#5TageGegenDeepfakes: Anleger:innen, aufgepasst! Kriminelle nutzen Deepfakes um Aktienkurse künstlich zu manipulieren
Was wie ein verführerischer Finanztipp wirkt, kann in Wahrheit Teil einer raffinierten Betrugsfalle sein. Kriminelle nutzen Deepfakes von Finanzexpert:innen und Prominenten, um wertlose Aktien zu bewerben. Ziel der Masche ist es, die Kurswerte künstlich in die Höhe zu treiben, um die Aktien nach gestiegenen Kursen zu verkaufen, während Anleger:innen auf Verlusten sitzen bleiben.
Überbewertete Aktienkurse durch Deepfakes („Pump-and-Dump“)
Im Frühjahr 2025 ereignete sich die erste Pump-and-Dump-Falle mithilfe von Deepfakes. Kriminelle nutzten Deepfakes von Finanzexpert:innen und bekannten Persönlichkeiten, um auf sozialen Medien Billigaktien zu bewerben.
Die Fake-Videos wurden mit professionell wirkenden Websites verlinkt. Opfer gaben darin ihre persönlichen Daten ein und wurden anschließend zu Investmentgruppen auf WhatsApp eingeladen, in denen die Kriminellen sich als Expert:innen ausgaben. Die Versprechungen auf Profite lockten viele zum Kauf der Aktien, wodurch die Kurse kurzfristig stiegen. Dadurch fühlten sich die Opfer zunächst bestätigt, den vermeintlichen Tipps der Kriminellen zu folgen.
Nach einem dreimonatigen Anstieg brachen die Aktien schlagartig in nur wenigen Tagen um mehr als 80 Prozent ein. Viele Anleger:innen verloren hohe Summen, der Gesamtschaden wird auf 3,7 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Deepfakes sind mit Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugte oder manipulierte Bilder, Videos oder Audios. Sie wirken täuschend echt und zeigen Ereignisse oder Aussagen, die in der Realität so nicht stattgefunden haben. Oft ähneln die Inhalte realen Personen, Orten oder Dingen.
Wie funktioniert der „Pump-and-Dump-Betrug“?
Pump-and-Dump ist eine illegale Methode, bei der Kriminelle den Kurs einer Aktie künstlich in die Höhe treiben und anschließend mit Gewinn aussteigen, während viele andere Anleger:innen hohe Verluste erleiden.
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1. Aufblasen des Aktienkurses („Pump“)
Zu Beginn kaufen die Kriminellen große Mengen einer sehr günstigen, wenig gehandelten Aktie (oft sogenannte Penny Stocks). Anschließend verbreiten sie über Social Media, Finanzgruppen oder andere Kanäle die Information, dass die Kurse der Aktie stark steigen werden. Da viele Menschen kaufen, steigen die Kurse in kurzer Zeit stark an.
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2. Verkauf zu überhöhten Kursen („Dump“)
Sobald der Kurs auf einem hohen Niveau ist, verkaufen die Kriminellen ihre zuvor gekauften Aktien. Das führt zu einem plötzlichen Preissturz.
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3. Zusätzliches Profitieren durch Leerverkäufe
Einige Kriminelle erhöhen ihre Gewinne zusätzlich, in dem sie sogenannte Leerverkäufe abschließen. Dabei leihen sie sich Aktien und verkaufen sie sofort zu hohen Preisen, um sie nach dem erwarteten Kurssturz günstiger zurückzukaufen. Die Preisdifferenz wird als Gewinn einbehalten.
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4. Konsequenz
Die Kriminellen verdienen doppelt: Einerseits durch den Verkauf der künstlich überbewerteten Aktie, andererseits durch Gewinne aus Leerverkäufen bei fallenden Preisen. Die übrigen Anleger:innen verlieren dagegen einen Teil oder sogar ihr gesamtes eingesetztes Kapital.
Markmanipulation mithilfe von Deepfakes
Deepfakes könnten künftig genutzt werden, um gezielt falsche Unternehmens- oder Marktmeldungen zu verbreiten und so Preisbewegungen an den Finanzmärkten zu provozieren. Die Taktik reicht von inszenierten Erfolgsmeldungen (Pump-and-Dump) über erfundene Krisen bis hin zu gefälschten Aussagen von Zentralbankvertreter:innen.
