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„Porno-Streaming“: Gefälschte Abmahnungen per E-Mail unterwegs

Gepostet am 10.12.2013 von Internet Ombudsmann

Deutsche Nutzer eines Pornoportals im Internet sind jüngst wegen Streamings massenhaft abgemahnt worden. Nun gibt es offenbar Trittbrettfahrer, die gefälschte Abmahnungen per E-Mail ausschicken – auch an Österreicher/innen. Die Absender geben sich als die Anwälte „Urmann + Collegen“ aus, die die „echte“ Abmahnwelle in Deutschland ins Rollen brachten.

Wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen berichtete, wurden zahlreiche deutsche Nutzer/innen der Porno-Website Redtube.comwegen Streamings abgemahnt. Hierfür beauftragt wurde die Rechtsanwaltskanzlei „Urmann + Collegen“. Offenbar sind nun aber auch gefälschte E-Mails in Umlauf, die von Betrüger/innen ausgeschickt werden – auch an österreichische Accounts. Als vermeintlicher Absender wird dennoch die Kanzlei U + C angegeben. Im Anhang der E-Mail befindet sich eine ZIP-Datei, die vermutlich Schadsoftware beinhaltet. Wir raten dringend davon ab, den E-Mail-Anhang zu öffnen!

Hier ein Beispiel einer gefälschten E-Mail:

„Sehr geehrte(r) XXXX,

Grund unserer Beauftragung ist eine von Ihrem Internetanschluss aus begangene Urheberrechtsverletzung an dem Werk Amandas secrets. Unserer Mandantin The Archive AG  steht das ausschließliche Recht zu, dieses Werk zu vervielfältigen (§§ 16, 94 f. UrhG). Dieses Recht wurde durch das Streamen des betreffenden Werkes über Ihren Internetanschluss verletzt.

Folgende Daten konnte die seitens unserer Mandantschaft beauftragte Ermittlungsfirma feststellen und beweissicher rechtlich speichern:

Datum/Uhrzeit: 03.12.2013 24:56:55
IP-Adresse: XXXX
Produktname: Amandas secrets
Benutzerkennung: XXXX
Anbieter: Redtube

Unserer Mandant hat daher vor dem Landgericht Köln Ihren Internet-Service-Provider gemäß § 101 Abs. 9 UrhG auf Auskunft in Anspruch genommen. Das Landgericht hat für diesen Vorfall sowohl die Rechtsinhaberschaft als auch die ordnungsgemäße Erfassung der Rechtsverletzung und Funktionsweise der Ermittlungssoftware bejaht. In dem Beschluss mit dem Aktenzeichen 233 0 173/13 wurde Ihrem Internetserviceprovider die Herausgabe Ihrer Daten gestattet.

Namens und in Vollmacht unserer Mandantin fordern wir Sie hiermit auf, die gegebenenfalls noch vorhandene rechtswidrige Kopie unverzüglich von Ihrem Computer zu löschen. Weiter fordern wir Sie auf zur Ausräumung der Wiederholungsgefahr eine Unterlassungserklärung gegenüber unserer Mandantin abzugeben, für deren Eingang in unserer Kanzlei eine Frist bis spätestens 16.12.2013 notiert wurde. Die Unterlassungserklärung muss hier im Original mit Unterschrift vorliegen. Eine Kopie oder eine Übermittlung per Telefax ist nicht ausreichend. Die Unterlassungserklärung muss ausreichend strafbewehrt, unbedingt und unwiderruflich sein. Ein entsprechender Formulierungsvorschlag mit einer Vertragsstrafenregelung nach dem gängigen Hamburger Brauch ist in der Anlage beigefügt. Sofern Sie beabsichtigten, diesen abzuändern (§ 97 a Abs. 2 Nr. 4 UrhG), weisen wir darauf hin, dass nur eine Unterlassungserklärung mit einer ausreichenden Vertragsstrafe die Wiederholungsgefahr beseitigt. Im Falle von Änderungen der Unterlassungserklärung tragen Sie das Risiko, dass diese von uns nicht akzeptiert wird.

Gemäß § 97a Abs. 3 UrhG besteht weiterhin ein Erstattungsanspruch gegen Sie. Sie haben unserer Mandantin den durch die unerlaubte Verwertung entstandenen Schaden zu ersetzen, den wir hier mit 62,63 Euro beziffern. Weiterhin haben Sie die Kosten der Ermittlungsfirma zur Feststellung der Rechtsverletzung, die Gerichtskosten des Verfahrens vor dem Landgericht Köln und die anteiligen Aufwendungen, die Ihrem Provider gemäß § 101 Abs. 2 UrhG zu erstatten waren zu ersetzen. Hierfür sind 90,00 Euro anzusetzen. Die erstattungspflichtigen Kosten unserer Inanspruchnahme bemessen sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) und werden wie folgt beziffert:

Gegenstandswert: 4063,00 Euro
Geschäftsgebühr §§ 13, 14, Nr. 2030 VV RVG: 430,52 Euro
Pauschale für Post und Telekommunikation: 30,22 Euro
Schadensersatz: 62,63 Euro
Aufwendung für Ermittlung der Rechtsverletzung pauschal: 90,00 Euro

Die Beweisdaten sowie die Bankdaten und unsere Kontaktdaten finden Sie in der angehängten Datei.

Mit freundlichen Grüßen
Regensburger Rechtsanwaltsgesellschaft Urmann + Collegen (U+C)“

Gefälschte E-Mails löschen, echte Abmahnungen ernst nehmen

Auf die gefälschten E-Mails muss nicht reagiert werden, sie werden am besten einfach gelöscht. Echte Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen sind jedoch grundsätzlich keinesfalls zu ignorieren (hier mehr dazu lesen). Bei den derzeit im Namen der Urmann + Collegen Rechtsanwaltsgesellschaft mbH per E-Mail versendeten Abmahnungen handelt es sich jedoch um Fakes. Eine entsprechende Warnung ist derzeit auch auf der Website der Anwaltskanzlei zu finden (Stand: 10.12.2013). Nach eigenen Angaben verschickt die Urmann + Collegen Rechtsanwaltsgesellschaft mbH Abmahnungen ausschließlich per Post.

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