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online seit 18.02.2026

Geldwäschealarm! Wenn der schnelle Kredit in die Betrugsfalle führt

Auf der Suche nach einem Kredit versuchen viele ihr Glück abseits der traditionellen Pfade. Dort lauern allerdings oftmals Kriminelle, die ihre Opfer mithilfe von Fake-Vermittlern und Fake-Banken in die Falle locken. Ihr Ziel ist es, neue Konten anlegen zu lassen, die Kontrolle darüber zu erlangen und sie für Geldwäsche zu nutzen.

Auf der Suche nach einem Kredit: So funktioniert die Betrugsmasche

Die potenziellen Opfer suchen online nach günstigen, rasch verfügbaren Krediten. Möglichst wenige Voraussetzungen, möglichst wenig Papierkram, möglichst rasche Auszahlung. Besonders auf Social Media schalten Kriminelle entsprechende Inserate, mit denen sie diese Zielgruppe zu erreichen versuchen. Hat man das passende Angebot gefunden, erfolgt die erste Kontaktaufnahme. Der weitere Ablauf eines konkreten Falles, der die Redaktion vor einigen Tagen erreicht hat:

  • Der Kreditantrag über 50.000 Euro (120 Monatsraten) wird anstandslos genehmigt. Die Benachrichtigung dazu kommt per E-Mail, zusätzliche Dokumente gibt es nicht.

  • Es folgt die Aufforderung zur Übermittlung einer Ausweiskopie, der letzten Gehaltsabrechnung sowie der IBAN oder eines Kontoauszugs.

  • Nach Erledigung erhält das Opfer eine E-Mail, die angeblich von der Banconce AG stammt. Darin enthalten, die Aufforderung, möglichst „zeitnah“ ein Konto bei dieser Bank zu eröffnen.

  • Erst wenn das erledigt sei, könne der Kreditbetrag ausbezahlt werden.

Ein absolut typisches Vorgehen für diese Art des Onlinebetrugs. Die Kombination aus dem Abgreifen sensibelster persönlicher Daten und der Eröffnung eines neuen Kontos deutet klar auf eine einzige Sache hin: Geldwäsche.

Die Kriminellen erlangen im Laufe der Betrugsmasche volle Kontrolle über das neu eröffnete Konto. Dieses läuft auf den Namen des Opfers, Zugriff hat es allerdings nicht. Die Kontoerstellung wird von den Betrüger:innen begleitet, dadurch gelangen sie in den Besitz aller relevanten Kennwörter und Logins.

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Oftmals verlangen die Kriminellen zusätzliche Einzahlungen ihrer Opfer, bevor die Kreditsumme transferiert werden kann. Sie erfinden dafür immer neue Steuern oder Abgaben. Zum Identitätsmissbrauch kommt somit noch ein finanzieller Schaden hinzu.

Dominik Neuhengen: Echter Kreditvermittler oder Fake-Identität?

Die Vermittlung des vermeintlichen Kredits läuft im vorliegenden Fall über einen Mann namens Dominik Neuhengen. Der betreibt zwar vermeintlich eine eigene Website, weitere Daten findet man zu ihm allerdings nicht. Eine Analyse der Onlinepräsenz lässt alle Alarmglocken schrillen. Die Hinweise:

  • Die Domain wurde erst am 5. Mai 2025 registriert. Ein eindeutiger Widerspruch zu der Behauptung, das Unternehmen würde „seit über 10 Jahren […] Tausende von Kunden mit einfachen und transparenten Lösungen“ begleiten.

  • An der im Impressum angegebenen Adresse findet sich keine Kreditvermittlungsagentur.

  • Der Kreditvermittler Dominik Neuhengen scheint in keinem deutschen Unternehmens- oder sonstigem Register auf. Das legt die Vermutung nahe: Er existiert nicht

Banconce AG: Reales Geld-Institut oder Fake-Bank?

Neuhengen tritt lediglich als Vermittler auf. Das Geld selbst stammt nicht von ihm, sondern kommt angeblich von einer Schweizer Bank – der erwähnten „Banconce AG“. Auch hier gibt es eine Website, auch in diesem Fall offenbaren sich massive Ungereimtheiten.

  • Es gibt kein Impressum. Zwar existiert ein Link, der Klick darauf lädt allerdings nur die Startseite neu. Adresse, Telefonnummer und andere Infos sind im Kontaktbereich abrufbar, das ist allerdings zu wenig für ein gesetzeskonformes Impressum.

  • An der angegebenen Adresse findet sich alles, nur keine Bank. So sind dort etwa eine Tanzschule, ein Friseursalon, ein Gynäkologe, mehrere Zahnärzte oder eine Spielervermittlungsagentur für Fußballer zu finden. Die Bancoce AG? Fehlanzeige!

  • Die E-Mail zur Kreditbewilligung wurde von einem Protonmail-Account gesendet. Dabei handelt es sich um einen besonders sicheren Freemail-Anbieter, allerdings nutzen echte Banken ihre eigenen Mail-Server und keine Gratisangebote.

  • Die Links zu einer angeblichen Bank-App funktionieren ebenfalls nicht. Sie führen lediglich zur Startseite des App-Stores von Apple und des Play-Stores von Google. Eine eigene Bancoce-App gibt es nicht.

  • Die Website gibt ein Copyright aus dem Jahr 2023 an. Tatsächlich wurde die Domain erst am 7. April 2025 registriert. Eine Unstimmigkeit, die auf einen Betrugsversuch hindeutet.

  • Eine Google-Suche zur „Bancoce AG“ liefert außer der eigenen Website keinerlei weitere Treffer. Das Institut ist nirgends registriert und scheint in keiner Finanzdatenbank auf. Kurz gesagt: Die Bank existiert nicht!

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Da es die „Banconce AG“ wie erwähnt nicht gibt, ist es in diesem Fall unklar, bei welcher realen Bank das Konto eröffnet wurde. Da die Kriminellen mit ihrer Masche alle dafür notwendigen Informationen abgreifen, ist es für sie kein Problem, selbst eines anzulegen.

Was tun, wenn man in die Falle getappt ist?

Wie bei allen Online-Betrugsmaschen gilt auch hier: Je schneller die Reaktion erfolgt, desto besser.

  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei! Da das Geldwäsche-Konto auf Ihren Namen läuft, könnten Sie unverschuldet ins Visier der Behörden geraten.

  • Sichern Sie so viele Beweise wie möglich! Speichern Sie E-Mails, fertigen Sie Screenshots an.

  • Bleiben Sie wachsam! Die Kriminellen verfügen über Ihre Kontaktdaten und werden sehr wahrscheinlich versuchen, Sie mit einer anderen Masche zu kontaktieren.

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