Solche Meldungen zielen darauf ab, bestimmte Marktreaktionen auszulösen, von denen die Kriminellen finanziell profitieren. Über Social‑Media‑Algorithmen und automatisierte Profile (Bots) verbreiten sich diese Falschmeldungen sehr schnell und können sogar in automatisierte Analysen institutioneller Investoren einfließen.
1. Steigende Kurse:
Kriminelle könnten Deepfakes nutzen, um ein gefälschtes Video zu erstellen, in dem z. B. die Geschäftsführung eines Pharmaunternehmens ein neues, bahnbrechendes Medikament ankündigt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass das Unternehmen vor einem großen Durchbruch steht und der Aktienkurs bald steigen wird. Anleger:innen werden dadurch zu spekulativen Käufen verleitet, wodurch der Kurs tatsächlich kurzfristig steigt. Die Kriminellen nutzen diesen Moment, um ihre im Vorfeld günstig erworbenen Aktien gewinnbringend zu verkaufen.
2. Sinkende Kurse
Umgekehrt könnten Deepfakes dazu genutzt werden, gefälschte Videos oder Audios zu verbreiten, in denen angebliche Probleme wie Produktfehler oder eine drohende Insolvenz dargestellt werden. Dadurch geraten Anleger:innen möglicherweise in Panik und verkaufen ihre Aktien, wodurch die Kurse fallen. Genau darauf haben die Betrüger:innen gesetzt: Sie haben zuvor Leerverkäufe abgeschlossen und profitieren nun vom Kursrutsch. Danach kaufen sie die Aktien günstig zurück und erzielen so einen zusätzlichen Gewinn.
Wie kann man Deepfakes erkennen?
Auch wenn Deepfakes immer realistischer werden, gibt es dennoch einige Hinweise, die Ihnen helfen können, gefälschte Inhalte zu entlarven:
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Unnatürliche Bewegungen und Bildfehler: Achten Sie auf Details wie ungleichmäßiges Blinzeln, unnatürliche Gesichtsausdrücke, fehlende Schatten oder unsaubere Übergänge. Auch die Lippenbewegungen stimmen bei Deepfakes oft nicht exakt mit dem Gesagten überein. Aber Vorsicht! Deepfakes werden immer besser, viele sind ohne technische Hilfsmittel nicht mehr als Fakes erkennbar.
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Tonspur und Sprachmuster prüfen: Hören Sie genau hin. Stimmen in Deepfakes wirken oft unnatürlich und häufig fehlen Hintergrundgeräusche.
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Quellen sorgfältig überprüfen: Verlassen Sie sich nicht allein auf einzelne Inhalte. Prüfen Sie, ob die Meldung auch auf offiziellen Webseiten oder in seriösen Nachrichtenmedien veröffentlicht wurde. Fehlende Bestätigungen sind ein Warnsignal.
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Verbreitung beobachten: Geht ein Video plötzlich viral, ohne dass etablierte Medien berichten, sollten Sie skeptisch sein. Kriminelle setzen häufig Bots ein, um gefälschte Inhalte massenhaft zu verbreiten.
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Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl: Seien Sie besonders vorsichtig bei Nachrichten, die „zu gut“ oder „zu schlecht“ klingen, um wahr zu sein. Hinter solchen Sensationen steckt nicht selten ein Täuschungsversuch. Überprüfen Sie die Behauptungen mit einer Internetsuche, bevor Sie klicken!
Ich bin hereingefallen! Was kann ich tun?
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Stoppen Sie sofort weitere Zahlungen oder Investitionen: Investieren Sie kein weiteres Geld und reagieren Sie nicht mehr auf Nachrichten der Kriminellen.
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Kontaktieren Sie sofort Ihre Bank oder Ihren Wertpapieranbieter: Melden Sie den Vorfall und prüfen Sie, ob laufende Transaktionen gestoppt oder rückgängig gemacht werden können.
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Sichern Sie Beweise: Speichern Sie Screenshots, E-Mails, Chatverläufe, Überweisungsbelege oder das betreffende Video. Diese Unterlagen sind für spätere Ermittlungen wichtig.
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Erstatten Sie Anzeige: Wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Sie Strafanzeige.
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Melden Sie den Vorfall offiziellen Stellen und Plattformen: Informieren Sie die österreichische Finanzmarktaufsicht sowie die Betreiber der betroffenen Plattformen oder sozialen Netzwerke. Diese können die Inhalte prüfen und gegebenenfalls entfernen.
Mehr Informationen finden Sie unter: https://research.oiat.at/de/defame-fakes