Nichts bestellt, aber trotzdem ein Amazon-Paket bekommen? Vorsicht: Identitätsbetrug!
Kriminelle verschaffen sich Zugang zu bestehenden Amazon-Konten oder erstellen mit erbeuteten Daten echter Kund:innen Fake-Accounts. In beiden Fällen tätigen Sie Bestellungen und lassen den Opfern die Rechnung zukommen. Und manchmal sogar Pakete. Was steckt hinter der Masche? Muss man bezahlen? Wie verhält man sich richtig?
Eigentlich ist es ein Grund zur Freude, wenn es an der Tür läutet und man endlich die lang erwartete Lieferung entgegennehmen darf! Kurios wird es dann, wenn man gar nichts bestellt hat. Enthält die Lieferung gleichzeitig eine Zahlungsaufforderung oder ein Inkasso-Schreiben, haben wir „kurios“ definitiv hinter uns gelassen. Dann wird es nämlich mindestes ärgerlich!
Aktuell erreichen uns wieder vermehrt Berichte rund um den „Amazon/Riverty“-Betrugsversuch. Der ist im Grunde nicht neu, kommt aber wie so viele andere Maschen in Wellen – und weist in der aktuellen Ausformung einen neuen Aspekt auf. Der Ablauf:
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Die Opfer erhalten eine unerwartete Lieferung von Amazon mit eher obskuren Produkten (z. B. Verschlüsse für Armbänder oder eine Buddha-Statue mit Leuchtfunktion).
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Im Paket befindet sich außerdem ein Schreiben des Zahlungsdienstleisters „Riverty“. Dieses fordert im Namen von Amazon die Begleichung einer Monatsabrechnung. In dieser werden alle innerhalb eines Monats getätigten Einkäufe zusammengefasst.
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Beim Blick in die Bestellhistorie auf Amazon wird die Verwirrung noch größer: Dort scheint nämlich nichts auf. Zumindest nicht im “Original”-Konto des Opfers.
Ja, es kann sich auch schlicht um einen Fehler handeln. Oder jemand will Sie überraschen und lässt Ihnen ein bereits bezahltes Geschenk zukommen. Hören Sie sich deshalb im Freundes- und Bekanntenkreis um, bevor Sie aktiv werden oder Anzeige erstatten!
So funktioniert die Amazon/Riverty-Masche
Die plausibelste Erklärung zu den Hintergründen der Masche lautet: Identitätsdiebstahl. Kriminellen ist es gelungen, an die persönlichen Informationen zahlreicher Amazon-Kund:innen zu kommen. Diese Angaben haben sie genutzt, um ein neues Konto im Namen der Opfer zu erstellen, von dem aus sie nun Bestellungen tätigen können.
Wie die Kriminellen an die Daten gelangt sind? Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Phishing, ein Daten-Leck bei Amazon, Zufall. Tatsächlich existieren auch Berichte von Geschädigten, die gar kein eigenes Amazon-Konto besitzen und trotzdem ein Paket vom Versand-Riesen erhalten.
Amazon/Riverty-Betrug: Was ist neu?
Beim angesprochenen neuen Aspekt der Betrugsmasche handelt es sich um das konkrete Paket, welches die Opfer erhalten. In früheren Ausformungen flatterte ihnen lediglich eine Rechnung oder ein Inkassoschreiben ins Haus. Vermutlich splitten die Betrüger:innen die Lieferung und lassen den nichts ahnenden Empfänger:innen Krempel zukommen, sie selbst bekommen die „Hauptlieferung“.
So erhöhen sie den Druck und bewegen die Opfer eher zu einer Zahlung. „Ich will keine Probleme bekommen, also bezahl ich eben. So hoch ist die Rechnung eh nicht.“
Das Vorgehen erinnert an die altbekannte Masche des Bestellbetrugs. In diesem Fall nutzen Kriminelle ein bestehendes Konto und fangen die Bestellung kurz vor der Zustellung ab. Sie bestätigen den Empfang im Namen der Opfer. Im Gegensatz dazu wird bei der aktuellen Ausformung der Amazon/Riverty-Masche aber eben tatsächlich ein Paket ausgeliefert. Ob es sich bei den Berichten darüber einfach um einen fehlgeschlagenen Bestellbetrug handelt, ist nicht final abzuklären.
Paket & Zahlungsaufforderung von Amazon/Riverty bekommen: Das können Sie jetzt tun
Das Problem: Die Bestellung existiert und wurde von Amazon offiziell bearbeitet. Es wurde also eine Leistung erbracht, die sich das Unternehmen berechtigterweise bezahlen lassen will. Diese Forderungen laufen über Riverty.
Die gute Nachricht: Sie müssen nichts bezahlen! Zu welchen Schritten wir im jeweils konkreten Fall raten, haben wir für Sie zusammengefasst.
Unerwünschtes Paket erhalten
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In Österreich herrscht keine Pflicht zur Annahme einer Ware. Betroffene dürfen sich somit weigern, das Paket entgegenzunehmen.
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Wer die Sendung doch angenommen hat, kann ein Retourenformular beantragen und das Paket an den Absender zurückschicken. Die Kosten müssen Sie nicht übernehmen!
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Amazon bietet die Möglichkeit, unerwünschte Pakete über das Nutzer:innenkonto zu melden.
Unberechtigte Amazon-Rechnung erhalten
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Kontaktieren Sie sowohl Amazon als auch Riverty und schildern Sie die Situation. Teilen Sie mit, dass Sie nichts bestellt haben, sondern Opfer eines Identitätsdiebstahl geworden sind.
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Bezahlen Sie die Rechnung nicht und widersprechen Sie allen Forderungen!
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Sollten weiterhin Forderungen oder Mahnung eintrudeln, können Sie diese ignorieren.
Unberechtigtes Inkasso-Schreiben von Riverty erhalten
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Lassen Sie das Inkasso-Unternehmen wissen, dass Sie bereits in Kontakt mit Amazon stehen und jeglichen Forderungen widersprochen haben.
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Lassen Sie das Inkasso-Unternehmen außerdem wissen, dass sie es mit Identitätsdiebstahl zu tun haben.
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Widersprechen Sie auch den Forderungen des Inkasso-Unternehmens.
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Sollten weitere Forderungen eintrudeln, können Sie diese ignorieren.
Sehr wahrscheinlich verlangen betroffene Unternehmen einen Nachweis darüber, dass es sich im konkreten Fall tatsächlich um Identitätsdiebstahl handelt. Bringen Sie den Vorfall deshalb unbedingt bei der Polizei zur Anzeige! Die ausgestellten Dokumente dienen als Beweis gegenüber Amazon, Riverty und Co.
Polizeiliche Anzeige dringend notwendig! Sollten sich die Probleme auch ohne polizeiliche Dokumente lösen lassen, raten wir dennoch dringend zur Erstattung einer Anzeige! Kriminelle verfügen offensichtlich über Ihre persönlichen Daten und verwenden diese für betrügerische Handlungen. Um nicht unverschuldet ins Visier der Fahnder:innen zu geraten, sollten Sie den Sachverhalt aktiv aufklären. So erleichtern Sie auch die Ermittlungen.