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Der „PayPal-Trick“: Wie Verkäufer/innen zu Betrugsopfern werden

Gepostet am 01.08.2014 von Watchlist Internet

Wer auf Kleinanzeigenplattformen Produkte anbietet, kann zum Ziel von Verbrecher/innen werden. Bei ihrem Betrugsversuch verwenden Kriminelle angeblich den Zahlungsdienst PayPal und versuchen, mit gefälschten Schreiben an fremdes Geld zu kommen. Vorsicht ist geboten!

Täglich werden zahlreiche Inserate auf Kleinanzeigenplattformen geschaltet, um Produkte an Privatpersonen zu verkaufen. Diesen Umstand nutzen Verbrecher/innen aus, um den Kauf eines teuren Produktes vorzutäuschen. Dabei verlassen sie die geschützte, von Kleinanzeigenplattformen bereitgestellte Infrastruktur, um mit ihren Opfern in Kontakt zu treten. Wird im Inserat beispielsweise eine Handynummer angeführt, erhalten Verkäufer/-innen auf diese eine SMS, in der mitgeteilt wird, dass ein Interesse an dem Produkt besteht und der/die Verkäufer/in sich unter einer privaten E-Mail-Adresse melden soll. Das liest sich dann beispielsweise so:

„Hallo, hast du immer noch diese laptop zum Verkauf. wenn ja, antworten Sie mir auf [E-Mail-Adresse]“

Meldet sich der/die Verkäufer/in tatsächlich, wird in einem (zumeist englischem) Antwortschreiben mitgeteilt, dass der/die potenzielle Käufer/in im Ausland sitzt und kein Deutsch kann. Um Interesse an dem Produkt vorzugaukeln, wird danach gefragt, wie alt es ist, wie oft es genutzt wurde und ob es aktuelle Bilder gibt. Im Original liest sich das so:

„I am interested in buying it and i would like to get it as soon as i can. I would appreciate if you can answer the few questions below:

Why are you selling it?
How much do you want for it?
How long have you owned it?

Sorry about the too much of question. I hope to hear from you soon, and i will make all transportation preparations for it to be transported to my home in UK. If possible can you send me some recent picture of the item?

my tell +447024067146
Best regards
John“

Deutsche Übersetzung:

„Ich bin daran interessiert, dass Produkt zu kaufen und will es am liebsten so schnell, wie möglich, haben. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir nachfolgende Fragen beantworten könnten:

Warum verkaufen Sie das Produkt?
Was soll es kosten?
Wie lange besitzen Sie es?

Entschuldigen Sie die zahlreichen Fragen. Ich hoffe, bald von Ihnen zu hören, damit ich den Transport nach Großbritannien arrangieren kann. Sofern es möglich ist, bitte ich Sie, mir aktuelle Bilder des Produktes zukommen zu lassen.

Meine Telefonnummer +447024067146
Mit freundlichen Grüßen,
John“

Antwortet der/die Verkäufer/in auf diese E-Mail, zeigt sich der/die vermeintliche Käufer/in zufrieden und schlägt vor, die Zahlung über PayPal abzuwickeln. Das liest sich im Original so:

„I'm satisfied with the price & condition. I am buying it internationally to UK and i would pay you through PayPal into your PayPal account directly as it is the fastest & easiest way for me to make payment at this moment, do not worry about paypal charges as i would be paying for it & about the transportation, i shall arrange for a transport agent to come to your home directly for the pickup.

So if you accept this transaction, you should send me your info requested below if you have an account already with paypal or you may send me a PayPal Money Request:-

Name :
PayPal Email :
Mobile Number:
Total Price :

But if you don't have an account with PayPal just longin to (www.paypal.com) and register with them. When you are done with the registration send me the email used for the registration with PayPal so i can pay into your paypal account immediately and then we can arrange for my transport agent to come for the pick up, after you would have received your money. I will need your home address & telephone number for the pick up to be arranged.

i expect your reply soon :) .
my tell +447024067146
Thanks“

Deutsche Übersetzung (gekürzt):

„Ich bin mit dem Preis und den Vertragsbedingungen einverstanden. Ich werde das Produkt für mich in Großbritannien kaufen und es über den Zahlungsdienst PayPal bezahlen, da es sich für mich hierbei um die unkomplizierteste und schnellste Zahlungsmöglichkeit handelt. Kümmern Sie sich nicht um allfällig anfallende Spesen, da ich diese übernehmen werde. Das Gleiche gilt für den Transport zu mir ins Ausland. Ich werde einen Spediteur beauftragen, der die Ware direkt von Ihnen abholt.

