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online seit 18.07.2025

Erbschaftsbetrug statt Geldregen! Der kanadische Anwalt und das Fax

Ein Evergreen des Onlinebetrugs erlebt aktuell ein kleines Revival. Nach dem Tod eines unbekannten, weitschichtigen Verwandten wartet dessen Lebensversicherung angeblich darauf, ausbezahlt zu werden. Die Betrüger:innen melden sich per Fax bei ihren Opfern und nutzen einen realen kanadischen Anwalt als Deckmantel.

Sie zählt zu den absoluten Klassikern des Internetbetrugs. Die Masche mit dem wohlhabenden, aber unbekannten Verwandten, der jetzt leider verstorben ist. Nach langer und intensiver Suche sei man von einer Anwaltskanzlei mit Sitz im Ausland als der letzte noch lebende Angehörige identifiziert worden. Ein Geldregen wartet!

Natürlich ist das alles kompletter Blödsinn! Wer auf das angebliche Angebot einsteigt, sieht vom angeblichen Reichtum keinen einzigen Cent, sondern hat sein Geld auf das Konto von Kriminellen transferiert. Rückbuchung? Ausgeschlossen.

Aktuell erreichen uns vermehrt Meldungen zu dieser speziellen Betrugsmasche. Anlass genug, um mal wieder etwas genauer draufzuschauen und uns mit dem System dahinter zu beschäftigen. Die Hauptzutaten diesmal: Ein Fax und ein kanadischer Anwalt ohne Website.

Erbschaftsbetrug: Das Anschreiben

Üblicherweise kontaktieren die Kriminellen ihre Opfer per E-Mail. Bei der aktuell mehrfach gemeldeten Vorgehensweise sieht das anders aus. Hier findet der Erstkontakt tatsächlich über ein Fax statt. Absender ist das „Ron Palleschi Law Office“ aus Etobicoke in Ontario (Kanada). Der Inhalt des Schreibens kurz zusammengefasst:

  • Ein Mandat des Anwaltsbüros sei „vor 4-5 Jahren hier in Toronto, Kanada, an Covid-19“ verstorben. Dieser Mandant verfügte über eine „Lebensversicherung auf Dauer“.

  • Leider waren „alle unsere Bemühungen, seine Angehörigen zu finden, erfolglos.“

  • Angeblich schreibe nun aber „das Versicherungsgesetz“ vor, dass nicht in Anspruch genommene „versicherte Dauerpolicen“ an die „staatliche Abteilung für herrenloses Eigentum“ übergeben werden muss.

  • Nach einer „gründlichen Hintergrundprüfung“ hat das Anwaltsbüro Kontakt zum Opfer aufgenommen, da dieses „denselben Nachnamen und dieselbe Staatsangehörigkeit“ wie der verstorbene Mandat trägt bzw. hat.

  • Nähere Informationen gibt es nicht, man würde sich aber über eine „baldige Antwort zu dieser Angelegenheit sehr freuen“. Der Köder ist ausgelegt. Nun warten die Kriminellen darauf, dass das Opfer anbeißt.

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Die im Artikel genannte Anwaltskanzlei ist natürlich nicht die einzige Tarnung, die die Kriminellen aufgebaut haben. Das Schreiben kann auch von einem anderen angeblichen “Law Office” stammen!

Erbschaftsbetrug: Die Antwort

Entscheidet sich das Opfer tatsächlich dazu nachzufragen, erhält es nur wenig später ein detailliertes Antwortschreiben. Diesmal allerdings per E-Mail, manchmal auf Deutsch, manchmal auf Englisch.

  • Konkret ging es um eine nicht beanspruchte Lebensversicherungspolice im Wert von 11.840.000 Millionen Dollar. Das Anwaltsbüro bietet seine Hilfe bei der Beanspruchung des Betrags an und schlägt folgende Aufteilung des Vermögens vor: 45 % gehen an den/die Erben/Erbin. 45 % bleiben beim Anwalt, 10 % werden an wohltätige Zwecke gespendet.

  • Es folgt ein Satz über fünfeinhalb Zeilen, der vor juristischen Fachausdrücken nur so strotzt. Die komplizierte Vorgehensweise und die Aufteilung seien außerdem deshalb nötig, weil der Verstorbene dies in seinem Testament so festgelegt hätte.

  • Um nun die Überweisungen in Gang zu bringen, benötigt der vermeintliche Anwalt detaillierte persönliche Angaben des Opfers. Abgefragt werden: Nationalität, Vorname, Nachname, Adresse, Telefonnummer, Beruf, Beziehungsstatus und Alter.

Weitere Informationen gibt es erst, wenn auf diese erste Antwort reagiert und alle relevanten Daten übermittelt wurden.

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Worauf die Masche hinausläuft, ist aber klar. Die Opfer sollen eine Bearbeitungsgebühr bezahlen, bevor Sie das Geld in Empfang nehmen können. Zu einer Auszahlung kommt es freilich nie. Funktioniert der Trick einmal, kann es sogar sein, dass die Kriminellen die Überweisung weiterer angeblich notwendiger Steuern, Tarife etc. verlangen.

Was den Erbschaftsbetrug so gefährlich macht

Wer sich auf die Suche nach dem angeblichen Anwalt Ron Palleschi begibt, erlebt eine Überraschung. Denn: Palleschi existiert! Und er arbeitet als Anwalt. In Kanada. An der angegebenen Adresse. Mit der Betrugsmasche hat der echte Ron Palleschi natürlich nichts zu tun!

Verschiedene kanadischen Anwaltsregister liefern einen Treffer zu diesem Namen und der dazugehörigen Adresse. Allerdings unterhält der reale Palleschi keine Internetpräsenz. Genau das machen sich die Kriminellen zunutze.

Sie haben eine eigene, durchaus umfangreiche Website gebaut, die als oberflächliche Legitimierung für ihre Betrugsmasche funktioniert. Unter der im Ursprungs-Fax und in der Antwort-Mail zu findenden Internetadresse wartet eine Webpräsenz, die auf den ersten Blick absolut legitim wirkt.

Meist enthält die Antwort-Mail zudem noch weitere Dokumente, die zur Bestätigung der Echtheit des Anliegens dienen sollen. Darunter ist findet sich zum Beispiel eine gefakte Anwalts-Lizenz.

Zudem macht es den Anschein, als wären die Kriminellen im Besitz eines Fotos von Ron Palesschis Reisepass. Dieses dürften sie im Zuge einer anderen Betrugsmasche erbeutet haben. Von diesem Pass haben sie auch die Unterschrift, mit denen Sie die Faxe und E-Mails signieren.

Erbschaftsbetrug: So reagieren Sie richtig

Ganz egal, auf welchem Wege die Nachricht vom „Ron Palleschi Law Office“ hereinflattert, die empfohlene Vorgehensweise ist immer gleich: Löschen und ignorieren! Antworten Sie nicht auf das Anschreiben, übermitteln Sie keinerlei persönliche Daten und überweisen Sie keinesfalls Geld! Wer dennoch übermittelt oder überwiesen hatte, sollte rasch handeln:

  • Kontaktieren Sie umgehend Ihre Bank! Eine Überweisung kann nicht wieder zurückgeholt werden. Die einzige Möglichkeit ist, sie zu stoppen, bevor sie überhaupt durchgeführt werden kann.

  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei! Die Kriminellen verfügen über Ihre persönlichen Daten und können Sie eventuell für andere Betrugsmaschen missbrauchen.

  • Bleiben Sie wachsam! Die Kriminellen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit versuchen, Sie auf einem anderen Weg und unter einem anderen Vorwand zu kontaktieren.

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