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online seit 16.07.2025

„Ich bin Sofia Klestil von Indeed Österreich.“ Vorsicht vor gefährlichem Job-Betrug!

Bequem und ohne viel Aufwand von zu Hause aus Geld verdienen! Viel Geld! Klingt zu gut, um wahr zu sein? Ist es auch! Eine altbekannte Betrugsmasche macht aktuell wieder die Runde. Es geht um falsche Job-Versprechungen, die mit einem riesigen Minus auf dem Konto enden können. Als Tarnung kommt die erfolgreiche Jobbörse „Indeed“ zum Einsatz.

Der „Indeed“-Jobbetrug: Die Anbahnung

Die aktuelle Masche unterscheidet sich nicht von den altbekannten Variationen. Zumindest nicht, was den Ablauf angeht. Am Anfang steht immer eine Nachricht, welche die potenziellen Opfer völlig aus dem Nichts erreicht. Sehen wir uns die einzelnen Abschnitte etwas näher an:

Hallo! Entschuldigen Sie die Störung.

Ich bin Sofia Klestil von Indeed Österreich. Wir suchen aktuell Remote-Produkttester mit Wohnsitz in Österreich.

Eine freundliche Ansprache – inklusive einer Entschuldigung, falls sich auf Empfänger:innenseite jemand überrumpelt fühlt.

Diese Stelle wird mit 80 bis 350 € pro Tag vergütet und umfasst 60-90 Minuten Online-Testen und Bewerten neuer Produkte oder Dienstleistungen bequem von zu Hause aus. Die Auszahlung erfolgt am selben Tag nach Abschluss der Arbeit.

Im Idealfall also ein Stundenlohn von 350 Euro?! Da muss man doch eigentlich zuschlagen! Die Kriminellen setzen diese unrealistischen Zahlen gezielt ein, um bei Ihren Opfern einen Impuls auszulösen, der für ein Nachlassen der Skepsis und der Vorsicht sorgt.

Voraussetzungen:

- Mindestalter: 20 Jahre

- Grundkenntnisse in Deutsch oder Englisch

- Keine einschlägige Erfahrung erforderlich

- Österreichischer Wohnsitz oder gültiges Visum

Die Anforderungen an die Bewerber:innen sind bewusst niedrig angesetzt. So fischen die Kriminellen in einem möglichst großen Teich. Dazu kommt, dass für viele Arbeitssuchende zahlreiche offene Stellen nicht infrage kommen, weil sie die entsprechenden Qualifikationen nicht mitbringen. Hier sind vermeintlich alle willkommen. Das stärkt das Selbstwertgefühl und bietet einen Ausweg aus der mitunter jahrelangen Arbeitslosigkeit. Leider ist davon aber nichts wahr.

Wenn Sie interessiert sind und die Voraussetzungen erfüllen, antworten Sie bitte mit „Ja“ um weitere Informationen zu erhalten, oder mit „Nein“, wenn Sie derzeit nicht interessiert sind.

Den Empfänger:innen wird der Eindruck vermittelt, sie hätten selbst in der Hand, wie es weitergeht. Sofia Klestil wird als wenig aufdringlich und aggressiv wahrgenommen. Die Opfer sind viel eher bereit, sich mit dem Angebot auseinanderzusetzen.

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme!

Sofia Klestil
Indeed Österreich – Produkttester-Team

Eine durchaus übliche Abschiedsformel, garniert mit einer Wiederholung des (etablierten) Unternehmens. Alles, um den Anschein von Seriosität zu vermitteln.

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Betrugsversuch auch per Anruf! Sehr vereinzelt versuchen die Kriminellen auch, ihre Opfer nicht via SMS zu kontaktieren, sondern tatsächlich per Anruf. Dahinter steckt aber die gleiche Masche.

Der „Indeed“-Jobbetrug: Was wirklich passiert

Bei diesem Betrug handelt es sich um eine altbekannte Masche. Nichts daran ist neu. Gefährlich ist sie dennoch. Der exemplarische Ablauf:

Die Opfer werden gebeten, sich auf einer Arbeitsplattform zu registrieren. Dafür müssen sie sensible Adress- und Bankdaten übermitteln, in manchen Fällen verlangen die Betrüger:innen sogar ein Foto des Reisepasses. Zunächst kümmern sich „persönliche“ Betreuer:innen um die Einarbeitung der neuen „Kolleg:innen“. Alles läuft nach Plan, die Arbeit ist – wie versprochen – einfach und lukrativ. Und tatsächlich funktionieren in den ersten Tagen auch die versprochenen Auszahlungen. Das Opfer baut Vertrauen zur Plattform auf. Jetzt schnappt die Falle zu:

  • Nach und nach vergeben die Kriminellen immer mehr „Spezialaufträge“. Die bestehen aus mehreren kleineren Tasks, die gegen Ende hin immer lukrativer werden. Aber: Die Bearbeitung dieser Aufgaben zieht dem Arbeitskonto tatsächlich Guthaben ab. Nach Abschluss der letzten Aufgabe weist das Konto ein Minus auf.

