Bedienungsanleitung gesucht, Abo-Falle gefunden!
Das Handbuch der alten Waschmaschine ist verschwunden? Das Gerät meldet aber einen hartnäckigen Fehler? Zum Glück gibt es im Internet nichts, was es nicht gibt. Wer sich auf die Suche nach einer spezifischen Bedienungsanleitung macht, wird im World Wide Web sehr wahrscheinlich fündig. Aber Vorsicht: Viele auf den ersten Blick gute Angebote enden in einer Abo-Falle.
Bedienungsanleitungen führen ein seltsames Dasein. Zu Beginn sind sie besonders wichtig, danach verschwinden sie in irgendeiner Lade, um später irgendwann entsorgt zu werden. Und wenn man sie dann doch wieder braucht, sind sie weg. Begibt man sich in so einer Situation auf eine Online-Suche nach der gewünschten Bedienungsanleitung, landet man schnell in einer Abo-Falle – und bekommt gar keine Anleitung.
Die Gefahr besteht natürlich nicht bei allen Bedienungsanleitungs-Datenbanken. Anhand eines konkreten Beispiels möchten wir aber aufzeigen, wo die Stolperfallen konkret lauern. Wir sehen uns die Website „manualsmate.com“ etwas näher an.
Manualsmate.com: So funktioniert die Abo-Falle
Die Website wirbt mit einer der „größten Datenbanken für Bedienungsanleitungen“. Entsprechend dieser großen Worte muss sie liefern. Und das tut sie auch – sogar dann, wenn man statt Produkt- oder Markennamen lediglich nach Platzhaltern sucht.
Überraschung: Die Datenbank hat ein Ergebnis für das Gerät „Platzhalter 2“ der Marke „Platzhalter 1“ ausgespuckt. Gegen eine minimale Gebühr von 0,95 Pfund kann die gesuchte Anleitung heruntergeladen werden. Eine verschwommene Grafik neben der Bezahlungsmaske soll den Fund bestätigen.
Man bekommt also nichts für sein Geld. Selbst dann nicht, wenn man eigentlich nach einem real existierenden Handbuch gesucht hätte. Der Redaktion vorliegende Beschwerden bestätigen den Betrug genauso wie zahlreiche Erfahrungsberichte auf Bewertungsplattformen.
Eine Sache bekommt man durch die Zahlung aber doch: Ein ungewolltes Abo! Das steht zwar im Kleingedruckten und in den Nutzungsbedingungen. EU-Richtlinien für den Onlinehandel werden damit aber ganz klar nicht eingehalten.
Ein Angebot, mehrere Adressen. Die angebliche Datenbank ist auch unter der Domain manualsmate.help erreichbar.
So lässt sich die Abo-Falle umgehen
Wird eine Bedienungsanleitung gesucht, muss es in der Regel schnell gehen. Der Zeitdruck erhöht allerdings die Gefahr, in eine Online-Falle zu tappen. Beachten Sie bei Ihren Recherchen deshalb folgende Empfehlungen:
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Entscheiden Sie sich nicht gleich für das erste Suchergebnis, sondern vergleichen Sie die Angebote!
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Suchen Sie gezielt nach Seiten, die ihren Service kostenlos anbieten! Achten Sie dabei aber immer auf das Kleingedruckte! Viele Portale behaupten zwar zunächst, es würden keine Kosten anfallen. In den Nutzungsbedingungen oder beim Check-Out steht allerdings etwas ganz anderes.
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Versuchen Sie es zunächst unbedingt auf der Website des Originalherstellers! Immer mehr Unternehmen stellen ihre Bedienungsanleitungen mittlerweile online zur Verfügung.
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Spielen Sie den Bestellvorgang einmal durch, ohne zu bezahlen! Erscheint Ihnen dabei etwas seltsam (nur eine Zahlungsart möglich, obwohl viel mehr angegeben sind; grammatikalische Fehler; etc.), brechen Sie ab.
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Suchen Sie nach Erfahrungsberichten! Wer etwa nach „manualsmate.com Erfahrungen“ googelt, wird sehr rasch bemerken, mit wem er es hier zu tun hat. Die gängigen Bewertungsplattformen sind voll mit schlechten Reviews!
Lange Liste. Manualsmate ist natürlich nicht der einzige betrügerische Anbieter von Bedienungsanleitungen. So führt etwa auch manuals-help.com direkt in eine Abo-Falle.
Was tun, wenn man in eine Abo-Falle gestolpert ist?
Zwar sitzt das Unternehmen hinter „Manualsmate“ offiziell in London, also außerhalb der EU. Allerdings richtet sich sein Angebot klar und deutlich auch an EU-Bürger:innen. Durch die Nichteinhaltung der entsprechenden Richtlinien kommt kein gültiger Kaufvertrag zustande. Wer in eine Abo-Falle gestolpert ist, muss also nichts bezahlen.
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Kontaktieren Sie Ihren Kreditkartenbetreiber, schildern Sie die Situation und lassen Sie die betreffenden Belastungen sperren.
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Sollte es bereits zu Abbuchungen gekommen sein, können Sie diese wieder zurückholen lassen.
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Kontaktieren Sie das Unternehmen hinter der Abo-Falle und kündigen Sie schriftlich!
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Sollten Sie Inkasso-Schreiben erhalten, widersprechen Sie auch diesen schriftlich!