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online seit 28.10.2025

#5TageGegenDeepfakes: Wie sich Liebesschwindler mit Deepfakes auf Dating-Plattformen Vertrauen erschleichen

Online-Dating verspricht die Liebe fürs Leben zu finden. Doch auch Betrüger:innen mischen sich unter die potenziellen Dates. Getarnt als attraktive Singles versuchen sie mit Liebesbekundungen das Vertrauen ihrer Opfer zu gewinnen. Doch statt einem Kennenlernen zielen sie auf das Geld der Betroffenen ab. Um die Echtheit des vermeintlichen Flirts zu untermauern, versenden die Liebeschwindler zunehmend auch Deepfakes.

Beispielhafte Darstellung eines Chats einer Dame und eines Liebesbetrügers.

Dating-Apps ermöglichen es, Menschen über Stadt- und Landesgrenzen hinweg kennenzulernen und Beziehungen aufzubauen. Neben dem Schreiben von Nachrichten gehören auch Videoanrufe und Sprachnachrichten längst zur gängigen Kennenlern-Praxis. Für Liebesschwindler bedeutete diese Form der direkten Kommunikation bislang ein Risiko, da Täuschungen hier leichter auffallen. Deepfakes verschaffen den Betrüger:innen die Möglichkeit, ihre erfundene Identität auch in Video-Telefonaten glaubwürdig aufrechtzuerhalten. 

Fake-Online-Liebe bringt 77-Jährige mit Deepfake-Video um 17.000 Pfund

Diese schmerzvolle Erfahrung musste eine 77-jährige Schottin machen. Über mehrere Monate stand sie mit einer jungen Frau in Kontakt, die sich als Arbeiterin auf einer Bohrinsel ausgab. Aufgrund eines eingeschränkten Internetzugangs konnte sie nur selten direkt kommunizieren. Die Kriminellen hinter dem Fake-Profil baten wiederholt um Steam-Geschenkkarten und Geld, damit die junge Frau die Seniorin am Festland besuchen kommen könne.

Als die 77-Jährige misstrauisch wurde, erhielt sie Video-Nachrichten der jungen Bohrinselarbeiterin. Die authentisch wirkenden Aufnahmen zerstreuten ihre Zweifel. Erst als sie ihre eigene Bank auf den Betrug aufmerksam machte, stellte die 77-Jährige die Zahlungen ein. Insgesamt verlor die Schottin über 17.000 britische Pfund.

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Ihr Date fragt nach Geld? Sie sollen nur einen kleinen Betrag auslegen, den Sie sofort danach angeblich zurückbekommen? Das sind eindeutige Hinweise auf Betrug! Sobald Ihr Date nach Geld fragt: Brechen Sie den Kontakt ab!

Zukünftige Love-Scams durch Live-Deepfakes

Künftig könnten Live-Video-Deepfakes die Täuschungsgefahr solcher Betrugsmaschen deutlich erhöhen. Ihr Echtzeit-Charakter erlaubt es Betrüger:innen, selbst misstrauische Opfer von ihrer vermeintlichen Identität zu überzeugen. Während frühere Live-Deepfakes noch durch auffällige Fehler auffielen, wirken sie mit fortschreitender Technologie immer glaubwürdiger.

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Deepfakes sind mit Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugte oder manipulierte Bilder, Videos oder Audios. Sie wirken täuschend echt und zeigen Ereignisse oder Aussagen, die in der Realität so nicht stattgefunden haben. Oft ähneln die Inhalte realen Personen, Orten oder Dingen.

Welche Merkmale deuten auf einen Liebesbetrug hin?

Auch wenn die neuen Methoden der Liebesbetrüger:innen auf den ersten Blick bedrohlich wirken, lassen sich Betrugsversuche meist leicht erkennen:

  • Forderung nach Geld oder Geschenken: Sobald Ihr Online-Date um Geld, Gutscheine oder Geschenke bittet, handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Betrugsversuch. Die Frage nach Überweisungen oder Geld für angebliche Notfälle sind das eindeutigste Warnsignal für einen Liebesbetrug. Überweisen Sie niemals Geld an Personen, die Sie nicht persönlich kennen!

  • Zu perfekt, um wahr zu sein: Liebesbetrüger:innen versuchen meist, einen besonders positiven Eindruck mit ihrem Profil zu hinterlassen, der viele verführt. Profilbilder wie aus einem Model-Katalog und übertrieben positive Angaben zu Beruf, Lebensstil oder Charakter sind ein Warnzeichen!

  • Ständige Erreichbarkeit: Antwortet die Person rund um die Uhr und immer sehr schnell? Standardisierte Nachrichten und vorschnelle, übertriebene Liebesbotschaften deuten darauf hin, dass Sie es mit Kriminellen zu tun haben!

  • Treffen findet nie statt: Die Person hat ihren Wohnsitz im Ausland und gibt Ihnen das Versprechen, Sie zeitnah zu besuchen. Jedoch werden geplante Treffen immer wieder aufgrund angeblicher Schwierigkeiten abgesagt, sollten die Alarmglocken läuten!

  • Videoanrufe nur schwer möglich: Wenn zudem auch keine Videoanrufe möglich sind, angeblich aufgrund technischer Probleme, sollten Sie den Kontakt abbrechen. Aber Vorsicht: zunehmend setzen Kriminelle genau hier Deepfake-Videos ein, um Sie hinters Licht zu führen!

  • Videos oder Fotos wirken unnatürlich: Ruckartige Bewegungen, unpassende Mimik oder seltsame Hintergründe können darauf hinweisen, dass die Medieninhalte gefälscht wurden. Oft schicken die Liebesbetrüger:innen auch nur sehr kurze Videoclips, auch das kann ein Hinweis auf Betrug sein.

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Haben Sie ein komisches Bauchgefühl bei einer Person, mit der Sie schon länger chatten? Klingt es alles zu gut, um wahr zu sein? Wenden Sie sich an eine Vertrauensperson oder Freund:in. Besprechen Sie Ihre Zweifel, bleiben Sie mit Ihren Sorgen nicht allein!

Sie wurden Opfer? Das können Sie tun:
  • Sichern Sie Beweise wie z. B. E-Mail-Kopien, Chatprotokolle, Screenshots von Profilen, mitgeschickte Fotos, Überweisungsbelege etc. Diese benötigen Sie für eine Anzeige bei der Polizei.

  • Sollten Sie bereits Geld überwiesen haben oder erpresst werden, wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Sie eine Anzeige.

  • Melden Sie das betrügerische Profil den Betreibern der Dating-App oder Plattform.

  • Wenn der Vorfall emotional belastend für Sie ist, holen Sie sich Unterstützung. Sprechen Sie mit Freund:innen oder einer Beratungsstelle, die Ihnen helfen kann, den Betrug zu verarbeiten. Eine Anlaufstelle ist die Telefonseelsorge unter der Nummer 142. Spezielle Beratung für Frauen gibt es von Frauen* beraten Frauen*

  • Eine angehörige Person ist von Liebesbetrug betroffen? Hier finden Sie Tipps, wie Sie Betroffene unterstützen können.

Mehr Informationen finden Sie unter: https://research.oiat.at/de/defame-fakes

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