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Gefälschte Markenware bestellt, was nun?

Gepostet am 02.09.2013 von Watchlist Internet

Durch das Internet findet gefälschte Markenware ihren Weg um den ganzen Globus. Davon profitieren nur die Betrüger/innen, nicht jedoch die Opfer auf der anderen Seite der Welt. Sie haben sich mit zahlreichen Ärgernissen herumzuschlagen, wie der Bericht eines Watchlist Internet-Lesers zeigt.

"Ich habe vor einiger Zeit auf einer Website (www.sonnenbrillemunchen.com) eine (vermeintlich echte) Ray Ban Sonnenbrille bestellt. Nach circa vier Wochen kam mein Paket an, nur dass es leider nicht die von mir bestellte Sonnenbrille enthielt, sondern ein anderes Modell. Noch dazu hat sich herausgestellt, dass dieses Produkt eine Fälschung war.

Anmerkung der Watchlist Internet

Die Seite www.sonnenbrillemunchen.com suggeriert, aus Deutschland zu sein. Wie sich für den Leser später herausstelle, war das jedoch nicht der Fall.

Um sich davon zu überzeugen, dass eine Seite wirklich aus dem angegebenen/vorgekaugelten Land kommt, empfiehlt es sich, im Internet zu recherchieren, ob das wirklich stimmt. Im konkreten Fall kann festgestellt werden, dass die Domain in China registriert wurde:

address: sichuanshengxuanhanxiandongxiangzhenyanwanjie30hao
pcode: 545908
country: CN

Noch bevor ich mein Paket erhielt, befand sich auf meiner Visa-Rechnung eine Abbuchung aus Peking. Das Paket war dann auch eindeutig aus Peking, deklariert als „gift“ (deutsche Übersetzung: Geschenk). Ohne Absenderadresse, und auch im Paket selbst waren weder eine Rechnung, noch eine Rücksendeadresse zu finden. Leider habe ich mir erst zu diesem Zeitpunkt die Internetseite genauer angesehen. Impressum? Fehlanzeige! Kontaktdaten? Fehlanzeige!

Erfahrungsgemäß erreicht das aus dem Ausland kommende Paket den/die Empfänger/in nicht selten vorerst überhaupt nicht, da es aufgrund seiner außereuropäischen Herkunft beim Zollamt hängen bleibt. Um es nach Hause geliefert zu bekommen, müssen oft nicht unerhebliche Zusatzkosten bezahlt werden (Einfuhrumsatzsteuer, Zollgebühren, Serviceentgelte). Markenfälschungen, die vom Zoll entdeckt werden, werden beschlagnahmt und, falls die Käufer/innen nicht der Vernichtung widersprechen, vernichtet.

Woran Sie einen seriösen Online-Shop erkennen können, finden Sie hier. Bei dem hier genannten Beispiel finden sich gesetzlich vorgesehene Angaben, wie zum Beispiel ein Impressum oder AGB, nicht.

Ich nutze die einzige Möglichkeit, mit den Herrschaften in Kontakt zu treten, nämlich über ein Kontaktformular. Ich schilderte meinen Fall und bat um eine Adresse, an die ich das falsche Produkt zurücksenden könne. (...) Zu meinem Erstaunen bekam ich sogar ein Antwortmail. Ich solle Fotos von dem Produkt schicken, welches ich bekommen habe. Obwohl ich es absurd fand, tat ich dies. Dann kam die Nachricht, sie hätten mir das richtige Produkt geschickt, (nur) die Versandfirma hätte die Pakete vertauscht. Es folgte ein reger E-Mail-Verkehr, in welchem ich (...) immer wieder nach einer Adresse gefragt habe, an die ich die falsche Brille retournieren könne, vergebens!

Wenn es zu einer falschen Lieferung kommt, sind Produktfälscher/innen aus dem Ausland nicht daran interessiert, ein neues und originales Produkt an den/die Käuferin zu senden. Sobald sie das Geld erhalten haben, haben Sie ihr Ziel erreicht. Umso erstaunlicher ist, das auf die E-Mail des Watchlist Internet-Lesers geantwortet wurde.

Völlig absurde Vorschläge wurden mir unterbreitet, wie zum Beispiel die Aufforderung, weitere Käufe zu tätigen, um mein erwünschtes Produkt tatsächlich zu erhalten, die Retourportokosten selbst zu tragen und 20 Prozent des Kaufpreises rückerstattet zu bekommen oder ich solle doch Bargeld per Westernunion schicken, dann bekäme ich ein Geschenk ;)

Western Union ist ein Zahlungsdienstleistungsanbieter, der Geld sofort verfügbar macht, ohne dass es bei Transaktionen zu Wartezeiten kommt. Das macht diese Zahlungsmethode für Betrüger/innen sehr reizvoll.

Es wurde mir schließlich zu bunt und ich wandte mich direkt an mein Kreditkarteninstitut. Da das Geld bereits abgebucht war, konnte mir vorerst nicht geholfen werden. Jedoch wurde ich aufgefordert, den gesamten E-Mail-Verkehr inklusive Fotos zu übermitteln. Nach Überprüfung meines Falles durch Visa hat diese anscheinend auch festgestellt, dass es sich hierbei um einen Internetbetrug handelt und mir schließlich das Geld retourniert.

Als korrekter Mensch habe ich eine letzte E-Mail an die Betrüger verfasst und sie davon in Kenntnis gesetzt, dass ich mein Geld retourniert bekommen habe und sie ein letztes Mal aufgefordert, eine Adresse bekannt zu geben, an die ich die falsche Brille schicken könne. Ich habe ihnen auch mitgeteilt, sollte ich innerhalb der nächsten sieben Tage keine Adresse erhalten (inkl. Rücksendeschein, da ich sicherlich nicht die Portokosten übernehme), sehe ich das falsche Produkt als Geschenk für meine Unannehmlichkeiten an. Als Antwort bekam ich - oh Wunder - keine Adresse, sondern eine derbe Beschimpfung.

Nun möchte ich natürlich andere Menschen davor bewahren, dass Ihnen selbiges widerfährt! Die ganze Geschichte hat sich jetzt circa drei Monate gezogen und ich kann nur von Glück reden, dass ich mein Geld zurückbekommen habe."

Die Watchlist Internet bedankt sich bei dem Watchlist Internet-Leser für das Zurverfügungstellen seines Erfahrungsbericht mit dem Fake-Shop!

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