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online seit 14.08.2025

Für den Pensionist:innenausweis zahlen? Warum das keine gute Idee ist!

In Österreich wohnhafte Pensionist:innen erhalten den Pensionist:innenausweis kostenlos und ohne Antrag zugestellt. Dank ihm genießen sie zahlreiche finanzielle Vorteile in unterschiedlichsten Bereichen. Tatsächlich kann man im Internet auch einen Pensionist:innenausweis kaufen – einen, der frei erfunden ist und mit der offiziellen Variante nichts zu tun hat. Sein Mehrwert? Zumindest fraglich.

Was ist der österreichische Pensionist:innenausweis und wie bekommt man ihn?

Mit dem Pensionist:innenausweis können Senior:innen eine lange Liste an Ermäßigungen bei Eintritten, Fahrtkosten etc. in Anspruch nehmen. Alle in Österreich wohnhaften neuen Pensionsbezieher:innen bekommen den Ausweis unaufgefordert zugesendet – und zwar mit dem jährlichen Schreiben zur Pensionsanpassung im Jänner. Bei einem Pensionsantritt während des Jahres wird zunächst ein Ausweis in Papierform ausgestellt.

Besonders wichtig: Der Pensionist:innenausweis ist kostenlos! Im Zusammenhang mit seiner Zu- bzw. Ausstellung fallen keinerlei Kosten an.

(Weiterführende Informationen zum Pensionist:innenausweis gibt es hier.)

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Gültigkeit: Der Pensionist:innenausweis ist grundsätzlich unbefristet gültig. Eine Ausnahme stellen alle jene Menschen dar, die eine befristete Pension beziehen. Sie erhalten einen entsprechend befristeten Ausweis.

Pensionist:innenausweis gegen Bezahlung? Vorsicht vor dubiosen Angeboten!

Immer wieder erreichen die Redaktion Beschwerden rund um kostenpflichtige Pensionist:innenausweise. Konkret geht es dabei stets um die Webseiten „pensionistenausweis.at“ und „pensionistenausweis.com“. Hinter beiden steht laut Impressumsangaben ein Herr Peter Url. Zwar bewirbt dieser sein Angebot nicht aktiv, wer aber mithilfe einer Suchmaschine nach dem österreichischen Pensionist:innenausweis sucht, bekommt in den Ergebnissen noch auf den ersten beiden Seite die entsprechenden Webseiten als Treffer angezeigt.

Den vermeintlichen Pensionist:innenausweis ist selbst designt, mit der Verwendung einer Europaflagge und des europäischen Sternenkranzes soll ihm zumindest der Anschein von Legitimität verliehen werden. Unterm Strich bleibt dieser vermeintliche Pensionist:innenausweis eine private „Erfindung“, die nichts mit der von offiziellen Stellen ausgegebenen Version zu tun hat. Für die Fake-Variante sind im einen Shop 34 € zu bezahlen (.at), im anderen kostet sie „nur“ 29 € (.com).

Beide Webseiten sehen zwar völlig unterschiedlich aus, das Geschäftsprinzip und die Inhalte sind aber die gleichen. Einziger großer inhaltlicher Unterschied: Auf der .at-Variante finden sich alle Texte sowohl auf Deutsch als auch auf Ungarisch.

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Zweites Standbein: Presseausweise! Der Verantwortliche hinter den falschen Pensionist:innenausweisen bietet unter presse.ag und presseausweis.ag auch selbst erfundene Presseausweise an. Einen Journalist:innenclub als ausstellende Instanz gibt es nicht.

Das konkrete Problem mit falschen Pensionist:innenausweisen

Zunächst einmal ist der Betrieb einer „parteipolitisch, konfessionell und verbandlich unabhängigen Informationsplattform" - wie auf der Websiten zu lesen ist - in Österreich natürlich legal. Kostenpflichtige Ausweise mit fragwürdigem Nutzen segeln aber zumindest in einer rechtlichen Grauzone.

Warum fragwürdiger Nutzen? Weil auf beiden Webseiten keine greifbaren Ermäßigungen angeführt sind, die der Träger oder die Trägerin genießen würde. Die Angaben bleiben bewusst sehr vage, verbindliche Vorteile sucht man vergebens. Also viel Geld für praktisch keine Gegenleistung?

Auf pensionistenausweis.at ist unter dem Punkt „Vorteile“ zwar eine lange Liste zu sehen, die Burgen, Schlösser, Bäder, Museen, Bergwerke, Zoos, Skigebiete, Minigolfanlagen etc. beinhaltet. Darüber steht aber: „Vorschläge zur Freizeitgestaltung“. Mit fixen Vorteilen, wie der Titel der Unterseite vermuten lässt, hat das nichts zu tun.

Pensionistenausweis.com – Weiterleitung von Anfragen?

Auch die .com-Variante bleibt konkrete Benefits zunächst schuldig. Dort heißt es auf der Unterseite „Vorteile“ lediglich:

Ob es einen Nachlass oder Vorteil gibt und unter welchen Voraussetzungen dieser gewährt wird, sollten Pensionistinnen immer erfragen.

Was die Seite aber bietet, ist eine Anfrage-Option. Unter „Vorteilsgeber“ finden sich zahlreiche Freizeitangebote aus ganz Österreich, von Vorarlberg bis ins Burgenland. Vom Goldgräberdorf bis zu Erlebnisbadeseen. Wer sich für eines davon interessiert, kann über ein Formular eine Anfrage an die Anbieter:innen senden. 

Ob die hier angeführten Unternehmen tatsächlich eine Ermäßigung für Besitzer:innen des falschen Pensionist:innenenausweises anbieten, ist allerdings ungewiss. Eine Nachfrage der Redaktion bei drei zufällig ausgewählten „Vorteilsgebern“ hat keine Ergebnisse bzw. keine Anworten gebracht.

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Kleines – keineswegs illegales, aber dennoch interessantes – Detail am Rande: Auf der .com-Variante findet sich am Ende der Website das Logo der Firma „Salzburg Immobilien“. Diese wird als offizieller Partner genannt. Sie existiert auch tatsächlich und ist im Firmenverzeichnis der Wirtschaftskammer Österreich angeführt. Verantwortlicher: Peter Url.

Für den Pensionistenausweis bezahlen? Besser nicht!

Wir raten davon ab, einen Pensionist:innenausweis über die genannten Anbieter zu ordern. (Gleiches gilt für den Presseausweis!) Warum Geld für etwas ausgeben, das man ohnehin automatisch und kostenlos zugesendet bekommt?

Die untersuchten Webseiten sind bereits sehr lange registriert. Das heißt, die Schließung konnte noch nicht erwirkt werden bzw. wurde vielleicht auch noch kein entsprechender Versuch gestartet. 

  • Wer auf den Fake hereingefallen ist und einen der “privaten” Pensionist:innenausweise bestellt hat, sollte zumindest versuchen, sein Geld zurückzuverlangen. Die Chancen dafür stehen tatsächlich nicht schlecht. Der Betreiber ist in Sachen Rückerstattung erfahrungsgemäß eher kulant.

  • Grundsätzlich gilt: Wenden Sie sich für Ausweise immer nur an die dafür zuständige offizielle Stelle!

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