen zustande gekommen und daher nicht rechtlich bindend ist!
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Wenden Sie sich an ihre Bank bzw. Ihr Kreditkartenunternehmen und schilden Sie die Situation! Die Expert:innen kennen das weitere Vorgehen.
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Möglicherweise ist es nötig, die Kreditkarte sperren zu lassen! Besprechen Sie diese Option mit Ihrem Anbieter!