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Immer aktuell: Gefälschte Rechnungen

Gepostet am 17.12.2014 von Watchlist Internet

In zahlreichen E-Mails wird von Kriminellen behauptet, dass eine offene Forderung bei der Amazon AG, EBay GmbH, Giro Pay GmbH, GiroPay AG, Mail & Media AG, Sofort GmbH oder Sofortüberweisung AG besteht, die nicht beglichen wurde. Um darüber weitere Details zu erhalten, soll eine ZIP-Datei geöffnet werden, in der sich Schadsoftware befindet.


Gefälschte Rechnungen werden von nicht existierenden RechtsanwältInnen versendet. (cc) geralt - pixabay.com

Die betrügerischen Schreiben existieren in zahlreichen Varianten. Exemplarisch werden einige davon angeführt:

Beispiel 1:

Sehr geehrter Kunde,

das von Ihnen angegebene Girokonto wurde im Moment der Abbuchung nicht ausreichend gedeckt um die Lastschrift durchzuführen. Sie haben eine ungedeckte Forderung bei GiroPay AG. Namens unseren Mandanten fordern wir Sie auf, die offene Gesamtforderung schnellstens zu bezahlen.

Aufgrund des andauernden Zahlungsverzug sind Sie verpflichtet zusätzlich, die durch unsere Inanspruchnahme entstandenen Kosten von 25,13 Euro zu bezahlen. Wir erwarten die Zahlung bis zum 24.12.2014 auf unser Konto.

Es erfolgt keine weitere Erinnerung oder Mahnung. Nach Ablauf der Frist wird die Angelegenheit dem Staatsanwalt und der Schufa übergeben. Die vollständige Forderungsausstellung, der Sie alle Buchungen entnehmen können, fügen wir bei. Für Fragen oder Unklarheiten erwarten wir eine Kontaktaufnahme innerhalb des selben Zeitraums.

Mit freundlichen Grüßen
Rechtsanwalt Pirkheimer Mohammed

Beispiel 2:

Sehr geehrter Kunde,

Ihre Bank hat die Kontoabbuchung zurück buchen lassen. Sie haben eine offene Forderung bei GiroPay GmbH. Namens unseren Mandanten fordern wir Sie auf, die noch offene Gesamtforderung sofort zu bezahlen.

Aufgrund des andauernden Zahlungsrückstands sind Sie verpflichtet dabei, die durch unsere Beauftragung entstandenen Gebühren von 35,83 Euro zu tragen. Die Überweisung erwarten wir bis zum 23.12.2014.

Bitte beachten Sie, dass keine weitere Mahnung erfolgt. Nach Ablauf der festgelegten Frist wird die Akte dem Staatsanwalt und der Schufa übergeben. Eine vollständige Kostenaufstellung, der Sie alle Einzelpositionen entnehmen können, fügen wir bei. Für Rückfragen oder Unklarheiten erwarten wir eine Kontaktaufnahme innerhalb des selben Zeitraums.

Mit freundlichen Grüßen
Rechnungsstelle Breytenbach Henry

Beispiel 3:

Guten Tag XY,

das von Ihnen angegebene Konto ist nicht genügend gedeckt um die Kontoabbuchung durchzuführen. Sie haben eine offene Forderung bei der Firma Amazon AG. Namens unseren Mandanten ordnen wir Ihnen an, die noch offene Gesamtforderung unverzüglich zu begleichen.

Aufgrund des bestehenden Zahlungsrückstands sind Sie gezwungen dabei, die durch unsere Tätigkeit entstandenen Gebühren von 34,34 Euro zu bezahlen. Die vollständige Zahlung erwarten wir bis zum 23.12.2014.

Es erfolgt keine weitere Mahnung. Nach Ablauf der Frist wird die Angelegenheit dem Staatsanwalt und der Schufa übergeben. Die vollständige Forderungsausstellung, der Sie alle Buchungen entnehmen können, ist beigefügt. Für Rückfragen oder Reklamationen erwarten wir eine Kontaktaufnahme innerhalb des selben Zeitraums.

Mit freundlichen Grüßen
Inkasso Reisch Bastian

Frei erfundener Inhalt

Die in den E-Mails angesprochene offene oder ungedeckte Forderung gibt es nicht. Ebenso wenig wurde jemals versucht, die genannten Geldbeträge von irgendeinem Bankkonto abzubuchen.

Gekaperte E-Mail-Adressen

Allen Varianten der gefälschten Rechnungen ist gleich, dass sie in Wahrheit von privaten E-Mail-Adressen versendet werden, die offensichtlich nicht von den vermeintlichen GeldeintreiberInnen stammen.
 

