12.500 Euro für ein gutes Review? Was wirklich dahintersteckt
Um ihren schlechten Ruf auf Bewertungsportalen etwas aufzupolieren, melden sich Dropshipper seit Kurzem vermehrt per E-Mail bei ehemaligen Kund:innen. Sie nutzen ein vermeintliches Gewinnspiel, um sich positive Reviews zu erschleichen.
Wolffashion.de – Reviews für den Dropshipper
Die Domain „wolffashion.de“ befindet sich seit Ende April 2024 auf unserer Liste der „problematischen Onlineshops“. Kein Fake-Store im eigentlichen Sinn, aber: „Wer hier bestellt, muss mit langen Lieferzeiten, zusätzlichen Kosten, mit Problemen bei Retouren und mit minderwertiger Ware rechnen.“
Die an uns herangetragenen Fälle decken sich mit den Schilderungen auf Bewertungsportalen. So liegt etwa der Trustpilot-Score von wolffashion.de aktuell – nach 1.716 abgegebenen Reviews – nur bei 1,1 von 5 möglichen Sternen. Das ist natürlich schlecht fürs Geschäft. Die Shop-Betreiber versuchen deshalb, daran etwas zu ändern.
Sie versenden Mails an ehemalige Kund:innen und bitten darin um die Veröffentlichung positiver Erfahrungsberichte. Ein derartiges Vorgehen ist nicht unüblich, viele Anbieter melden sich nach erfolgter Lieferung und bitten um eine gute Bewertung. Dubios im Fall von wolffashion.de: Die Verantwortlichen fragen nicht direkt nach einem Review, sondern erzählen eine Geschichte von Gewinnspielen, Lieblings-Kund:innen und 25.000 Euro. So wollen sie eine möglichst hohe Mitmachquote erreichen.
Echt oder Fake? Bewertungsportale wie Trustpilot sind eine gute Möglichkeit, um sich einen ersten Eindruck über die Seriosität eines Webshops zu verschaffen. Allerdings haben die Plattformen immer wieder mit gefälschten Reviews zu kämpfen und deshalb viel in die Ausforschung von Fakes investiert. Werden falsche Berichte entdeckt, drohen dem betroffenen Unternehmen unangenehme Konsequenzen bis hin zur Sperre des Profils. Deshalb ist es für problematische Anbieter so wichtig, möglichst viele „reale“ Reviews von realen Personen zu bekommen.
Wolffashion.de – Die Review-Mail im Wortlaut
Mit welchen Formulierungen und Mitteln die guten Bewertungen erschlichen werden sollen, zeigt dieser Abschnitt. Der Text der E-Mail:
„Ich arbeite im Support-Team und jedes Jahr darf ich ein einen Kunden auswählen, um ihm ein besonderes Weihnachtsgeschenk zu machen.
Und dieses Jahr würde ich super gerne dich auswählen.
Mein Chef erlaubt mir nämlich, meinen Lieblingskunden zu wählen, um 25.000 € zu teilen. Die Hälfte für dich, die Hälfe für mich – wenn mein Chef uns auswählt!
Und was du dafür tun musst, ist wirklich ganz einfach: Schreib eine Bewertung.
Mein Chef wählt am Ende die Bewertung aus, die ihm am besten gefällt.
Wenn er unsere nimmt, gewinnen wir beide. Wirklich!“
Ein verlockend klingendes Angebot. Die Chance auf 12.500 Euro für ein einziges kurzes Review? Was hat man schon zu verlieren. Schmeicheleien sollen bestehende Restzweifel vertreiben.
„Wir sind 14 Leute im Support und jeder darf nur einen Lieblingskunden nominieren. Deshalb wäre es mega, wenn du eine ehrliche, liebe Bewertung schreiben könntest – ich glaube wirklich, dass wir gute Chancen hätten.
Hier kannst du deine Bewertung abgeben: [LINK]
Ich zähle auf dich, XXX.
Lass uns das zusammen schaffen – ich würde mich so sehr freuen!Ganz lieben Dank,
Hanna
Ein Klick auf den integrierten Link führt zu einer spartanisch designten Website, das weitere Vorgehen ist einfach. Eine Wertung zwischen einem und fünf Sternen auswählen, im nächsten Schritt ein paar schöne Zeilen verfassen, abschicken, fertig.
Aber damit ist es noch nicht getan. Die Drahtzieher wollen sicher gehen, dass die positive Bewertung auch tatsächlich auf der Plattform erscheint: „Um zu gewinnen, kopieren Sie bitte Ihren Bewertungstext und veröffentlichen Sie ihn auf Trustpilot.“ Deshalb wurde eine automatische Weiterleitung auf das Trustpilot-Profil von wolffashion.de eingerichtet.
Identes Vorgehen von fudus.de. Unsere Recherche hat gezeigt, dass Review/Gewinnspiel-Mails auch von der Seite fudus.de versendet werden. Die Domain befindet sich seit 22. August 2023 auf unsere Liste von problematischen Shops. Ein Blick ins Impressum zeigt: Dahinter steht dasselbe Unternehmen wie hinter wolffashion.de.
Woran sich ein problematischer Shop erkennen lässt
Durch das Verfassen einer Bewertung alleine kann ehemaligen Kund:innen kein weiterer Schaden entstehen. Auch die Kontaktdaten sind schon beim Unternehmen. Deshalb folgen an dieser Stelle nochmal die Tipps für das Erkennen eines problematischen Online-Shops.
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Lagerstandort: Im Impressum vieler problematischer Shops wird zwar eine Unternehmensadresse in der EU angegeben, die grundsätzlich auch der Wahrheit entspricht. Auch das Unternehmen existiert. Versteckt in den AGBs ist aber oft der Hinweis zum Versand aus einem Lager in China zu finden.
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Versanddauer: Versenden Unternehmen tatsächlich aus Deutschland oder anderen Regionen (Mittel)Europas, erreichen die Pakete üblicherweise innerhalb weniger Tage die Lieferadresse. In den Versandbedingungen problematischer Shops finden sich hingegen Angaben zu deutlich längeren Versandzeiten – z.B. 5-7 Werktage. Ein deutlicher Hinweis für den Versand aus China.
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Reviews überprüfen: Überprüfen Sie vor einer Bestellung unbedingt den Ruf des konkreten Unternehmens. Welches Bild zeichnen die Erfahrungsberichte anderer Kund:innen. Meist kann man sich durch diese Reviews ein gutes Bild davon verschaffen, mit wem man es zu tun hat.
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Nutzen Sie unsere Liste: Neben einer Liste betrügerischer Online-Shops führen wir auch eine zu problematischen Stores. Sofern wir eine Website entsprechend eingestuft haben, ist sie dort zu finden. Unser Fake-Shop Detector schläft beim Besuch betrügerischer oder problematischer Seite in Echtzeit Alarm