Direkt zum Inhalt
online seit 05.02.2026

Unseriöse Handy-Entsperrdienste: Geld weg, Gerät gesperrt

Wer privat ein gebrauchtes Smartphone kauft, kann eine böse Überraschung erleben: Das Gerät lässt sich nicht nutzen, weil die IMEI gesperrt ist. Im Internet werben zahlreiche Websites damit, solche Sperren aufheben zu können. Doch Vorsicht: Viele Anbieter kassieren Geld, ohne die versprochene Leistung zu erbringen.

Unseriöser Entsperr-Anbieter

Was ist eine IMEI und warum wird sie gesperrt?

Die IMEI (International Mobile Equipment Identity) ist eine weltweit eindeutige, 15-stellige Seriennummer, mit der jedes Mobilfunkgerät identifiziert werden kann. Sie wird im Falle eines Diebstahls für die Anzeige bei der Polizei, für die Ortung des Geräts oder Reklamationen benötigt. 

Darüber hinaus sperren Mobilfunkanbieter Geräte, wenn:

  • das Gerät zusammen mit einem Vertrag verkauft wurde (Teilsperre),

  • Rechnungen nicht bezahlt wurden oder

  • Vertragsbedingungen verletzt wurden.

Solche Sperren bleiben häufig auch nach einem Weiterverkauf bestehen. Neue Besitzer:innen können das Gerät dann nicht mehr im Mobilfunknetz nutzen.

Info Icon

Wählen Sie *#06# auf dem Tastenfeld oder gehen Sie zu Einstellungen, um Ihre IMEI-Nummer zu sehen.

Verlockende Versprechen im Netz

Websites wie directunlocks.com erwecken den Eindruck, IMEI-Sperren ließen sich rasch aufheben. Laut dem Anbieter müssen lediglich der Hersteller des Geräts, der Netzbetreiber und die IMEI-Nummer angegeben werden.

Doch selbst mit frei erfundenen Angaben meldet die Website, dass das Gerät gefunden wurde. Die Kosten für die Entsperrung belaufen sich auf 26,99 Euro. Als Zahlungsmethoden werden Kreditkarte, Google Pay und Bitcoin angeboten.

Auffällig sind die zahlreichen positiven Kundenbewertungen. Darin wird häufig erwähnt, dass die Entsperrung einige Tage gedauert habe, am Ende aber erfolgreich gewesen sei.

info icon

Der Hinweis auf eine längere Wartezeit könnte dazu dienen, Kund:innen von einer schnellen Reklamation des nicht funktionierenden Service abzuhalten.

Entsperrung nicht möglich

Beim Aufruf externer Websites, von denen einige der positiven Bewertungen stammen sollen, zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Viele Kund:innen berichten, dass die Entsperrung nicht funktioniert habe. Andere schildern zusätzliche oder wiederholte Abbuchungen, obwohl keine Leistung erbracht wurde.

Die positiven Bewertungen auf der Website selbst wirken nicht authentisch und erwecken den Eindruck, manipuliert worden zu sein.

Fazit: Vorsicht vor IMEI-Entsperr-Diensten im Internet

IMEI-Sperren lassen sich nicht legal über externe Online-Anbieter aufheben. Wer solche Angebote nutzt, riskiert nicht nur den Verlust von Geld, sondern gibt auch sensible Gerätedaten preis. Entsperrungen sind ausschließlich dann zulässig, wenn sie vom ursprünglichen Mobilfunkanbieter und im Auftrag des rechtmäßigen Eigentümers vorgenommen werden. 

Woran kann man unseriöse Anbieter erkennen?
  • Legalität prüfen: Online-Dienste, die IMEI-Sperren über Drittanbieter aufheben sollen, sind in der Regel nicht legal.

  • Überschwängliche Kundenbewertungen: Unseriöse Anbieter manipulieren häufig die positiven Bewertungen auf ihrer eigenen Website. Eine Internetrecherche kann dabei helfen, echte Bewertungen zu finden.

  • Irreführende Versprechen: Aussagen wie „legal und garantiert“ sind ein Warnsignal, besonders wenn die Dienstleistung technisch oder rechtlich kaum möglich ist.

  • Verschleierung von Zahlungsmethoden: Wenn neben Kreditkarte und PayPal auch Bitcoin oder andere schwer rückverfolgbare Zahlungsmethoden angeboten werden, kann das ein Hinweis auf unseriöse Absichten sein.

Ich habe einen unseriösen Entsperr-Dienst genutzt – was tun?
  • Zahlung sofort reklamieren:
    Kontaktieren Sie umgehend Ihre Bank oder den Zahlungsdienst und beantragen Sie eine Rückbuchung. Je schneller Sie handeln, desto höher sind die Chancen, Ihr Geld zurückzubekommen.

  • Anbieter schriftlich zur Rückzahlung auffordern: Fordern Sie den Dienst per E-Mail nachweisbar zur Erstattung auf und setzen Sie eine Frist. Sichern Sie Belege: Rechnungen, Screenshots, E-Mails und Zahlungsnachweise.

  • Seriösen Entsperrdienst aufsuchen: Wenden Sie sich an den ursprünglichen Mobilfunkanbieter oder einen autorisierten Service.

Link kopiert