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online seit 03.11.2025

Wer verschenkt schon einen Porsche?! Datendiebstahl statt Wohltätigkeit

Mit Hilfe von Fake-Profilen auf Social Media ködern Kriminelle ihre Opfer. Sie locken sie auf eine Website, wo ein angebliches Gewinnspiel für einen Porsche wartet. Wer teilnehmen will, muss (sehr persönliche) Informationen übermitteln. Eine direkte Gefahr für das Bankkonto besteht zwar nicht, die erbeuteten Daten kommen allerdings bei späteren Betrugsmaschen zum Einsatz.

Niemand hat etwas zu verschenken! Genau das möchte aktuell aber eine Website ihren Besucher:innen weismachen. Konkret geht es um einen Porsche Turbo S. Den vergibt ein angeblich 62-jähriger Franzose namens Bastier Kermez an einen glücklichen Gewinner oder eine glückliche Gewinnerin. Warum er das tun sollte? Aus Liebe. Zumindest behauptet er das in einer E-Mail, die all jene erhalten, die sich für die Verlosung anmelden.

So läuft der Porsche-Betrug ab

Die technischen Voraussetzungen für diese Fallen-Art sind nicht sonderlich kompliziert. Alles, was es braucht, sind eine Website und ein Fake-Profil auf Social Media.

  • Fake-Profile in sozialen Medien locken die Opfer auf eine eigens für die Betrugsmasche gebaute Website mit der Adresse bastierkermez.com/ausergewohnliche-spende-porsche-turbo-s/.

  • Dort warten weiterführende Informationen und Fotos des Autos.

  • Will man an der Verlosung teilnehmen, muss man persönliche Angaben übermitteln – vollständiger Name, E-Mail, Telefonnummer. Dazu gibt es eine Box für eine persönliche Nachricht.

  • Wer die Angaben absendet, erhält eine E-Mail vom angeblichen Spender, in dem dieser seine Lebensgeschichte ausbreitet und nach weiteren Informationen fragt. „Erzählen Sie mir, wer Sie sind, was Sie beruflich machen, was Sie im Leben bewegt – und was dieses Auto für Sie bedeutet.“ 

Guten Tag Familie,

Ich habe soeben Ihre E-Mail bezüglich der Schenkung meines Porsche 911 Turbo S gelesen. Wahrscheinlich stellen Sie sich zu Recht die Frage: Warum sollte heutzutage jemand ein solches Fahrzeug verschenken?

Erlauben Sie mir, mich vorzustellen und Ihnen vor allem die Gründe dafür zu erläutern. Mein Name ist Bastier Kermez, ich bin 62 Jahre alt, französischer Staatsbürger und habe lange Zeit in verantwortungsvollen Positionen gearbeitet. Über zwanzig Jahre lang leitete ich ein Familienunternehmen im medizinischen Bereich. Die Arbeit spielte eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben ich gehörte zu denjenigen, die wieder ihre Stunden noch ihre Wochenenden zählten, wenn es darum ging, ein Projekt zum Erfolg zu führen. Doch trotz dieses ständigen Engagements wusste ich immer, wo mein wahres Glück lag. Sie hieß Claire.

Wir lernten uns an der Universität kennen. Sie studierte Literatur, ich Medizin zwei völlig verschiedene Welten und doch brachte sie mich zurück zum Wesentlichen. Claire lehrte mich, langsamer zu werden, zu beobachten, zu fühlen und wirklich zu leben. Sie war sanft, unabhängig und ein stilles Licht, das leuchtet, ohne zu blenden. Wir verbrachten über dreißig gemeinsame Jahre reich an Reisen, geteilten Schweigen und überstandenen Stürmen. Claire hatte eine eine Vorliebe für Luxus mit einer einzigen Ausnahme: dem schwarzen Porsche 911 Turbo S, Baujahr 2011, den ich ihr zum vierzigsten Geburtstag schenkte. Sie sagte oft, er sei „der einzige Ort, an dem die Welt langsamer wurde, während sie beschleunigte“. Dieses Auto bedeutete für sie viel mehr als nur ein Fortbewegungsmittel: Es war ein Raum der Freiheit, ein Moment der Leichtigkeit, ein Symbol. Und dann kam der Krebs. Brutal. Ungerecht. Vernichtend.

Ich begleitete sie bis zu ihrem letzten Atemzug. Nach ihrem Tod brach alles zusammen, was mein Leben ausmachte. Sogar die Arbeit, mein ewiger Zufluchtsort, hatte keinen Sinn mehr. Unfähig, in diesem Haus, in diesem Land, in diesem Leben ohne sie zu bleiben, beschloss ich, fortzugehen. Weit weg von allem Vertrauten – nach Bolivien, wo ich seit 21 Monaten lebe. Nicht, um zu fliehen, sondern um mich neu aufzubauen, indem ich älteren Menschen helfe und mein Wissen in den Dienst der Menschlichkeit stelle.

