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500 Euro H&M-Gutschein führt zu kostenpflichtigem Abo

Gepostet am 14.09.2015 von Watchlist Internet

Über Werbung oder WhatsApp erhalten Konsument/innen die Information, dass sie einen 500 Euro H&M-Gutschein erhalten können. Dafür müssen sie unter anderem ihre Rufnummer bekannt geben. Das ermöglicht es Yur Mobile Österreich, über die Telefonrechnung 48 Euro pro Monat für einen Abovertrag zu verrechnen. Der Hinweis auf die anfallenden Kosten ist nicht offensichtlich.


Eine Website, die behauptet, dass es die Chance auf einen 500 Euro H&M-Gutschein gäbe.

Am Beginn des Vertragsabschlusses steht der nicht in diese Richtung gehende Hinweis, dass es für Konsument/innen die Chance auf einen EUR500 H&M Gutschein gäbe. Um sie zu nützen, müssen sie lediglich an einer 1-minütigen Umfrage teilnehmen. Ihre Sinnhaftigkeit wird damit begründet, dass H&M in Vienna (sic!) expandiere und deshalb Feedback benötige.

Die bei der Umfrage gestellten Fragen:

  • Sind Sie regelmäßiger H&M Kunde?
  • Wie häufig besuchen Sie H&M?
  • Haben Sie jemals Rabattcoupons für H&M eingelöst?
  • Wie weit würden Sie reisen, um einen H&M zu erreichen?

Werbung über WhatsApp teilen und Fortfahren


Für den 500 Euro H&M-Gutschein müssen Konsument/innen zwei weitere Schritte setzen.

Nach Beantwortung der vier Fragen, folgt der Hinweis, wie Konsument/innen weiter vorgehen müssen, um den EUR500 H&M Gutschein zu erhalten:

1. Schritt: Klicken Sie 10xmal auf den Share-Button
2. Schritt: Klicken Sie auf Continue und geben Sie Ihre Adressdaten ein.

Damit keine Zweifel daran aufkommen, dass die Umfrage seriös ist, finden sich angebliche Facebook-Kommentare von Gewinner/innen. Sie sollen bezeugen, dass es den 500 Euro H&M-Gutschein tatsächlich gäbe und sie ihn erhalten haben (Ich dachte zuerst, das wäre ein Witz, doch dann kam der Gutschein heute tatsächlich per Post. Ich will mehr Umfragen! Lol)

Bekanntgabe von Daten


Für den 500 Euro H&M-Gutschein sollen Konsument/innen persönliche Daten bekanntgeben.

Nachdem Konsument/innen die Werbung für den H&M-Gutschein 10-mal über WhatsApp geteilt haben, können sie auf der Website fortfahren. Dazu sollen sie ihren Namen und ihre E-Mailadresse bekanntgeben.

Abovertrag um 12 Euro pro Woche


Auf den ersten Blick nicht ersichtlich findet sich ein Kostenhinweis.

Ohne dass es darauf einen Bezug zum H&M-Gutschein gibt, erscheint eine neue Website. Auf ihr ist von einem Download die Rede. Damit Konsument/innen ihn starten können, sollen sie die Schaltfläche OK betätigen. Sie werden angehalten, dass Schnell zu tun. Dabei können sie übersehen, dass der Abschluss eines Abovertrags im Raum steht, denn in einer dunkelblauen Box findet sich in schwarzer Schrift nachfolgender Hinweis: Finde die coolsten Videos, Apps, Spiele, Klingeltäne und Hintergrundbilder bei Yur Mobile Österreich! Abo Service für 12,- Euro (inkl. MwSt.) pro Woche. Wer den Download bestätigt, seine Rufnummer bekannt gibt und weitere Schritte setzt, schließt angeblich einen Abovertrag um 12 Euro pro Woche ab. Den 500 Euro H&M-Gutschein gibt es dafür nicht!

Kein gültiger Vertragsabschluss

Allein das Betätigen der Schaltfläche OKführt zu keinem entgeltlichen Vertragsabschluss zwischen Unternehmen und Konsument/innen. Damit das der Fall ist, muss der Bestellbutton mit den Worten zahlungspflichtig bestellen oder einer gleichartigen, eindeutigen Formulierung gekennzeichnet sein. Andernfalls sind Käufer/innen nicht an den Vertrag gebunden und müssen keine Zahlungen leisten.

Sie sind in die Abofalle getappt?

Sollten Sie in dem Glauben, einen 500 Euro H&M-Gutschein zu erhalten, einen kostenpflichtigen Abovertrag mit Yur Mobile Österreich! abgeschlossen haben, informiert Sie das Unternehmen darüber per SMS. Sie können den entgeltlichen Vertrag in Ihrem persönlichen Kund/innenbereich auf der Website Ihres Mobilfunkanbieters kündigen oder auf die SMS mit Stop oder Stopp antworten. Das muss Yur Mobile Österreich! akzeptieren: Das Unternehmen darf keine Abbuchungen vornehmen.

Unabhängig davon empfiehlt es sich, den Mobilfunkanbieter über den ungewollten Abovertrag zu informieren, ein Ende der Abbuchungen und die Rückerstattung der bereits abgebuchten Geldbeträge zu fordern.

Rechnungseinspruch erheben

Wenn Sie mit dem Mobilfunkanbieter keine zufriedenstellende Lösung erzielen können, beeinspruchen Sie die Rechnung innerhalb von drei Monaten ab Erhalt. Führen Sie dabei alle Abbuchungen von Yur Mobile Österreich! an und erklären Sie, dass es keinen Rechtsgrund dafür gibt. Verlangen Sie, dass die zu Unrecht eingehaltenen Geldbeträge zurückerstattet werden. Melden Sie der Telekom-Regulierungsbehörde (RTR GmbH) den Rechnungseinspruch. Das hat aufschiebende Wirkung hinsichtlich der strittigen Forderungen. Wenn es Ihnen nicht gelingt, das Problem mittels Rechnungseinspruchs zu lösen, stellen Sie bei der RTR GmbHeinen Streitschlichtungsantrag.

Die Watchlist Internet empfiehlt:

Um ungewollte Abos zu verhindern, beantragen Sie eine Sperre von WEB- bzw. WAP-Billing sowie Mehrwert-Diensten bei Ihrem Mobilfunkanbieter. Das hat den Vorteil, dass Ihnen Leistungen nur gemäß Ihres Mobilfunktarifs verrechnet werden können. Als Nachteil kann sich der Umstand erweisen, dass mit einer Sperre unter Umständen gewünschte Dienste blockiert werden.

(Die Watchlist Internet bedankt sich bei einem Leser für die Meldung dieses Fallbeispiels.)

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