Zum Seiteninhalt
News

Kleinanzeigen-Betrug mit dem günstigen PKW

Gepostet am 17.06.2014 von Watchlist Internet

Mit vermeintlich günstigen Auto-Angeboten treiben sich Betrüger/innen auf Kleinanzeigen-Plattformen herum. Zeigt der/die potenzielle Käufer/in Interesse an dem PKW, wird von den Betrüger/innen vorgeschlagen, den Kauf über ein Treuhandunternehmen abzuwickeln. Dieses existiert in Wirklichkeit jedoch gar nicht!

Ein Watchlist Internet-Leser war im Internet auf der Suche nach einem günstigen PKW. Auf einer Kleinanzeigen-Plattform stieß er sehr schnell auf einen gebrauchten BMW X3 Diesel, der zu unglaublichen EUR 5.999,- angeboten wurde. Um sich das Schnäppchen nicht entgehen zu lassen, stellt er eine Anfrage an den Verkäufer:


Ein interessierter Konsument stellt eine Kaufanfrage an den Verkäufer eines BMW X3.

Sehr schnell erhielt er daraufhin nachfolgende Antwort:

Sehr Geehrt kunde,

Ich habe Ihre E-Mail erhalten in Bezug zum verkaufen. Ich bin ein Geschäftsmann aus Irland und dieses Auto war im Besitz von meinem Bruder, dieser war Anwalt in Österreich , aber leider starb er vor 3 Monaten Aufgrund eines Motorrad-Unfall und jetzt ist das Auto ist in meinem Eigentum. Die Auto ist wie neu,in ausgezeichneter Bedingung, unfallfrei, kein Kratzer darauf und ist momentan in Österreich registriert. Das Lenkrad ist auf der linken Seite und das Auto hat gültige Zahl Platten und Pickerl aus Österreich. Es kommt mit die ganzen Papiere nötig für Registrierung, es hat einen klaren Titel und es kann zu jeder Zeit registriert werden in Ihren Namen ohne ein Problem.

Ich kann nicht kommen mit dem Auto in Österreich , denn wie ich Ihnen sagte ich bin eine Geschäftsmann und der einzige Weg, auf einen Geschäftsabschluss ist durch das Unternehmen ,,E.T.S.'' Ich zahlen alle Kosten für die Lieferung von NordIrland nach Ihren Standort und Sie haben 5 Tage für die Inspektion, bevor Sie sich entscheiden ob Sie das Auto kaufen oder nicht.

Wenn Sie daran interessiert sind können wir über den Preis Eur 6'000 reden , denn er ist verhandelbar, wenn Sie bereit sind für eine schnelles Verhandeln. Wenn Sie interessiert sind das Auto zu kaufen, antworten Sie mir bitte mit Ihren vollständigen Namen und Anschrift , um den Kaufvertrag auf Ihren Namen zu machen und auch für alle Versandpapiere zu machen. Ich bezahle den Versand aller Steuern. Ich warte auf Ihre E-Mail, wenn Sie Interesse am Kauf des Autos haben, weil ich Sie die nächsten Schritte informieren muss, um die Verhandlung abzuschliessen.

Vielen Dank!

Auf den ersten Blick ein Wahnsinns-Angebot

Das Angebot schien auf den ersten Blick verlockend: Das Auto war wie neu und hatte ein gültiges Pickerl. Der potenzielle Vertragspartner war Geschäftsführer und damit vertrauenswürdig und seriös. Selbst die Lieferung des Autos von Nordirland nach Österreich war kein Problem und würde dem interessierten Käufer keine Kosten verursachen. Er könnte den BMW fünf Tage lang unverbindlich testen und danach immer noch entscheiden, ob er das Auto haben möchte oder nicht. Im letzteren Fall müsste der Interessent nicht einmal die Rücksendekosten tragen. Zu guter Letzt war der ohnehin niedrig angesetzte Preis nicht in Stein gemeißelt und könnte noch nach unten hin verhandelt werden.

Doch es wird zunehmend dubios

Ohne zu zögern, erklärte der Watchlist Internet-Leser dem Verkäufer, dass er an dem Kauf des Autos sehr interessiert sei. Daraufhin erreichte ihn nachfolgende Antwort:

Guten Tag

Ich erklärte Ihnen die Schritte! Das Unternehmen bietet eine Bankbürgschaft über Ihr Geld! Das Auto kommt innerhalb von 3 Tagen, nachdem Sie den Transfer gemacht haben! Sie haben 5 Tage Zeit das Auto zu testen und zu Überprüfen!

