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Alles nur erfunden: Betrug mit Tieren über Internet-Inserate

Gepostet am 07.11.2013 von Watchlist Internet

„Kleine, süße Kätzchen suchen dringend neues Heim“ – Inserate wie diese erweichen wahrlich jedes Tierfreunde-Herz. Zu bezahlen ist angeblich nichts oder „nur“ der Transport. Am Ende sind die gutgläubigen Käufer/innen trotzdem eine Menge Geld los. Die in Not geglaubten Tiere gibt es gar nicht.


Ein betrügerisches Tierinserat auf der Kleinanzeigen-Plattform kijiji.at. Ein Papageien-Pärchen wird angeblich „gratis“ abgegeben – im E-Mail-Kontakt mit dem Verkäufer zeigt sich allerdings, dass sehr wohl Geld bezahlt werden soll (Transportkosten etc.). Die Papageien gibt es natürlich nicht, was der Verkäufer will ist schnelles Geld.

Es ist ein perfides Spiel mit den Gefühlen von Tierfreunden: Immer wieder finden sich im Internet private Anzeigen (z.B. auf Kleinanzeigen-Portalen), in denen angeblich notleidende Tiere „gratis“ feilgeboten werden. Wer auf die Anzeige antwortet, bekommt eine herzzerreißende Geschichte präsentiert, warum die Tiere so schnell wie möglich weg müssen. An die Nachrichten angehängt sind meist etliche putzige Fotos, die den Interessenten/die Interessentin zusätzlich überzeugen sollen. Meist ist es dann nur mehr Nebensache, dass die Tiere im Ausland weilen und ein längerer Transport notwendig ist.

Auszug aus einer E-Mail eines vermeintlichen Verkäufers von zwei „armen“ Kätzchen – die Worte sollen Fürsorge vorgaukeln:

hallo,
  ich bin froh, von Ihnen noch einmal zu lesen. Ich möchte, dass Sie wissen, dass es schon eine harte Entscheidung für uns zu nehmen, um sich diese Kätzchen, weil meine Kinder waren sehr traurig zu hören, dass die Katzen werden uns verlassen und auch, kauften wir die Katzen sehr teuer. so wollen wir Ihnen versprechen, dass Sie gehen, sehr gute Betreuung der Katze zu nehmen.
  die Informationen, die Sie zur Verfügung gestellt haben ist in Ordnung. Ich werde meine Frau anweisen, etwas zu essen für die Kätzchen Paketdienst, so dass Sie wissen, was sie auf gefüttert. ich werde auch entlang eines Buches, die Ihnen helfen, das Kätzchen zu verstehen, und auch in der Lage sein, etwas zu essen für sie kochen zu Hause, anstatt sie zu kaufen alle Lebensmittel, da es billiger ist, schicken.

Auch die Übermittlung von zahlreichen persönlichen Daten und diverse Zahlungen für Transport, Impfung etc. über Bargeldtransferdienste (z.B. WesternUnion, MoneyGram) nehmen die gutgläubigen Tierfreund/innen in Kauf – voll freudiger Erwartung auf den/die neuen tierischen Mitbewohner. Nur wird es nie zum ersehnten Beisammensein kommen …

„Gratis“-Hund für 250 Euro – nur leider ohne Hund

Schnell wird klar: So richtig „gratis“ ist das alles nicht. Das Verbrauchermagazin „Konsument“ berichtet beispielsweise von einem Fall, wonach für einen zwölf Wochen alten Maltester-Welpen, der ursprünglich als „gratis“ inseriert wurde, plötzlich 250 Euro bezahlt werden sollten: 100 Euro sofort für den Transport aus dem Ausland, 150 Euro bei Übernahme. Eine Besichtigung der Welpen vor Ort sei aus fadenscheinigen Gründen abgelehnt worden. Die „Käuferin“ bezahlte trotzdem und war sogleich ihr Geld los, ohne jemals einen Hund geliefert zu bekommen. Die Anbieter/innen, die meist aus Nicht-EU-Ländern agieren und damit kaum zur Rechenschaft zu ziehen sind, gehen nach erfolgter Bezahlung auf „Tauchstation“, die Inserate werden schnell gelöscht.

Auszug aus einer E-Mail eines Verkäufers von zwei „Gratis“-Papageien. Der Transport muss vom Käufer bezahlt werden, in der E-Mail wird die Abwicklung über eine vermeintliche „Transport-Agentur“ erklärt (obwohl es sich um zwei ausgewachsene Papageien handelt, ist in der E-Mail immer nur von „baby“ die Rede):

The details i need from you to proceed are.
YOUR FULL NAMES...................................?
FULL HOME ADDRESS.................................?
PHONE NUMBER......................................?
POSTAL CODE.......................................?
CITY/STATE........................................?
NEAREST AIRPORT...................................?

So this is how the transaction will proceed,when you get back with your data information.I will take the baby to the transit agency alongside documents and register to your home . When the transit agency is through with everything,they will contact you through email or phone pending on how you are going to make the upfront payment for the flight ticket of the baby and also when the baby will arrive your home today in an estimate of about 7-8 hours okay. you will be paying the transportation fee directly to the agency and not to me .The transit agency provides home delivery,that means the baby will be transported to your nearest airport and later on delivered to your house by van because the agency does door to door service okay. So get back with this details let me proceed with the registration.


