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online seit 30.10.2025

#5TageGegenDeepfakes: Kriminelle nutzen Deepfakes von Promis für Investmentscams

Einige Prominente genießen aufgrund ihrer Persönlichkeit eine hohe Vertrauenswürdigkeit. Kriminelle machen sich dies zunutze und erstellen Deepfakes der Promis, um sie betrügerische Investments bewerben zu lassen.

Manipulierte Stimmen in Nachrichtensendung mit Dietmar Hopp

So läuft der Promi-Investmentscam ab

Häufig werden bestehende Videobeiträge von Politiker:innen, TV-Moderator:innen oder bekannten Finanzexpert:innen herangezogen und mithilfe von KI-Tools manipuliert. Typischerweise wird dazu die Stimme der Promis geklont (Voice Cloning) sowie Mimik (Face Morphing) und Lippenbewegung angepasst (Lip Sync). Die manipulierten Videos erzeugen dadurch den Eindruck, als würden die Promis tatsächlich die Inhalte sprechen, die ihnen von den Betrüger:innen in den Mund gelegt werden.

  • 1. Bewerbung über Social Media: Die betrügerischen Werbevideos werden primär über Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram, TikTok oder YouTube verbreitet. Darin berichten die Prominenten von einmaligen Investmentmöglichkeiten, denen sie auch selbst einen gewissen Reichtum verdanken würden.

  • 2. Link zu betrügerischer Website: Die Fake-Werbungen enthalten einen Link, der direkt auf die betrügerische Investmentplattform führt. Dort werden die Opfer zur Registrierung und zur Einzahlung eines geringen Startbeitrags bewegt.

  • 3. Täuschung durch simulierte Gewinne: In den ersten Wochen läuft alles hervorragend – die Investments scheinen die versprochenen Gewinne abzuwerfen und das Konto auf der Plattform füllt sich. Dies animiert Opfer zu weiteren Einzahlungen.

  • 4. Das böse Erwachen folgt, wenn man sich die Gewinne auszahlen lassen möchte. Das ist dann plötzlich nicht möglich. Die Betrüger:innen geben dafür immer die gleichen Gründe an: Entweder müsse erst eine Bearbeitungsgebühr bezahlt werden. Oder aber das Konto sei aufgrund der hohen Gewinne von der Finanzaufsicht gesperrt worden – Geldwäscheverdacht. Um es wieder zu entsperren, müsse ein hoher „Sicherheitsbetrag“ überwiesen werden.

  • 5. Enorme Schadenssummen: Die Masche wird so lange durchgezogen, bis das Opfer entweder kein Geld mehr hat oder der Betrug bemerkt und die Einzahlungen von sich aus gestoppt werden. Oft nehmen die Geschädigten Kredite auf oder leihen sich im Familien- und Freundeskreis Geld, um die anfallenden „Gebühren“ zu bezahlen.

Live-Deepfakes als Weiterentwicklung von Investmentscams

Die Technologie im Bereich der Künstlichen Intelligenz entwickelt sich rasant – die Qualität der Ergebnisse verbessert sich im Wochentakt. Das machen sich auch Betrüger:innen zu nutze. Welche Szenarien künftig Realität werden könnten:

Live-Deepfakes erlauben es Betrüger:innen Videotelefonate in einem beliebigen Erscheinungsbild durchzuführen – in Echtzeit. Das heißt, Bewegungen und Gesagtes werden in Echtzeit auf eine Fake-Person übertragen. Zukünftig könnten Kriminelle diese Möglichkeit nutzen, indem sie Live-Deepfakes in Form fingierter persönlicher Anlageberatungen einsetzen – z. B. mit den Stimmen und Gesichtern bekannter Finanzexpert:innen. Auch Live-Deepfakes mit populären Influencer:innen, die vorgeben mit einer bestimmten Investmentplattform schnell reich geworden zu sein, sind denkbar, um Opfer zu Zahlungen zu bewegen. Der Live-Charakter ermöglicht direkte Interaktion – das schafft Vertrauen und erhöht die Glaubwürdigkeit der Betrugsmasche.