Seitdem habe ich das Auto nicht mehr angerührt. Es steht unberührt in der Garage, wie ein Heiligtum. Und auch heute noch verspüre ich nicht den Wunsch, es zu fahren. Es gehört einer Vergangenheit an, die ich innig liebe, aber nicht wiedererleben kann. Deshalb habe ich beschlossen, dieses Fahrzeug zu verschenken. Ich möchte es nicht verkaufen. Auf dem Papier gehört es mir, aber in Wirklichkeit war es immer Claires Auto. Ich bin überzeugt, dass es weiterfahren und leben sollte – nicht in der Dunkelheit schwerer Erinnerungen verharren. Ich wünsche mir, dass es zu jemandem kommt, der es liebt – nicht wegen seines Marktwertes von über 100.000 €, sondern wegen seiner Bedeutung: eine Geschichte, ein Hauch von Freiheit, ein Stück weitergegebenes Leben. Diese Schenkung ist kein Abschied, sondern eine Weitergabe.

Jetzt, da Sie die tieferen Gründe für diesen Schritt verstehen, lade ich Sie ein, sich ebenfalls vorzustellen – so wie ich es getan habe. Erzählen Sie mir, wer Sie sind, was Sie beruflich machen, was Sie im Leben bewegt – und was dieses Auto für Sie bedeutet. Durch diesen ehrlichen Austausch können wir gemeinsam über das weitere Vorgehen entscheiden.

Mit herzlichen Grüßen,
Dr Bastier Kermez
bastierkermez(.)com

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Ein akutes finanzielles Risiko besteht zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Worum es bei dieser Betrugsmasche eigentlich geht? Um Daten! Die Kriminellen sammeln auf diese Art und Weise zahlreiche persönlichen Informationen, die sie für spätere Betrugsmaschen nutzen können bzw. werden.

Woran sich der Porsche-Betrug erkennen lässt

Ein kleines Problem bringt die „Porsche zu verschenken“-Website mit: Viele der üblichen Werkzeuge zur Entlarvung von Fake-Shops sind nicht anwendbar. Zu niedrige Preise als Kaufanreiz? Das Auto soll nicht verkauft werden. Domain erst seit kurzer Zeit registriert? Ist mit dem Start der Aktion zu argumentieren. Wie lässt sich dann herausfinden, dass es sich um eine Fake-Seite handelt?

  • Recherche: Wer nach dem Namen des angeblichen Gönners sucht, erhält keine Ergebnisse. Nichts. In einer Zeit wie der unseren eigentlich unmöglich. Vor allem dann, wenn man es mit einem vermeintlichen Humanisten zu tun hat, der sein Leben in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt hat und seine Projekte auf einer Website präsentiert. Bastier Kermez existiert nicht.

  • Bilder #1: Eine Rückwärtssuche mit den Fotos des zu verschenkenden Autos führt zu einem Handelsportal. Auf autoscout24.fr steht der Porsche für 113.900 € zum Verkauf. Das Inserat stammt vom Unternehmen „Car Jager“, einem Autohaus für „Exceptional Cars“ im französischen Aix-en-Provence. Hier haben sich die Betrüger:innen bedient.

  • Bilder #2: Die Gewinnspiel-Unterseite ist Teil einer größeren Webpräsenz. Der angeblich pensionierte Mediziner Bastier Kermez erzählt dort von seinen Wohltätigkeitsprojekten. Tatsächlich stammen die verwendeten Bilder von einer anderen Website. Die gehört zu einer vermeintlichen Wohltätigkeitsorganisation namens „Zephyrgold Foundation“ mit Sitz in Nigeria. Auch hier gibt es mehrere Anzeichen für betrügerische Absichten. Der Verdacht, dass die Kriminellen hinter Kermez auch hier ihre Finger im Spiel haben, liegt nahe.

Porsche-Betrug: Was tun, wenn Sie Informationen übermittelt haben?

Wie bereits erwähnt: Eine unmittelbare Gefahr für Ihr Geld besteht selbst nach Übermittlung der Daten nicht. Wir empfehlen dennoch:

  • Bleiben Sie wachsam! Die Kriminellen verfügen über viele Informationen zu Ihrer Person und werden sich sehr wahrscheinlich mit einer anderen Masche bei Ihnen melden.

  • Bleiben Sie informiert! Wer die neuesten Fallen kennt, fällt nicht hinein. Informieren Sie sich regelmäßig über neueste Entwicklungen im Bereich des Onlinebetrugs.

  • Erstatten Sie Anzeige! Je mehr die Behörden über mögliche Betrugsversuche wissen, desto höher sind die Erfolgschancen im Fall einer Ermittlung.

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