Plötzlich erhält der Kaufinteressent auch E-Mails des vermeintlichen Transportunternehmens, in denen Druck zur Zahlung gemacht wird.

Rassetiere zum Billigtarif

Nicht nur vermeintlich notleidende Tierbabys dienen Internet-Betrüger/innen als gut funktionierendes Lockmittel, auch bei begehrten Rassetieren – hier vor allem Katzen, Hunde, Pferde und Vögel – floriert der Betrug. Das ausschlaggebende Argument für die potenziellen Käufer/innen ist hier der günstige Preis. Da wird dann offenbar gerne in Kauf genommen, dass die Tiere aus dem (fernen) Ausland herangekarrt werden müssen, die Anzeigen in gar grausigem Übersetzungssoftware-Deutsch verfasst sind (Beispiel: „Gut aussehende Pferd zum Mitnehmen“) und gar eigenartige Vorauszahlungen über Bargeldtransferdienste verlangt werden. Wer auf all das einsteigt, wird am Ende bitter enttäuscht sein, denn die vermeintlichen Rassetiere gibt es gar nicht.


Voilá, ein „gut aussehende Pferd zum Mitnehmen“ – ein echtes Turnierpferd um angeblich nur 1.000 Euro.


Und noch ein sehr unglaubwürdiges Inserat: Hier werden Rassekätzchen – entwurmt und geimpft – für gerade einmal 140 Euro angeboten. Als Standort wird „Graz/Österreich“ angegeben, in der ersten E-Mail wird jedoch gleich klar gestellt, dass die Tiere im Ausland sind.

Wann Sie stutzig werden sollten

Auch wenn es bei Tieren besonders schwer fällt, gilt auch hier der Spruch: Im Internet ist nicht alles, wie es scheint! Nehmen Sie sich einen kurzen Augenblick, um Verkaufsinserate kritisch zu hinterfragen, bevor Sie einen Fehler machen. So können Sie betrügerische Tier-Inserate entlarven:

  • Die Tiere werden als „gratis“ angeboten, spätestens nach dem Erstkontakt mit dem/der Verkäufer/in stellt sich jedoch heraus, dass sehr wohl Geld verlangt wird (z.B. für eine Transport-Agentur, Impfungen, Dokumentengebühren etc.).
  • Rassetiere werden zu marktunüblichen, überaus günstigen Preisen inseriert – allein daran sollten Sie erkennen, dass hier irgendetwas faul ist.
  • Die Inserate sind in überaus schlechtem, teilweise gänzlich unverständlichem Deutsch verfasst („Übersetzungssoftware-Deutsch“).
  • Die Verkäufer/innen geben an, sich im Ausland aufzuhalten (z.B. Großbritannien, Kamerun). Dies wird auch oft als „Ausrede“ benutzt, warum eine persönliche Besichtigung bzw. Übergabe der Tiere nicht möglich ist.
  • Die Verkäufer/innen tischen kuriose oder auch tragische Geschichten auf, warum die Tiere schnell eine/n neue/n Besitzer/in brauchen. Dies wird auch oft als Rechtfertigung verwendet, warum die Tiere so günstig zu haben sind.
  • Die Anschreiben sind oft unpersönlich gehalten (z.B. keine persönliche Anrede, keine Antworten auf Fragen) und enthalten zeitweise sonderbare Angaben (z.B. falsche Tierbezeichnung, falsche Währung), weil eine falsche Vorlage verwendet wurde.
  • Mit einem „Fragebogen“, der vom Käufer/der Käuferin zu beantworten ist, soll vermeintlich abgeklärt werden, ob die Tiere in gute Hände kommen. Das soll Vertrauen erwecken und Fürsorge vorgaukeln.
  • Zahlungen sollen per Bargeldtransferdienst (z.B. Western Union, MoneyGram) oder Prepaid-Karte (z.B. Paysafecard, Ukash) geleistet werden.
  • Die zu überweisenden Beträge werden immer höher und von E-Mail zu E-Mail werden neue Argumente gefunden, warum noch etwas zu bezahlen ist (z.B. Flugtransport ist teurer als gedacht, die Behörden benötigen noch eine Dokumentgebühr etc.).
  • Einwände von Käufer/innen werden klein geredet oder ignoriert; die Verkäufer/innen versuchen mit noch herzigeren Fotos oder dramatischen Fakten die Käufer/innen unter Druck zu setzen. Wenn es den Käufer/innen zu „heiß“ wird oder schon genug Geld überwiesen wurde, sind sie nicht mehr erreichbar.

Tipps

  • Kaufen Sie Tiere nur, wenn Sie die Möglichkeit haben, diese vorab persönlich kennenzulernen bzw. selbst abzuholen.
  • Meiden Sie generell Käufe im Internet, bei denen Bargeldtransfer verlangt wird. Lesen Sie dazu auch: Was Sie bei Zahlungen mit Western Union, MoneyGram & Co. beachten müssen
  • Wenn Sie bereits in die Falle getappt sind: Sichern Sie alle Beweise und brechen Sie danach den Kontakt zu den Betrüger/innen ab. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und machen Sie eine Meldung an die Plattform, auf der das Inserat geschalten wurde. Hilfe zu Ihrem konkreten Fall können Sie sich auch beim Internet Ombudsmann holen.

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