  • Die Bearbeitung weiterer Aufträge ist aber nur möglich, wenn das Konto im Plus ist. Dafür müssen die Opfer etwas von ihrem eigenen Geld überweisen. Ziel ist, die Bilanz wieder ins Positive zu bringen, um weiterarbeiten zu können.

  • Dabei stellen die Betrüger:innen einen besonders lukrativen Auftrag in Aussicht. Dieser bringt angeblich einen derart hohen Betrag, dass die persönliche Einzahlung mehr als nur kompensiert wird. Das Versprechen: Am Ende des Tages hat man mehr Geld als am Anfang.

  • Die Überweisung geschieht in der Regel über komplizierte und verwinkelte Krypto-Konstruktionen. Eine Rückverfolgbarkeit bzw. eine Rückbuchung ist deshalb nicht möglich.

  • Die Kriminellen wiederholen diesen Vorgang so oft, bis das Opfer den Betrug bemerkt und von sich aus die Stopp-Taste drückt.

Schafft man den Absprung nicht, wird der finanzielle Schaden immer größer und größer. Uns liegen Fälle mit einer Schadenssumme im hohen fünfstelligen Bereich vor. Teilweise leihen sich Opfer Geld von Familienmitgliedern, Freunden oder Verwandten, manche nehmen einen Kredit auf.

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Auch „Indeed“ ist ein Opfer. Das Unternehmen „Indeed“ hat mit dieser Betrugsmasche selbstverständlich nichts zu tun. Vielmehr leidet dessen Reputation durch die kriminelle Verwendung seines Namens.

Daran lässt sich der „Indeed“-Betrug sofort erkennen

Wie bereits erwähnt, ist die Betrugsmasche weder neu noch sonderlich ausgeklügelt. Es gibt zahlreiche Anhaltspunkte, an denen potenziellen Opfer die Gefahr erkennen können.

  • Telefonnummer: Die angebliche Mitarbeiterin von „Indeed Österreich“ meldet sich über eine Nummer mit ausländischer Vorwahl. In den uns gemeldeten Fällen war das häufig die +63 – also jener der Philippinen.

  • Anbahnung: Ein international erfolgreiches Unternehmen wie „Indeed“ hat es nicht nötig, über SMS-Nachrichten auf Mitarbeiter:innensuche zu gehen.

  • Bezahlung: Der angegebene Stundenlohn liegt weit über jenem Durchschnitt, der für tatsächliche Onlinejobs gezahlt wird.

  • Krypto: Ein international erfolgreiches Unternehmen wie „Indeed“ bezahlt seine Mitarbeiter:innen nicht über Kryptoplattformen.

  • Fehlende Angaben: Zu keinem Zeitpunkt der Interaktion sind gesetzlich vorgeschriebene Angaben wie z. B. das Impressum ersichtlich.

Auf den „Indeed“-Betrug reingefallen: Das können Sie jetzt tun

Durch die Annahme der angebotenen Stelle und die Registrierung auf der Arbeitsplattform wurden sensible Daten an die Kriminellen übermittelt. Finanzieller Schaden ist aber noch nicht entstanden. Deshalb:

  • Brechen Sie den Kontakt sofort ab und blockieren Sie die Nummer, über die Sie mit den Kriminellen kommuniziert haben!

  • Bleiben Sie wachsam! Die Betrüger:innen werden sehr wahrscheinlich versuchen, Sie mit einer anderen Masche zu ködern!

  • Kontaktieren Sie sofort Ihre Bank und schildern Sie die Situation! Die Expert:innen dort wissen, welche Schritte gesetzt werden müssen und ob eine Kontosperrung nötig ist.

  • Beobachten Sie in den kommenden Tagen und Wochen Ihr Konto genau! Entdecken Sie ungewöhnliche Bewegungen, melden Sie das sofort Ihrer Bank!

  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei!

  • Haben Sie Geld eingezahlt, ist dieses mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit weg. Kontaktieren Sie dennoch Ihre Bank und besprechen Sie die Situation.

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