Trends, Highlights und Skurrilitäten: Das Jahr 2025 aus Sicht der Watchlist Internet
Welche Entwicklungen brachte 2025 im Bereich des Online-Betrugs? Welche Artikel waren bei unseren Leser:innen besonders beliebt? Und mit welchen skurrilen Schmankerln hatte es die Redaktion in den vergangenen 12 Monaten zu tun? Ein Rückblick zum Jahreswechsel!
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Die letzten Tage und Wochen des alten Jahres sind traditionell ein gern genutzter Zeitraum für Resümees, Rückblicke und Rekapitulationen. Auch wir möchten uns mit einem entsprechenden Artikel von 2025 verabschieden und Ihnen gleichzeitig einen kleinen Einblick in die Redaktionsarbeit geben. Welche Entwicklungen haben wir in den letzten 12 Monaten beobachten können? Welche Meldungen wurden besonders häufig angeklickt? Und was hat uns zwischen all den Herausforderungen immer wieder auch schmunzeln lassen? Wir präsentieren: Watchlist Internet 2025 – Trends, Highlights und Skurrilitäten.
Watchlist Internet 2025: Die Betrugs-Trends
Online-Betrug ist ein ungemein dynamisches Feld. Eine Masche folgt der nächsten, die Kriminellen passen ihre Strategien laufend an. Folgende große Entwicklungen brachte das Jahr 2025:
Immer mehr Phishing-Attacken: Generell war ein gigantischer Anstieg an Phishing-Attacken zu beobachten. Paket-Benachrichtigungen, abgelaufene Finanz-Online-IDs, Rückerstattungen der ÖGK – die Liste ist schier endlos. Die Falle stellt dabei meist nur ein kleiner Teil eines umfangreicheren Betrugs dar.
Neben dem Geld haben es die Kriminellen auch auf persönliche Daten und Informationen abgesehen. Diese werden später für sogenanntes „Social Engineering“ genutzt. Ein Beispiel aus der Praxis: Die Betrüger:innen melden sich telefonisch bei ihren Opfern und geben sich als Bankmitarbeiter:innen aus, die wissen, bei welcher Bank sie ein Konto haben und wie viel Geld über die Phishing-Attacke verloren wurde. Sie bieten ihre Hilfe bei einer Rückholung an – und stellen damit eine neue Falle („Recovery Scam“).
Impressumsdiebstahl: Einer der wichtigsten Tipps im Umgang mit Fake-Shops war bisher: Achten Sie auf das Impressum! Ist keines vorhanden, kaufen Sie dort nicht ein! Das gilt zwar weiterhin, allerdings in abgeänderter Form. Zuletzt war nämlich verstärkt Impressumsdiebstahl zu beobachten.
Die Kriminellen nutzten reale Impressumsdaten von ebenso real existierenden Unternehmen für ihre Fake-Seiten. Dadurch wird die Fälschung deutlich gefährlicher.
Anwaltskanzleien: Ein ausgesprochen aufwendiger und schwierig zu durchschauender Betrugsversuch, der besonders in der zweiten Jahreshälfte gehäuft aufgetreten ist. Kriminelle melden sich via E-Mail und geben sich als Anwaltskanzlei aus, die einen Insolvenzfall betreut. Im virtuellen Gepäck haben sie einen umfangreichen Katalog mit „Insolvenzmasse“, die günstig zu haben ist – per Vorauskasse.
Das Perfide an der Masche: Es gibt den Insolvenzfall und es gibt die Anwaltskanzlei, die diesen Fall betreut. Allerdings verfügt diese Kanzlei über keine eigene Website. Genau in diese Lücke stoßen die Betrüger:innen hinein. Sie bauen eine Fake-Identität auf und nutzen diese als Legitimation. Der Webauftritt sieht überzeugend aus, die Angaben zum Insolvenzfall sind real. Auf Basis dieser ausgefeilten Fake-Existenz überreden sie ihre Opfer zum Kauf. Ist das Geld überwiesen, bricht der Kontakt ab.
Allgemein ließ sich eine deutliche Professionalisierung der Betrugsversuche beobachten. Die Fallen wurden ausgefeilter, die Kriminellen verfeinerten ihr Vorgehen konstant.
Watchlist Internet 2025: Die Top Drei unserer Meldungen
Deutlich über 200 Warnmeldungen hat die Watchlist-Redaktion im bald abgelaufenen Jahr veröffentlicht. Die folgenden drei Artikel wurden dabei am häufigsten angeklickt:
Platz 1: Eine Kühlbox voll Stiegl Bier? Vorsicht vor Fake-Gewinnspiel!
Der mit Abstand am öftesten aufgerufene Artikel des Jahres 2025. Kurze Inhaltsangabe: Angeblich gab es im Rahmen eines Gewinnspiels eine Kühlbox voll Stiegl-Bier zu gewinnen. Für die Zusendung der Box solle eine Gebühr von 2 Euro bezahlt werden, per Kreditkarte. Um den Vorgang abzuschließen, mussten Opfer die Falle zusätzlich über WhatsApp an mehrere Kontakte weiterleiten. Eine gefährliche Kombi aus Phishing- und Abo-Falle, aufgebaut als Kettenbrief.