Wenn Sie das alles akzeptieren und bereits PayPal-Kunde sind, bitte ich Sie, mir nachfolgende Informationen zukommen zu lassen:

Name:
PayPal  E-Mail-Adresse:
Handynummer:
Gesamtpreis:

Sollten Sie kein PayPal-Kunde sein, registrieren Sie sich einfach auf paypal.com (…). Sobald Sie das getan haben, bitte ich Sie, mir Ihre E-Mailadresse, mit der Sie sich bei PayPal registriert haben, zukommen zu lassen, damit ich Ihnen das Geld überweisen kann. Danach können wir uns um den Transport der Ware kümmern. Sobald Sie das Geld haben, werde ich meinen Spediteur beauftragen, die Ware von Ihnen zu holen. Dafür brauche ich Ihre Anschrift und Telefonnummer.

Ich hoffe, bald von Ihnen zu hören ;)
Meine Telefonnummer +447024067146
Danke“

Wird eine Zahlung per PayPal verweigert, erklärt der/die Käufer/in, dass PayPal die einzige Möglichkeit für ihn/sie ist, um das Geld zu überweisen. Angeführt wird der Beruf oder ein Auslandsaufenthalt, der es unmöglich erscheinen lässt, zur Bank zu gehen. Das alles sind natürlich Lügen, denen kein Glaube geschenkt werden darf!

Wird die PayPal-Zahlung akzeptiert und werden die gewünschten Informationen übermittelt, erreicht den/die Verkäufer/in eine gefälschte PayPal-Nachricht, die den Geldtransfer angeblich bestätigt:


Eine gefälschte PayPal-Nachricht, die angeblich eine Geldüberweisung bestätigen soll.

Bereits an der Absender-Adresse der E-Mail ist zu erkennen, dass sie nicht von PayPal stammt:


Name und E-Mailadresse des Absenders stimmen nicht überein. Es handelt sich um Betrug!

Im oben angeführten Beispiel ist als Name des/der Absenders/in „Service@paypalintl.com“ angeführt. Die tatsächliche E-Mailadresse ist jedoch „support@intl-transferaltert.com“! Dadurch ist offensichtlich, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Darüber hinaus übersteigt der angeblich überwiesene Betrag den vereinbarten Kaufpreis deutlich. Dieser Umstand wird entweder direkt in der gefälschten E-Mail von PayPal oder in einer E-Mail von dem/der Käufer/in erklärt: Es handle sich dabei um die Kosten für den Transport. Diese sollen mittels Bargeldtransfer von dem/der Verkäufer/in an das Transportunternehmen gezahlt werden.

Folgt der/die Verkäufer/in den Anweisungen in der E-Mail, verliert er/sie sein/ihr Geld, denn das Transportunternehmen gibt es in Wahrheit nicht. Übrig bleibt nur eine Betrugsanzeige bei der Polizei (siehe auch: Wie mache ich eine Anzeige?).

Beispiel: Der/die vermeintliche Käufer/in versucht den/die Verkäufer/in dazu zu bewegen, 1550 Euro mittels Western Union an ein erfundenes Transportunternehmen zu zahlen.

Zahlungen direkt im PayPal-Konto überprüfen

Bei Zahlungen mittels PayPal sollten Sie nicht auf Zahlungsbestätigungen per E-Mail (diese können gefälscht sein) vertrauen, sondern direkt in Ihrem Konto überprüfen, ob die Zahlung erfolgreich eingegangen ist. Vor allem neuen Nutzer/innen von PayPal ist das jedoch oft nicht bewusst, was leider von Betrüger/innen ausgenutzt wird.