Info Icon

Deepfakes sind mit Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugte oder manipulierte Bilder, Videos oder Audios. Sie wirken täuschend echt und zeigen Ereignisse oder Aussagen, die in der Realität so nicht stattgefunden haben. Oft ähneln die Inhalte realen Personen, Orten oder Dingen.

Beispiel: Manipulierte Nachrichtenberichterstattung bewirbt betrügerische Finanzplattform

In einem uns bekannten Fall wurde eine Sendung des deutschen Nachrichtensenders WELT mithilfe von Deepfake-Technologie verfälscht. Betrüger:innen bearbeiteten echtes Videomaterial und legten eine künstlich erzeugte Stimme über die Beiträge, sodass der Eindruck entstand, ein Moderator berichte über eine neue Finanzplattform des Unternehmers Dietmar Hopp.

Ziel der Manipulation war es, die betrügerische Plattform seriös wirken zu lassen und potenzielle Anleger:innen zu Investitionen zu verleiten.

Wie lassen sich Investmentscams erkennen?

Durch die steigende Qualität wird es immer schwieriger, die Betrugsversuche zu erkennen. Die gute Nachricht ist: das ändert nichts am Grundprinzip der Falle. Und wer dieses durchschaut hat, ist gut gewappnet die Betrugsmachen auch in Zukunft zu durchschauen. Grundsätzlich gilt:

  • Zu gut, um wahr zu sein: Klingt etwas zu gut, um wahr zu sein, dann ist es eine Betrugsfalle! Niemand hat etwas zu verschenken, niemand teilt freiwillig sein Erfolgsgeheimnis mit der Allgemeinheit.

  • Unplausibel: Weder Promis noch Politiker:innen werben in der Regel für ein geheimes oder revolutionäres Investmentprodukt. Dies gilt ebenso für Nachrichtenredaktionen, denn es würde auf ganzer Linie dem journalistischen Ehrenkodex und gängigen redaktionellen Richtlinien widersprechen.

  • Exklusivität: Millionär:innen oder Expert:innen werden die Bevölkerung niemals an ihren Insiderwissen teilhaben lassen – schon gar nicht kostenlos!

  • Unnatürliche Bewegungen: Die Lippenbewegungen stimmen oftmals nicht exakt mit dem Gesagten überein. Sehr häufig fehlen Schatten, Übergänge sind unsauber, das Blinzeln des Promis ist unregelmäßig, die Gesichtsausdrücke sind unnatürlich.

  • Sprachmuster und Hintergrundgeräusche: Die Imitationen der Promi-Stimmen wirken meist nur im ersten Moment täuschend echt. Wer genau hinhört, erkennt bald eine gewisse Eintönigkeit. Sehr häufig fehlen typische Hintergrundgeräusche komplett – z.B. bei einer Pressekonferenz.

  • Quellen und Verbreitungsmuster: Stoßen Sie häufig auf ein Investment-Video, ohne dass davon auf offiziellen Webseiten oder in seriösen Medien berichtet wird, können Sie von einem Betrugsversuch ausgehen.

In die Promi-Falle getappt? Das können Sie jetzt tun

Die Macher:innen hinter dem Promi-Investmentscam nutzen bewusst Kryptowährungen, weil diese viel schwieriger nachzuverfolgen sind als klassische Überweisungen oder Kreditkartentransaktionen. Wer einem Promi-Scam auf den Leim gegangen ist, sollte rasch handeln:

  • Brechen Sie sofort jeglichen Kontakt ab! Überweisen Sie kein Geld mehr und blockieren Sie alle mit dem Betrug in Zusammenhang stehenden Nummern/Adressen etc.

  • Kontaktieren Sie sofort Ihre Bank oder Ihr Kreditkartenunternehmen! Die Berater:innen wissen, ob noch etwas getan werden kann. Die Erfolgsaussichten sind allerdings äußerst gering.

  • Sichern Sie Beweise, fertigen Sie Screenshots an und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei!

  • Melden Sie den Vorfall bei der Finanzmarktaufsicht sowie beim Betreiber der Plattform, auf der Sie die betrügerische KI-Werbung entdeckt haben.

Mehr Informationen finden Sie unter: https://research.oiat.at/de/defame-fakes

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