Kein Fake, aber problematisch: Wenn Testplattform und Online-Shop verbandelt sind
Mit vermeintlichen Review-Portalen versuchen Online-Shop-Betreiber, Kund:innen auf ihre Seiten zu locken. Dafür nutzen Sie Fake-Identitäten und ausführliche „Testberichte“. Im Fall einer Bestellung erhalten die Opfer lediglich Produkte minderwertiger Qualität. Die Hürden für eine Rückgabe sind enorm hoch.
Beginnen wir mit einem Beispiel: Wer sich neue Kopfhörer kaufen möchte, sich in dem Bereich aber nicht sonderlich gut auskennt, ist auf die Erfahrung und Expertise anderer Menschen angewiesen. Aus diesem Grund existieren im Internet zahlreiche Review- und Bewertungsportale. Expert:innen analysieren unterschiedliche Kopfhörer-Modelle – um beim Beispiel zu bleiben – und veröffentlichen ihre Einschätzung. So weit, so gut. Problematisch wird es, wenn derartige Portale nur aus dem Grund kreiert werden, um potenzielle Kund:innen in einen einzigen Online-Shop zu locken. Ein Netzwerk an Webseiten, das Käufer:innen gezielt in eine Richtung lenken soll.
Der vorliegende Artikel zeigt am Beispiel der Sites „profitipp5.de“, „saveoffer.de“ und „angeboteblitz.de“ wie so ein Netzwerk aussehen kann und wo konkret die Gefahren liegen.
Profitipp5.de – die Bewertungsplattform
Unter der Domain „profitipp5.de“ wartet eine angebliche Review-Plattform für technische Gadgets wie Kopfhörer, Teleskope etc. Die Infotexte zeichnen das Bild eines Top-Projekts, das sich zur Aufgabe gemacht hat, in so vielen Bereichen wie möglich die besten fünf Produkte zu finden:
„Werde Teil unserer Community erfahrener Käufer, die sich auf unsere sorgfältig ausgewählten Top-5-Rankings, umfassenden Vergleichsanalysen und klare, unverblümte Ratschläge verlassen, um Marketing-Hypes zu durchschauen und die perfekten Produkte für ihre Bedürfnisse zu finden.“
Auf den ersten Blick eine gute Sache. Wer allerdings in die Tiefe geht, merkt rasch, dass hier etwas nicht ganz stimmen kann.
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Die Website verfügt über kein Impressum und keinerlei Kontaktinformationen. Man kann lediglich über ein Formular versuchen, jemanden zu erreichen.
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Das Foto von Noah Bishop – angeblicher „Forschungsspezialist“ und Verfasser der Vergleichsartikel – zeigt in Wahrheit den britischen Youtuber Arun Maini, auch bekannt als „Mrwhosetheboss“.
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Zusätzlich werden in den Beschreibungen von Bishop stellenweise weibliche Pronomen verwendet, obwohl das Bild eindeutig einen Mann zeigt.
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Die Domain wurde erst am 26. März 2025 registriert. Die Infos zu den Besitzer:innen sind nicht öffentlich zugänglich.
Unten: Infos und Fotos des Youtubers "Mrwhosetheboss".
Eine weitere Sache ist ebenfalls auffällig: In den aktuell vier verfügbaren Test-Artikeln (Stand 2. Dezember 2025) wird im Zusammenhang mit dem jeweiligen Top-Produkt dreimal der gleiche Onlineshop verlinkt – und zwar saveoffer.de. Bei den Plätzen zwei bis fünf gibt es hingegen Amazon-Links.
Sollte tatsächlich ein vergleichsweise unbekanntes Portal wie saveoffer.de die besten Produkte zum günstigsten Preis anbieten, wäre das ein großer Zufall. Grund genug, sich den verlinkten Store näher anzusehen.
Saveoffer.de – der „Testsieger“
Was sofort auffällt: Auch bei saveoffer.de werden die Top 5 in unterschiedlichsten Kategorien gekürt. Grundsätzlich nicht verboten, erinnert der gesamte Aufbau der Website aber doch sehr an „profitipp5.de“. Und Überraschung: Auch dort taucht „Forschungsspezialist Noah Bishop“ als Experte auf. Weitere Warnzeichen:
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Die Website verfügt über kein Impressum.
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Die Kontaktinformationen verstecken sich in der Datenschutzerklärung. Dort werden eine gmail-Adresse sowie eine Postadresse in Hong Kong angeführt.
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Das Foto eines weiteren Artikelverfassers namens „Daniel Flynn“ zeigt in Wahrheit den Journalisten Benjamin Ryan.
