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Internet Ombudsmann Jahresbericht 2013

Gepostet am 10.04.2014 von Internet Ombudsmann

Online-Fallen und Betrug sind immer häufiger für Konsumentenprobleme im Netz verantwortlich. 2013 bearbeitete der Internet Ombudsmann insgesamt 5.318 Beschwerdefälle. Bei bereits 41 Prozent der eingelangten Beschwerden handelte es sich um betrügerische Online-Fallen.

Standard-Warenkäufe im Internet gehen in der Regel ohne Probleme über die Bühne. Dennoch wurden 2013 5.318 Beschwerde-Fälle vom Internet Ombudsmann, Österreichs größter Streitschlichtungs- und Beratungsstelle im Internet, bearbeitet. Vertragsprobleme, vermeintliche „Gratis“-Angebote, Lieferprobleme und Datenschutz sind dabei die häufigsten Beschwerdekategorien. Bei bereits 41 Prozent der eingelangten Beschwerden handelte es sich um betrügerische Online-Fallen. Deshalb initiierte das Team des Internet Ombudsmann die Watchlist Internet, mit der Internetuser/innen seit Juli 2013 vor Online-Betrügern gewarnt werden.

Bilanz 2013: Streitfälle im Wert von 670.000 Euro zu Gunsten der Konsument/innen bearbeitet

Rund 84 Prozent der insgesamt 5.318 Beschwerdefälle, die 2013 beim Internet Ombudsmann mit der Bitte um außergerichtliche Streitschlichtung und Unterstützung gemeldet wurden, konnten erfolgreich bearbeitet werden. Insgesamt ersparten sich österreichische Konsument/innen dadurch im Jahr 2013 Kosten bzw. Schäden in der Höhe von rund 670.000 Euro. Die durchschnittliche Schadenshöhe pro Fall lag bei 184,90 Euro.

Top-Beschwerdegründe 2013: Vertragsprobleme, unseriöse Handelsplattformen und Lieferprobleme

Die meisten Probleme (31,9 %) betrafen Vertragsstreitigkeiten. Vor allem Fragen zu Rücktrittsrecht und Rückabwicklung sowie ungewollte automatische Vertragsverlängerungen wurden vom Team des Internet Ombudsmann bearbeitet. Betroffen waren immer mehr Dienstleistungen wie E-Mail-Services, Partnerbörsen, Erotik-Abos, Reisebuchungen etc.

Auf Platz zwei der Beschwerdestatistik des Internet Ombudsmann liegen die vermeintlichen „Gratis“-Angebote mit 22,6 Prozent. Hier ist die Anzahl der Beschwerden nach dem Rückgang 2012 wieder um rund 7 Prozentpunkte gestiegen. Fast ausschließlich handelte es sich im Vorjahr um Abzocke durch betrügerische Handelsplattformen.

Auf Rang 3 folgen klassische Lieferprobleme (verspätete Lieferungen oder Lieferverweigerungen), die insgesamt 10,2 Prozent aller Beschwerdefälle ausmachten.

Jährliche Zuwächse bei Datenschutz-Beschwerden

Eine kontinuierliche Steigerung ist bei Beanstandungen im Bereich Datenschutz zu verzeichnen, die damit nur noch knapp auf Platz vier liegen: Hier handelte es sich überwiegend um „Fake-Profile“ in sozialen Netzwerken, unerwünschte Veröffentlichungen von Fotos und sonstigen persönlichen Daten, Verletzungen von Persönlichkeitsrechten aber auch Beschwerden im Zusammenhang mit Phishing. Insgesamt machten Beschwerden zum Thema Datenschutz 10,1 Prozent der Gesamtbeschwerden aus.

8,5 Prozent der eingelangten Beschwerden betrafen das Thema „Garantie und Gewährleistung“ (Platz 5 der Beschwerdestatistik). Dazu zählen vor allem Garantie- oder Gewährleistungsverweigerungen bei der Lieferung mangelhafter Waren.

Das größte Ärgernis: Betrug im Netz – von gefälschten Rechnungen bis hin zu Heiratsschwindlern

Bereits 40,8 Prozent aller beim Internet Ombudsmann eingegangen Beschwerden fallen in die Kategorie „Betrug“ oder „betrugsähnliche Angebote“.

