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online seit 18.12.2025

Wundermittel per Klick? Massenhaft Gesundheits-Werbung mit falschen Versprechen!

Mit Deepfake-Videos und anderen manipulierten Inhalten werden auf Facebook und Instagram zahlreiche dubiose Angebote für Nahrungsergänzungsmittel beworben. Eine neue Analyse zeigt, in welchem Ausmaß solche Anzeigen eingesetzt werden und welche Risiken damit einhergehen.

Betrügerische Werbung im Namen des Bundesministeriums.

Der Arzt Siegfried Meryn erhält im ORF-Studio einen Schlag ins Gesicht, weil er eine revolutionäre Methode zur Reinigung von Blutgefäßen entdeckt habe. Prominente Personen empfehlen Wundermittel gegen Depressionen, und ein freiverkäufliches Präparat wird fälschlicherweise als Ersatz für Diabetes-Medikamente beworben.

So absurd diese Szenen klingen, sie kursieren millionenfach auf Facebook und Instagram. Hinter den Clips steckt ein dubioses Geschäftsmodell: Mithilfe von Deepfakes und manipulierten Inhalten werden Ärzt:innen und Prominenten falsche Aussagen untergeschoben, um zweifelhafte Nahrungsergänzungsmittel zu verkaufen. 

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Deepfakes sind mit Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugte oder manipulierte Bilder, Videos oder Audios. Sie wirken täuschend echt und zeigen Ereignisse oder Aussagen, die in der Realität so nicht stattgefunden haben. Oft ähneln die Inhalte realen Personen, Orten oder Dingen.

Um das Ausmaß dieser irreführenden Werbung sichtbar zu machen, hat das Österreichische Institut für Angewandte Telekommunikation (ÖIAT) im Rahmen des ACR-Strategischen Projekts Safe-NEM entsprechende Anzeigen untersucht. In Zusammenarbeit mit dem Projektpartner Lebensmittelversuchsanstalt (LVA) wurden zudem ausgewählte Nahrungsergänzungsmittel im Labor analysiert.

Reichweite von fünf Millionen in Österreich

Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie groß das Problem ist: Allein im ersten Halbjahr 2025 wurden mehr als 4.600 problematische Werbeanzeigen dokumentiert. Die europaweite Reichweite betrug rund 21,5 Millionen Personen – davon etwa fünf Millionen in Österreich. Besonders häufig richteten sich die Anzeigen an ältere Menschen: Über 75 Prozent zielten auf Personen über 45 Jahre ab, mehr als die Hälfte erreichte Menschen über 55 Jahre.

Wie fielen die Laboruntersuchungen aus?

Eine gute Nachricht gibt es dennoch: Die in der Untersuchung ausgewählten Produkte erwiesen sich zumindest nicht als akut gesundheitsgefährdend. Allerdings enthielten sie auch keine nachweislich wirksamen Inhaltsstoffe gegen die beworbenen Krankheiten.

Gefährlich sind vor allem die irreführenden Werbebotschaften selbst. In vielen Anzeigen werden die Nahrungsergänzungsmittel als bessere Alternative zu ärztlich verschriebenen Medikamenten dargestellt. Wer aufgrund solcher Empfehlungen notwendige Medikamente absetzt, riskiert bei zahlreichen Erkrankungen schwerwiegende gesundheitliche Folgen – bis hin zur Lebensgefahr.

Unseriöse Gesundheits-Werbung erkennen:
  • Informationen überprüfen: Verlassen Sie sich nicht auf Werbeversprechen. Prüfen Sie Angaben zu beworbenen Produkten bei seriösen Stellen oder Faktenchecks.

  • Vorsicht bei Wunderheilversprechen: Nahrungsergänzungsmittel, die Krankheiten heilen oder ärztliche Therapien ersetzen sollen, sind hochgradig unseriös. Solche Aussagen dienen allein dem Verkauf.

  • Aussagen von Prominenten kritisch hinterfragen: Bilder und Videos von Prominenten werden häufig gefälscht oder manipuliert.

  • Achtung vor Panikmache und hohen Preisen: Angsterzeugende Botschaften sollen zu schnellen Kaufentscheidungen drängen. Zudem werden oft günstige Produkte durch aggressive Vermarktung teurer verkauft.

  • Ärzt:innen werben nicht für Wundermittel: Seriöse Ärzt:innen bewerben keine Nahrungsergänzungsmittel als medizinische Lösung.

Bereits bestellt? Das können Sie tun:
  • Entsorgen Sie unbekannte Präparate und stoppen Sie die Einnahme. Oft ist nicht klar, welche Inhaltsstoffe enthalten sind, was gefährlich werden kann. Lassen Sie sich stattdessen ärztlich beraten.

  • Nach Bestellungen werden Betroffene oft massenhaft kontaktiert. Die Angebote können überzeugend wirken, verfolgen aber nur das Ziel, Gewinn zu machen. Löschen Sie verdächtige E-Mails und blockieren Sie die Nummer der penetranten Verkäufer:innen.

Das Projekt wurde vom Österreichischen Institut für Angewandte Telekommunikation (ÖIAT) im Rahmen des ACR-Strategischen Projekts Safe-NEM gemeinsam mit den Projektpartnern KMU Forschung Austria (KMFA) und der Lebensmittelversuchsanstalt (LVA) durchgeführt.

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