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Die Domain wurde erst am 24. Februar 2025 registriert, die Infos zu den Besitzer:innen sind nicht öffentlich zugänglich.
Der einzige Unterschied zu profitipp5.de: Saveoffer bietet eine Einkaufsmöglichkeit. Die Seite ist also nicht nur Bewertungsportal, sondern auch Online-Shop. Und wer dort bestellt, darf sich auf eine unschöne Überraschung einstellen. Zumindest zeichnen uns vorliegende Beschwerden und zahlreiche Erfahrungsberichte auf seriösen Bewertungsplattformen dieses Bild.
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Laut der Reviews und Beschwerden lässt die Qualität der Ware deutlich zu wünschen übrig.
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Versendet wird aus China.
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Rund um eine versuchte Rückgabe wird das übliche Programm abgespult: Lange Reaktionszeiten, Hinhaltetaktik durch Rabatt-Angebote, Rücksendung nach China auf eigene Kosten, Abbruch der Kommunikation.
Angeboteblitz.de – das „andere Portal“
Ein kurzer Blick noch auf die andere Portal/Shop-Kombi, die im vierten Artikel auf profitipp5.de verlinkt wird – angeboteblitz.de. Auch hier sind die mittlerweile bekannten Warnzeichen präsent: Kein Impressum, keine Adressinformationen, lediglich ein Formular zur Kontaktaufnahme.
Das angebliche Foto des hart arbeitenden Teams kommt auf unzähligen anderen Websites zum Einsatz. Aktuell (Stand 2. Dezember 2025) stehen allerdings keinerlei Produkte zum Verkauf. Lediglich der Link auf profitipp5.de führt zu einer Unterseite, auf der ein Teleskop angeboten wird.
Mehrere Testberichte lesen! Verlassen Sie sich bei Ihrer Entscheidungsfindung niemals nur auf einen Testbericht! Vergleichen Sie die Reviews auf unterschiedlichen Portalen und kontrollieren Sie, ob die Seite auf unterschiedliche Shops verlinkt oder immer nur auf einen einzigen.
Resümee: Kein Fake-Shop, aber ein Netzwerk dubioser Webseiten
Eine Sache gleich vorweg: Wir haben es hier nicht mit klassischen Fake-Shops zu tun! Dieser Vorwurf wäre zu schwerwiegend. Problematisch ist die Angelegenheit dennoch. Und das aus mehreren Gründen:
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Die Bewertungsplattformen erwecken mit nachweislichen Fake-Identitäten einen vermeintlich seriösen Eindruck. Hier werden potenzielle Kund:innen getäuscht.
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Die Webseiten verweisen untereinander auf sich, wirkliche Objektivität sieht anders aus.
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Erfahrungsberichte zeichnen das Bild eines nicht zufriedenstellenden Onlineshopping-Erlebnisses. Qualitativ minderwertige Ware zu hohen Preisen, versendet aus China. Dazu kommen massive Probleme bei einer versuchten Rückgabe.
Weitere problematische Kombis! Die hier beschriebene “Vernetzung” von Review-Portalen und Online-Shops ist bei Weitem nicht die einzige Variante. Kurz vor Veröffentlichung des Artikels erreichte uns eine Beschwerde zu den Seiten “gesundheit-journal.de” und “feldluft.de”. In seinem großen “Barfußschuh-Test” kommt das Journal zu einem klaren Ergebnis: “EINE Marke übertrifft ALLE Erwartungen - andere enttäuschen”. Entsprechend ist nur der Testsieger verlinkt, die Weiterleitung führt zu Feldluft. Wenig überraschend findet sich im Impressum beider Seiten das Unternehmen “Ventura Commerce” mit Sitz in Hong Kong. Auch hier gilt: Nicht illegal, aber problematisch.
Im problematischen Shop eingekauft? Das können Sie jetzt tun
Von einer Rücksendung der minderwertigen Ware auf eigene Kosten nach China raten wir ab. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Shop-Betreiber:innen den Kaufpreis rückerstatten. Das würde den finanziellen Schaden auf Opferseite nur noch größer machen.
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Haben Sie per Kreditkarte bezahlt, kontaktieren Sie umgehend Ihren Kreditkartenanbieter und schildern Sie die Situation! Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, eine Rückbuchung durchzuführen, wenn die erhaltene Ware nicht der Werbung entspricht.
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Wer per Direktüberweisung bezahlt hat, sollte umgehend die Bank kontaktieren! Die Chancen auf eine Rückbuchung sind allerdings sehr gering.
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Informieren Sie sich regelmäßig zu den neuesten Fallen rund um Online-Shopping. Wer sie kennt, fällt nämlich nicht so leicht darauf hinein.