Wenn Sie das Auto nicht kaufen möchten, wird das Unternehmen Ihnen das Geld zurückgeben und das Auto zurücknehmen. Dies ist die Politik des Unternehmens, das Geld wird zu mir kommen, nachdem die Transaktion beendet wurde.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

An dieser Stelle brach der Watchlist Internet-Leser den Kontakt mit dem Verkäufer ab. Unserem Team schrieb er: „Auf der Suche nach einem Auto, einen BMW X3 verdächtig billig (…) gefunden. Trotzdem hab ich den Kontakt aufgenommen und dubiose Rückmeldung(en) erhalten.“

Die Betrugsmasche: Treuhandbetrug

Dem Watchlist Internet-Leser dämmerte es, dass etwas bei diesem verlockenden Verkaufsangebot nicht stimmen kann. Er sollte mit dieser Annahme richtig liegen, denn eine klassische Form des Kleinanzeigen-Betrugs ist der sogenannte Treuhandbetrug. Wie die Watchlist Internet in dem Artikel Die Tricks der Kleinanzeigen-Betrüger – Teil 1 zeigt, läuft er folgendermaßen ab:

Der/die vermeintliche Verkäufer/in gibt einen Wohnsitz im Ausland an. Er/sie schlägt vor, das Geschäft über ein angeblich neutrales Speditions- bzw. Logistikunternehmen abwickeln zu lassen. Dieses soll sowohl den Transport der Ware übernehmen als auch als Treuhänder für die Zahlung auftreten. In Wahrheit gibt es das Unternehmen nicht.

Der/die Verkäuferin verspricht, die Ware dem Speditionsunternehmen zu übergeben, sobald Sie das Geld an dasselbe Speditionsunternehmen überwiesen haben. Danach soll die Ware versendet werden. E-Mails und Website des Speditionsunternehmens sind jedoch gefälscht, das Geld fließt direkt an den/die vermeintliche/n Verkäufer/in. Die gekaufte Ware wird nie ausgeliefert, eine Rückbuchung ist nicht möglich.


Die Website eines nicht existierenden Logistik-Unternehemen (Beispiel)

Vergleicht man das vorliegende Verkaufsangebot und den Vorschlag, wie der Kauf abgewickelt werden sollen, wird klar, dass hier ein Betrugsversuch vorliegt:

  • Beim Kleinanzeigen-Betrug ist typisch, dass der Verkäufer im Ausland ist. In unserem Fallbeispiel schreibt der Verkäufer, dass er ein Geschäftsführer aus Irland ist.
  • Speziell beim Treuhandbetrug schlägt der Verkäufer vor, dass der Kauf über ein Logistikunternehmen abgewickelt werden soll. In unserem Fallbeispiel hält der Verkäufer fest: „Der einzige Weg, auf einen Geschäftsabschluss ist durch das Unternehmen ,,E.T.S.'' Ich zahlen alle Kosten für die Lieferung von NordIrland.“
  • Beim Treuhandbetrug soll das Logistikunternehmen als Treuhänder für die Zahlung auftreten. In unserem Fallbeispiel schreibt der Verkäufer: Das Unternehmen bietet eine Bankbürgschaft über Ihr Geld! Das Auto kommt innerhalb von 3 Tagen, nachdem Sie den Transfer gemacht haben!“
  • Beim Treuhandbetrug wird vorgeschlagen, dass der Kauf über ein gefälschtes Logistikunternehmen abgewickelt werden soll. In unserem Fallbeispiel erklärt der Verkäufer, dass das Auto von dem Unternehmen „E.T.S.“ geliefert und das Geld treuhändisch verwahrt werden soll. Doch das Logistikunternehmen „E.T.S.“ gibt es nicht.

Aus den hier genannten Punkten ist klar, dass der Watchlist Internet-Leser gut daran getan hat, den Kontakt mit dem Betrüger abzubrechen. Andernfalls wäre er sein Geld losgeworden!

(Wir bedanken uns für die Einsendung dieses Fallbeispiels.)

Unterstützt von:

Ein Projekt der:

Internet Ombudsmann