Vor allem die Verbreitung von Fake-Rechnungen ist  2013 explodiert: In E-Mails wird auf den vermeintlichen Abschluss eines kostenpflichtigen Vertrages hingewiesen und eine Zahlung unter Androhung rechtlicher Schritte gefordert. Details zu der Bestellung und die Zahlungsdaten finden sich angeblich in einer angehängten Datei. Häufig werden auch bekannte Unternehmen als Auftraggeber und erfundene Inkassobüros oder Anwaltskanzleien als Absender angeführt. In Wirklichkeit werden die Rechnungen von Betrügern verschickt und die angehängten Dateien enthalten meist gefährliche Schadsoftware.

Das zweite Hauptthema bei den Online-Fallen waren betrügerische Handelsplattformen, die von der Firma mit dem aktuellen Namen B2B Technologies Chemnitz GmbH (ehemals JW Handelssysteme GmbH bzw. Melango.de GmbH) betrieben werden. Durch ihre Gestaltung erwecken die Websites den Eindruck, man könne dort Waren zu sehr günstigen Preisen erwerben. Um die Angebote einsehen zu können, ist allerdings zuerst eine Anmeldung erforderlich. Sichtbare Hinweise auf eine etwaige Kostenpflicht fehlen. Lediglich in den AGB sowie im Kleingedruckten wird auf die Anmeldegebühren, die in den meisten Fällen 480 Euro für 24 Monate betragen, hingewiesen. Die Betreiber der Websites geben vor, sich ausschließlich an Unternehmer zu wenden. Deshalb wird diese Falle auch als „B2B-Abzocke“ bezeichnet. Viele Konsumenten berichten hingegen, sie wären über Werbung auf Facebook gezielt auf die Websites weitergeleitet und nach erfolgter Anmeldung mit  Zahlungsaufforderungen und Mahnungen konfrontiert worden. Auch in diesen Fällen ist davon auszugehen, dass kein gültiger Vertrag zustande gekommen ist.

Weiterhin hoch aktuell sind Betrugsfälle, die sich gezielt der „emotionalen Ebene“ der Internet-Nutzer bedienen. Die „klassischen“ Heiratsschwindler (Love Scams), Sex-Betrug via Skype bzw. Tierkauf über Kleinanzeigen-Plattform sind nur einige Beispiele dafür. Auch Fake-Shops, Immobilien-Betrug über Kleinanzeigen-Plattformen, Phishing-Mails und Markenfälscher waren 2013 ein Thema.

Watchlist Internet warnt erfolgreich vor Online-Betrug

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Betrugsfallen startete im Juli 2013 die Watchlist Internet des Internet Ombudsmann neu. Dank der Unterstützung der Internet Foundation Austria (netidee-Förderung), des Konsumentenschutzministeriums und der Bundesarbeitskammer informiert der Internet Ombudsmann auf www.watchlist-internet.at zu aktuellen Betrugsfällen, Fälschungen und Online-Fallen. Mittlerweile wurden über 200 Warnungen veröffentlicht.

Alleine im ersten Quartal 2014 verzeichnete die Watchlist Internet bereits über 94.000 Besucher/innen. Zahlreiche Rückmeldungen zeigen, dass ein Besuch der Seite die Watchlist-User/innen vor finanziellem Schaden bewahrt hat. Über ein Meldeformular können User/innen Betrugsfälle oder Online-Fallen selbst melden und so die Aufklärungsarbeit aktiv unterstützen. Insgesamt sind bisher 1.930 Meldungen von Internet-User/innen eingegangen, die eine wichtige Grundlage für die täglich aktualisierten Warnungen auf der Watchlist Internet sind. 75 Prozent der eingegangenen Meldungen betreffen gefälschte Rechnungen.

Die Watchlist Internet ist auch Österreichs Beitrag zum jährlich im Frühjahr stattfindenden internationalen „Fraud Prevention Month“. Bei der von der internationalen Verbraucherschutzorganisation ICPEN initiierten Kampagne werden jährlich Konsumenten über unlautere Geschäftspraktiken informiert.

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