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online seit 25.07.2025

„Wir dürfen weitermachen!“ Unseriöse E-Mails von problematischen Onlineshops

Regionale Familienunternehmen, die für immer schließen müssen und deshalb riesige Rabatte auf ihren Lagerbestand bieten. Die Masche ist altbekannt. Nun schreiben die Betreiber:innen dieser unseriösen Shops das nächste Kapitel. Mit E-Mail-Nachrichten über das Fortbestehen des angeblichen Betriebs wollen Sie Ihren Opfern noch mehr Geld aus der Tasche ziehen.

Es hat sich also doch noch alles zum Guten gewendet. Die kleinen Familienunternehmen, die noch vor wenigen Wochen kurz vor der Schließung standen und deshalb ihre Restbestände zu Schleuderpreisen unter die Leute bringen wollten, können nun doch weitermachen! Ein Grund zur Freude!

Ehemalige Kund:innen im Visier

So lautet zumindest die Kernbotschaft einer neuen Serie von betrügerischen E-Mails. Tatsächlich haben wir es hier aber mit einem klassischen „Follow-up Scam“ zu tun. Die Betreiber:innen hinter den unseriösen Online-Stores nutzen dabei ihre Datenbank an Kontakten von früheren Maschen und erzählen die Geschichte der Einzelkämpferunternehmen weiter.

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Was ist ein Follow-up Scam? Bei der auch als „Folgebetrug“ bekannten Masche kontaktieren Betrüger:innen gezielt jene Menschen, die bereits in eine frühere Falle getappt sind. Dadurch erhoffen sie sich höhere Erfolgschancen, da die potenziellen Opfer als empfänglich für Scams gelten.

Konkreter Fall: Swivy.de wurde „gerettet“

Die Watchlist Internet führt swivy.de seit mehr als zwei Jahren als „problematischen Shop“. Unzählige Rezensionen auf Bewertungsportalen erzählen die immer gleiche Geschichte. Die Opfer haben entgegen der Werbeversprechungen keine Qualitätsprodukte heimischer Unternehmen, sondern minderwertige Ware aus China bekommen. Retouren gestalten sich mehr als schwierig, die Portokosten müssen selbst getragen werden. Der Support antwortet, wenn überhaupt, sehr spät und lediglich allgemein.

Und vor einigen Wochen spielte auch Swivy die “Wir müssen leider schließen”-Karte aus. “Einmal ausverkauft, für immer verschwunden - wir produzieren nicht mehr nach!” war in der Abschiedsgrafik zu lesen. Stichtag für die Schließung: 7. Juli. Bis dahin würden Kund:innen Rabatte von bis zu 75 % genießen können. Alles muss raus.

Nun erhalten ehemalige Kund:innen aber vermehrt E-Mails, in denen der Weiterbestand des einst kurz vor der Schließung stehenden Business gefeiert wird.

Hallo XXX,

ich möchte einfach Danke sagen. Wirklich, von ganzem Herzen.

Die Chance war winzig und lange sah es nicht gut aus.

Aber gemeinsam haben wir es geschafft.

Mit eurer Unterstützung und der Hilfe unserer Partner konnten wir Swivy retten.

Wir haben gerade die Bestätigung von unserer Buchhaltung bekommen. Es ist offiziell: Wir dürfen weitermachen!

Ihr habt auf so viele Arten geholfen. Mit euren Bestellungen, euren Nachrichten, eurer Ermutigung. Und allein durch eure Präsenz.

Auch unsere Partner haben uns in dieser Zeit unterstützt. Ohne sie – und ohne euch – hätten wir es nicht geschafft.

Das alles bedeutet uns mehr, als wir sagen können.

Danke, dass ihr an Swivy geglaubt habt. Wir halten euch auf dem Laufenden und geben weiter alles, um euren Kindern die nötige Beschäftigung und euch die nötige Ruhe zu geben.

 Mit herzlichen Grüßen,

Lisa von Swivy

In Wahrheit versuchen die Betreiber:innen damit nur, ihre Opfer so lange wie möglich zu melken und die Fassade eines kleinen Familienbetriebs aufrecht zu erhalten. Durch die persönliche Ansprache und die Danksagungen soll eine emotionale Bindung aufgebaut werden. Ziel ist es, die Empfänger:innen der Mails zu einer neuen Bestellung zu animieren.

Woran erkenne ich einen problematischen Online-Shop?

Wer sich nach Erhalt der „Es geht weiter“-Nachricht dazu entschließt, besagtem Unternehmen nochmals eine Chance zu geben – wovon dringend abzuraten ist – sollte vor der Bestellung unbedingt folgende Punkte abklären:

  • Impressums-Check: Überprüfen Sie das Impressum der Website. Gibt es überhaupt eines? Wenn ja: Wo hat das Unternehmen seinen Sitz? Befindet sich dieser außerhalb der EU, ist es meist sehr schwierig, Konsument:innenschutzregelungen wie den Widerruf oder die Gewährleistung durchzusetzen. Im Fall von Swivy wird im Impressum eine Firma namens “Swiss Ecommerce Limited” mit Sitz in Honk Kong angeführt.

  • Emotionale Ansprache: Sind E-Mails besonders emotional aufgeladen („Gemeinsam haben wir es geschaft!“ etc.), ist Vorsicht geboten. Die frei erfundenen Geschichten sollen die Opfer zum Kauf animieren.

  • KI-Bilder: Viele problematische Shops setzen auf KI-generierte Bilder oder Videos. So lassen sich bestehende Ladengeschäfte, zufrieden Kund:innen oer Promi-Testimonials deutlich einfacher vortäuschen als bisher.

  • Rücksendeadresse: Werfen Sie stets einen Blick auf die Rücksendeinformationen. Sind diese überhaupt vorhanden? Wer trägt im Fall einer Retoure die Kosten? Passt die Rücksendeadresse zu der im Impressum genannten Shop-Adresse? Sollten Sie widersprüchliche Angaben entdecken, ist es ratsam, nichts zu bestellen.

  • Reviews überprüfen: Haben Sie bisher noch nie in dem Shop bestellt? Dann suchen Sie im Netz nach Erfahrungsberichten anderer Kund:innen. Die enthalten oft Warnhinweise und zeichnen ein klareres Bild davon, mit wem Sie es hier zu tun haben.

  • Checken Sie unsere Liste: Wir führen nicht nur eine Liste betrügerischer Online-Shops, sondern auch eine Liste problematischer Online-Shops. Haben wir eine Website entsprechend eingestuft, scheint sie dort auf. Unser Fake-Shop Detector warnt Sie in Echtzeit vor betrügerischen und problematischen Angeboten.

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