  • Beispiel: Als Absender scheint ein „Rechtsanwalt“ auf, die tatsächliche E-Mail-Adresse desselben ist jedoch diejenige einer privaten Person: „xy@web.de“.
  • Beispiel: Die E-Mail soll von einem „stellvertretenden Sachbearbeiter“ stammen, dessen Absender-Adresse in Wahrheit diejenige einer Privatperson, „ab@gmx.at“, ist.

Dieser Umstand zeugt davon, dass Kriminelle fremde und gekaperte E-Mail-Konten nutzen, um ihre verbrecherischen Nachrichten zu versenden.

Falsche und erfundene Unternehmensnamen

Den Benachrichtigungen ist gleich, dass darin die beispielhaft angeführten Unternehmen

Amazon AG, Amazon GmbH, EBay AG, EBay GmbH, Giro Pay AG, Giro Pay GmbH, GiroPay AG, GiroPay GmbH, Mail & Media AG, Mail & Media GmbH, Sofort AG, Sofort GmbH, Sofortüberweisung AG, Sofortüberweisung GmBH.

genannt werden. In einigen der Fällen wird auf die Namensähnlichkeit zu tatsächlich existierenden Unternehmen gesetzt. Dabei zeigen sich jedoch Fehler, die für die fehlende Glaubwürdigkeit und Seriösität der angeblich offenen Rechnungen sprechen.

  • Beispiel:„Amazon AG oder GmbH“ anstatt der tatsächlich richtigen Bezeichnung „Amazon Europe Core S.à.r.l.“
  • Beispiel:„EBAy AG oder GmbH“ anstatt der tatsächlich richtigen Bezeichnung „eBay Europe S.à.r.l.“
  • Beispiel:„Mail  & Media AG oder GmbH“ anstatt anstatt der tatsächlich richtigen Bezeichnung „1&1 Mail & Media GmbH“

Daraus folgt, dass die in den gefälschten Rechnungen genannten Unternehmen entweder falsche Bezeichnungen haben - eine Tatsache, die den Verbrechensversuch als solchen demaskiert - oder die darin genannten Firmen in Wahrheit nicht existieren. Beide Ümstände können sehr einfach dadurch in Erfahrung gebracht werden, indem über die angeblichen Unternehmen eine Internet-Recherche durchgeführt wird.

Eine Liste bekannter Unternehmen, die es nicht gibt und in deren Namen gefälschte Rechnungen versendet werden, finden Sie hier.

Nicht existierende RechtanwältInnen, Inkassobüros …

Genauso wenig, wie es die genannten Unternehmen gibt, verhält es sich mit den angeblichen Rechtsanwältinnen, Inkassobüros, Rechnungsstellen und so weiter. Das lässt sich ebenfalls am besten durch eine Internet-Recherche in Erfahrung bringen.

Die Watchlist Internet hat eine Liste bekannter Absender/innen von gefälschten Rechnungen veröffentlicht. Sie findet sich hier.

Schadsoftware im Anhang

Den gefälschten Rechnungen ist eine ZIP-Datei angehängt. Sie trägt beispielsweise die Bezeichnung

  • „Rechnung 17.12.2014 - Inkasso Abteilung GiroPay AG.zip“ oder
  • „Forderung nicht gedeckten Zahlung Ihrer Bestellung GiroPay AG vom 17.12.2014.zip“.

Entgegen der Behauptung finden sich darin keine Rechnungsdetails, sondern bösartige Schadsoftware, die den eigenen Computer befällt. Aus diesem Grund darf die ZIP-Datei nicht geöffnet werden!

Die Watchlist Internet empfiehlt

Nachdem offensichtlich ist, dass es sich bei den dargestellten Schreiben um einen Versuch handelt, Schadsoftware auf fremden Computern zu installieren, wird dringend davon abgeraten, die angehängten ZIP-Dateien zu öffnen und/oder auf die Benachrichtigung zu reagieren.

Um in Zukunft zu verhindern, gefälschte Rechnungen zu erhalten, wird empfohlen, diese in den SPAM-Ordner zu verschieben. Das hat den Vorteil, dass der E-Mail-Provider dadurch lernt, dass es sich um eine SPAM-Mail handelt. In Zukunft kann er dadurch vergleichbare E-Mails herausfiltern, sodass diese nicht mehr im regulären Posteingang zugestellt werden.

Ist Ihnen dieses Vorgehen zu kompliziert, können Sie die Nachricht auch einfach löschen.

(Die Watchlist Internet bedankt sich bei zahlreichen Leser/innen für die Meldung dieser gefälschten Rechnungen.)

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