Der Artikel hatte mehr als doppelt so viele Aufrufe wie andere Warnungsmeldungen im Durchschnitt und ist der am häufigsten geklickte Artikel in der bisherigen Geschichte der Watchlist Internet.
Link: https://www.watchlist-internet.at/news/stiegl-bier-fake-phishing/
Platz 2: Rechnungen und Mahnungen von cvneed.com – Was Sie wissen sollten
Auf Platz zwei findet sich eine Warnung zum Portal „cvneed.com" – eine Website, die Hilfe bei der Erstellung von Lebensläufen anbietet. Geworben wurde mit einer 14-tägigen kostenlose Testphase. Tatsächlich handelte es sich aber um eine Abo-Falle.
Das Unternehmen hat nach der Veröffentlichung unseres Artikels Anpassungen am Registrierungsablauf vorgenommen, erfüllte damit aber noch immer nicht alle rechtlichen Vorgaben. Einige Monate später verkündete „cvneed.com“ den Rückzug aus dem europäischen Markt.
Platz 3: lumelia-de.com – Vorsicht vor diesem problematischen Online-Shop!
Ein klassischer Fakeshop hat es ebenfalls auf unser Stockerl geschafft. Lumelia bietet eine „kabellose Lampe“ an, die laut Website ein „angenehmes Ambiente“ schafft. Der Fake-Shop befindet sich bereits seit dem 27. Oktober 2022 auf unserer Warnliste.
Link: https://www.watchlist-internet.at/liste-problematischer-shops/shops/lumelia-decom/
Watchlist Internet 2025: Skurrilitäten aus dem Redaktionsalltag
Im Laufe eines Jahres bearbeitet die Redaktion weit über 16.000 Meldungen. Diese sind der Grund, warum wir so rasch und so umfassend berichten können. Sie dienen sozusagen als Live-Seismograph und zeigen uns deutlich, welche Welle gerade aktuell und somit besonders gefährlich ist. An dieser Stelle wollen wir uns bei Ihnen, werte Leserinnen und Leser bedanken! Ohne Ihre Einsendungen würde es die Watchlist in dieser Form wohl nicht geben können! Vielen Dank dafür!
Aus der immensen Meldungs-Menge wählt die Redaktion jene aus, die sich am besten für eine Warnung eignen. Manchmal landen aber auch Infos in unserem Postfach, die zwar nicht das Zeug zum eigenständigen Artikel haben, uns aber zumindest zum Schmunzeln bringen. Ein Jahresrückblick ist die perfekte Gelegenheit, ein kleines „Best of“ dieser Skurrilitäten zu präsentieren. Wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre!
Teurer statt billiger: In diesem Shop hat die Sache mit dem „Rabatt“ nicht wirklich funktioniert. Statt günstiger zu werden, waren die Artikel nach der Neuberechnung plötzlich teurer. Ein gutes Kaufargument sieht anders aus.
„Kreative“ Impressumsangaben: Immer wieder stolperte die Redaktion über Shops, die angeblich in der Musterstraße in Musterhausen zu finden sein sollen. Die ebenfalls schöne internationale Variante: Dream Street, Imaginary City, Fictionland.
Der wievielte September? Kriminelle nutzen in Phishing-Nachrichten Fristen, um ihre Opfer unter Druck zu setzen. Sie wählen dafür meist ein Datum, das nicht allzu weit in der Zukunft liegt. Blöd nur, wenn es dieses Datum gar nicht gibt – wie etwa den 31. September.
Spezialitäten aus der Zukunft: Tradition zieht immer. Kriminelle erwecken in ihren Fake-Shops gerne den Eindruck eines alteingesessenen Unternehmens. Die Redaktion stieß in ihren Recherchen aber auch auf einen Shop aus der Zukunft! Ebenfalls schön: Der Platzhalter-Text im Impressum.
Recruiting für Geheimbünde: Selbst international agierende „Geheimbünde“ dürften den Fachkräftemangel spüren. Wie lässt es sich sonst erklären, dass sogar die „Illuminaten“ via E-Mail neue Mitglieder rekrutieren?
DDos-Attacke: Weniger zum Schmunzeln zumute war uns kurzfristig im Sommer. Die Watchlist Internet sah sich Ende August einer massiven DDos-Attacke ausgesetzt. Unser Server wurde innerhalb kürzester Zeit mit Anfragen bombardiert. Die Website war kurz nicht erreichbar, die Angriff konnten aber schnell abgewehrt werden. Genauer gesagt kam es zu zwei Attacken: Bei der ersten wurden 300 Millionen Anfragen in sechs Stunden gestellt, bei der zweiten waren es etwa 1 Milliarde in ebenso sechs Stunden.
Damit sind wir am Ende angekommen. Am Ende des Jahres und am Ende des Watchlist-Rückblicks! Wir wünschen Ihnen und Ihren Lieben einen entspannten Jahreswechsel – ohne Betrugsfallen! Auf ein gutes neues Jahr 2026!
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