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online seit 09.10.2025

Fake-Testseiten bewerben Billig-Medizinprodukte

Seit über 60 Jahren prüft die Verbraucherorganisation Stiftung Warentest Produkte auf ihre Qualität. Viele Menschen vertrauen daher auf ihre Testergebnisse, wenn sie etwas kaufen möchten. Dieses Vertrauen wird jedoch von unseriösen Anbietern von Medizinprodukten ausgenutzt. Sie benennen ihre Websites so, als würden sie zu Stiftung Warentest gehören, um darauf ihre Produkte zu bewerben. Ein Beispiel ist die Website stiftung-hoertest.de, die mit falschen Angaben für eine Hörhilfe wirbt.

Angebliche Testwebsite zu Hörhilfen.

Wer im Internet auf Testberichte stößt, sollte besonders vorsichtig sein. Immer wieder tauchen Websites auf, die den Eindruck erwecken, sie stünden in Verbindung mit der Stiftung Warentest oder einem anderen offiziellen Testinstitut. In Wahrheit verfolgen sie jedoch nur ein Ziel: Käufer:innen zu täuschen, um höhere Umsätze zu generieren. Ein Beispiel ist die Website stiftung-hoertest.de/claria-tsl-op, die angeblich revolutionäre Hörhilfen zu sehr günstigen Preisen anbietet.

Irreführende Werbung mit erfundenem Arzt

Besucher:innen der Website werden sofort mit einer vermeintlich zeitlich begrenzten Rabattaktion konfrontiert. Angeblich gibt es nur heute 50 Prozent Preisnachlass auf die angebotenen Hörgeräte. Diese werden auf der Seite als von Ärzt:innen empfohlen dargestellt und mit einem Preis von 119,90 Euro als besonders günstig beworben.

Mit professionell wirkenden Animationen und Videos versucht die Website, Seriosität zu vermitteln. Doch der Eindruck ist trügerisch: Die gezeigten Personen existieren nicht. Besonders auffällig ist ein angeblicher HNO-Arzt, der das Produkt entwickelt haben soll. Diesen gibt es nämlich gar nicht. Die Bilder von ihm wurden mit künstlicher Intelligenz erstellt. Auch die emotionale Geschichte, er habe günstige Hörhilfen entworfen, um verzweifelten Pensionist:innen zu helfen, ist frei erfunden.

Gerät günstiger bei Temu, eBay & Co.

Der endgültige Beweis für den Betrug zeigt sich bei einer einfachen Bildersuche: Auf Plattformen wie eBay oder Temu wird exakt dasselbe Produkt für weniger als 38 Euro angeboten. Dabei handelt es lediglich um einen einfachen Geräuschverstärker. Zum Vergleich: Auf stiftung-hoertest.de wird das identische Gerät mit Rabatt für 119,90 Euro verkauft.

Damit steht fest, dass es sich bei der Website um ein klassisches Dropshipping-Geschäft handelt. Dabei kaufen Händler Produkte günstig bei Drittanbietern ein, ohne sie selbst zu lagern oder zu versenden. Der Versand erfolgt direkt von einem Lager, das meist in Asien sitzt. 

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Dropshipping ist grundsätzlich legal, solange die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Im Fall von stiftung-hoertest.de ist das nicht der Fall: Die Website besitzt kein Impressum und vermittelt den Eindruck, ein offizielles Testinstitut wie die Stiftung Warentest zu sein. Hinzu kommen frei erfundene Geschichten und gefälschte Partner, die Verbraucher:innen gezielt in die Irre führen.

Wie erkennt man unseriöse Online-Shops für medizinische Produkte?
  • Künstlich generierte Bilder und Videos: Unnatürliche Gesichter, seltsame Proportionen oder auffällige Hände können auf KI-generierte Inhalte hinweisen.

  • Falsche oder missbrauchte Ärzt:innen: Manche Seiten erfinden Ärzt:innen vollständig, andere verwenden Bilder oder Namen realer Mediziner ohne deren Zustimmung. Eine kurze Online-Suche hilft: Tauchen Name oder Foto nur auf der fragwürdigen Website auf, ist Vorsicht geboten.

  • Unrealistische Rabatte: Aussagen wie „nur heute 50 % günstiger“ sollen künstlich Druck erzeugen.

  • Fehlendes Impressum: In Österreich und Deutschland gilt für Online-Shops Impressumspflicht. Anbieter müssen eine vollständige Anschrift, Kontaktmöglichkeiten und ggf. Firmen- oder Umsatzsteuerdaten angeben. Fehlen diese Angaben, ist das ein deutliches Warnsignal.

  • Gleiche Produkte bei günstigen Händlern: Wird dasselbe Gerät auf Temu, eBay & Co. zu deutlich niedrigeren Preisen angeboten, handelt es sich meist um Dropshipping-Ware.

  • Fehlende Zertifizierungen: Medizinische Produkte sollten eine CE-Kennzeichnung tragen und über nachvollziehbare Herstellerinformationen verfügen.

Ich bin unzufrieden mit meiner Bestellung! Was kann ich tun?
  • Retourenetikett anfordern: Teilen Sie dem Unternehmen mit, dass Sie vom Vertrag zurücktreten möchten, und fordern Sie ein Rücksendeetikett an. Wenn Ihnen das Unternehmen kein Retourenpaket-Label für die Rücksendung der Ware zukommen lässt, empfehlen wir Ihnen, die Ware nicht zurückzusenden. Es ist nämlich unklar, ob Ihnen das Unternehmen den Kaufpreis und die Portokosten ersetzen würde.

  • An Zahlungsdienstleister wenden: Kontaktieren Sie Kreditkartenunternehmen, PayPal oder Klarna, um eine Rückbuchung oder Käuferschutz zu beantragen. Hilfestellung dazu finden Sie in diesem Artikel.

  • Medizinprodukt nicht verwenden: Nutzen Sie das Produkt nicht, solange Qualität, Sicherheit und Zulassung unklar sind.

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