Weißt der/die Verkäufer/in darauf hin, dass das Geld nicht im PayPal-Konto aufscheint, versuchen die Betrüger/innen ihm/ihr weiß zu machen, dass es sich dabei um einen Standardfall handelt. Das liest sich dann so:

„no the payment has been done and according to the payment notification you received from paypal, you need to go and make the shipment of the item first trough Austrian express local post Office and send the tracking number to paypal for verification and once they have confirm that the shipment tracking number is valid, your money will be transfer into your account with out any delay, so go and make the shipment and send the shipment tracking number to paypal“

Deutsche Übersetzung:

„nein, die überweisung wurde getätigt und gemäß der paypal benachrichtigung, die sie erhalten haben, müssen sie jetzt nur noch die ware aufgeben und die referenznummer an paypal übermitteln. sobald paypal die referenznummer auf ihre echtheit überprüft hat, wird ihnen das geld auf ihr paypal-konto überwiesen. Also los, brechen sie auf und versenden sie das produkt, um paypal die referenznummer zukommen lassen zu können.“

Das in diesen Schreiben Behauptete ist natürlich falsch und soll den Betrugsversuch doch noch irgendwie zu einem erfolgreichen Ende führen. Dazu ein Watchlist Internet-Leser, der bei dieser Antwort zu Recht die Korrespondenz mit den Betrüger/innen abgebrochen hat:

„es war sehr verdächtig dass der Interessent 2 Minuten (!) nachdem ich ihm ein Mail geschrieben habe mir ein doch recht langes Mail sendet mit dem Insistieren auf Paypal.. da bin ich stutzig geworden. Nachdem ich dann den Text des nächsten Mails bei (einer Suchmaschine) eingegeben habe sind Treffer aufgetaucht für ähnliche Betrugsfälle/Versuche.“

Wer ist von diesem Betrug betroffen?

Die Art von Betrug kommt meist bei hochpreisigen Waren ab einem Einkaufswert von 700 Euro, insbesondere bei Möbel, Laptops oder Kraftfahrzeugen vor. Das aus zwei Gründen: Erstens ist der/die Verkäufer/in bei großen Geldbeträgen, sollte er/sie kein PayPal-Konto haben, eher bereit, ein solches extra einzurichten. Zweitens ist die „Gewinnspanne“ für die Betrüger/innen größer, da die vermeintlichen Transportkosten aus Gründen der Glaubwürdigkeit naturgemäß verhältnismäßig kleiner sein müssen als der Kaufpreis.

Wie kann ich mich schützen?

  • Generell ist bei Verkäufen ins Ausland besondere Vorsicht geboten.
  • Schöpfen Sie Verdacht, wenn Sie per SMS aufgefordert werden, eine E-Mail-Kommunikation mit dem/der Käufer/in zu starten. Genau dafür gibt es für den/die Käufer/in die Möglichkeit, IHNEN eine E-Mail zu schreiben.
  • Versenden Sie die Ware erst, wenn der vereinbarte Kaufpreis Ihrem Konto gutgeschrieben wurde. Warten Sie bei Schecks die Deckungsprüfung durch Ihre Bank ab bzw. akzeptieren Sie überhaupt keine Bezahlung mittels Scheck. Bei Zahlungen mittels PayPal vertrauen Sie nicht auf Zahlungsbestätigungen per E-Mail (diese können gefälscht sein), sondern überprüfen Sie direkt in Ihrem Konto, ob die Zahlung erfolgreich eingegangen ist.
  • Greifen Sie nicht über in E-Mails angeführten Links auf den Zahlungsdienst zu, sondern steuern Sie „paypal.com“ manuell an, um sich zu vergewissern, ob Sie die Geldzahlung erhalten haben.
  • Seien Sie vorsichtig, wenn Käufer/innen mehr zahlen wollen als ursprünglich vereinbart. Gleiches gilt, wenn Käufer/innen nicht von der von Ihnen konkret angebotenen Ware sprechen, sondern bloß Wörter wie „Sache“, „Ware“, „Produkt“ oder „item“ verwenden.
  • Dokumentieren Sie jeden Verkauf! Speichern Sie den Schriftverkehr und erstellen Sie Screenshots von Ihrem Angebot.

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